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Kategorien > Alltag > Humor

Kapitel 1 Nur der ganz normale Wahnsinn

von Selancia

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„Verdammt!“, fluchte ich und hielt mir beim hinsetzen das rechte Knie. War ja klar…Verschlafen, Bus fast verpasst und jetzt versucht mein Knie noch den Sitz vor mir aufs Übelste zu beschädigen. Leicht angesäuert hob ich meinen Kopf und blickte in ein Dutzend empörte Gesichter. „Ups…“, dachte ich und nahm die Kopfhörer aus den Ohren. Ich hab meinen Ärger wohl etwas zu laut Luft gemacht. Eine leichte Röte schoss in meine Wangen als ich kleinlaut „´Tschuldigung“ murmelte. Ich hasse es Rot zu werden. Von dem Ärger über meine Errötung wurden meine Wangen noch eine Nuance knalliger.
Ein Teufelskreis.
Musik wieder in die Ohren, das beruhigt.
Mein Leben ist schon irgendwie schräg, darauf gepolt die Größtmögliche Sammlung von Fettnäpfchen anzuhäufen. „Vielleicht hab ich ja irgendwo ein Bonuskonto und bekomme in ein paar Jahren einen Kaffeevollautomat.“, dachte ich.
Ich grinste.
Ich fand meine Gedanken schon immer recht witzig. Manchmal verblüffen sie mich, weil sie so absurde Wege einschlugen. Deshalb bin ich auch den Großteil meines Tages in Gedanken.
Ob ich wohl merkwürdig aussah, weil ich still vor mich hin grinste? Eine fluchende, verschwitzte und irre grinsende junge Frau.
Ich sah aus dem Fenster und versuchte zu erkennen, wo ich grad war. „Hm?“, machte ich leise und war verwirrt. Schnell betätigte ich den Stoppknopf und stieg bei der nächsten Haltestelle aus. Wie zu erwarten, war ich viel zu weit gefahren. „Zum zweiten Block komme ich also auch zu spät.“, grummelte ich. Leider bringt mein wirres Hirn mich auch immer wieder in blöde Situationen. So wie jetzt. Ich stand irgendwo in der Stadt, in der ich geboren wurde und aufgewachsen bin und von der ich trotzdem nicht annähernd die Hälfte kannte. Um nicht noch mehr Zeit zu vergeuden, beschloss ich, mit dem nächsten Bus einfach in die andere Richtung wieder zurückzufahren. Also drehte ich mich um und sah grad noch, wie mein Bus um die Ecke bog.
Ruhig Caro.
Immer schön durchatmen.
Dann also zu Fuß.
Nach etwa 10 Minuten war ich anscheinend noch weiter von der Schule entfernt, als ich geplant hatte. Hatte ich schon erwähnt, dass ich den Orientierungssinn eines verwundeten Maulwurfs habe? Trotzdem war ich pünktlich zum dritten Block in der Schule. Zwar durchnässt, da Petrus es sich zur Aufgabe gemacht hatte, mich bis zur Grenze meiner Geduld zu treiben und auch etwas ermüdet, aber ich war da.
Es war Mathe. Diesem Fach habe ich schon in der Grundschule den Krieg angesagt. Zahlen und ich, das passte noch nie zusammen. Mit einem hoch konzentrierten Blick folgte ich dem Geschehen an der Tafel und bis zu einem gewissen Grad konnte ich dem Thema auch folgen. Da meine Aufmerksamkeitsspanne erschreckend kurz ist, ließ ich mich durch ein Brot, das auf einer Brotdose auf einem der Tische lag, ablenken. Marmelade. Seid wann gibt es Marmelade? Wer hat sie erfunden? War es Absicht oder hat sich einfach mal jemand auf einen Beutel mit Früchten gesetzt und das matschige Ergebnis probiert? Ich stockte kurz. Warum denke ich sowas? Ich wandte meinen Blick von dem Brot ab. Warum gucken mich alle an? Ich konzentrierte mich auf die Klasse. „Was sagen sie dazu Caro?“, fragte Herr Schrock und deutete auf das Zahlen- Wirrwarr an der Tafel. Da ich zu Tief in meinen Gedanken steckte, brachte ich nur ein Wort heraus:“Marmelade.“
Oh nein.
Ein weiterer Fettnapf in meiner glorreichen Sammlung.
Marmelade. „Caro an Hirn: Das gibt Rache!“, dachte ich voller Wut und Wissen über die kommende Stunde. Diese Peinlichkeit wird sicher nicht innerhalb dieser 4 Schäbigen Wände bleiben. Prima.

Als ich den Tag endlich hinter mich gebracht hatte und erleichtert in meinem Zimmer stand, atmete ich zum ersten Mal an diesem Tag auf. Nach dem Marmeladen- Vorfall war, außer dem anhaltenden Gelächter, nichts bewegendes mehr passiert. Ich beschloss also mich umzuziehen, um diesem Tag zu entfliehen.
Ein Bein aus der Hose.
Das andere Bein aus der Hose.
Balance halten.
Halten hab ich gesagt! „Aaahh!“, rief ich und fiel unsanft auf einen Haufen Bücher, der aufgrund meiner kategorischen Ablehnung gegen Ordnung kein Einzelbauwerk in meinem Zimmer war. „Das…tut…weh…“, schnaufte ich und überlegte, ob ich mir wohl ein paar Rippen gebrochen hatte. Geschunden und am Limit meiner Nervlichen Kapazitäten verzichtete ich auf weiteren Klamottentausch und kroch mürrisch ins Bett.

Noch nicht ganz entspannt und gänzlich von Müdigkeit beherrscht krabbelte ich am nächsten Morgen aus den Federn. Geschickt, erstaunlicher Weise nicht durch meine morgendliche Grobmotorik beeinträchtigt, steuerte ich meinen Körper an kunstvollen, in Handarbeit hergestellten Klamotten- und Buchhaufen vorbei in mein Bad. Ich danke Gott dafür, dass ich mein eigenes Badezimmer hatte. Ein Vorteil eines Hauses: Großes Zimmer, eigenes Bad, eigenes Reich. Und das brauchte ich auch. Am Morgen oder generell nach dem Aufstehen, bin ich sehr unfreundlich. Ich gehe mir selbst auf die Nerven und fühle mich schon durch das Geräusch des fließenden Wasser beim Zähneputzen gestört. Kurz gesagt: Ich bin ein Morgenmuffel. Einer der rachsüchtigen Sorte. Im Bad angekommen werfe ich einen Blick in den Spiegel. „Ah…“, entfuhr es meiner Kehle. „Du siehst schrecklich aus. Geh mir aus den Augen!“, zischte ich mein Spiegelbild an. Geschwächt von der wenig erholsamen Nacht lehnte ich mich auf den Waschtisch und begann meine Zähne zu putzen.
Fertig. Ich riskierte noch einen Blick in den Spiegel.
„Das Monster aus der Tiefe, 2. Akt“, flüsterte ich bevor ich mein Bild begutachtete. Rechte Wange, eine lange Falte. Auf dieser Seite hatte ich wohl zuletzt gelegen. Linke Wange, ein länglicher, weißer Strich. Ich hatte also wieder gesabbert. Sehr attraktiv Nicole. Schnell in die Dusche und die Spuren meiner unrühmlichen Angewohnheiten abwaschen. Schon aktiver schwang ich mich in die Wanne und rutschte, zu meinem Erstaunen, nicht aus. Es versprach ein guter Tag zu werden.
Zu früh gefreut. Als ich mich, ebenso schwungvoll wie zu Anfang, aus der Wanne raussteuern wollte, verfehlte ich das Handtuch, rutschte ein Stück und schlug unsanft mit meinem Hinterteil auf den kalten und harten Badezimmerboden. Dafür fehlten mir die Worte. Irgendwie ist mein Pech schon fast absurd. Oder nicht?

Da heute Samstag war, musste ich nicht in die Schule und darüber war ich sehr froh. Weniger erfreulich war, dass ich zur Arbeit musste.

„Berberil, der Sparmarkt ihres Vertrauens…Berberil, der Sparmarkt ihres Vertrauens“, murmelte ich eher minder enthusiastisch jedem neuen Kunden ins genervte Gesicht. Warum musste ich diesen Satz immer und immer wieder sagen? Ich hatte absolut keine Lust dazu und die Kunden fanden es mindestens ebenso überflüssig. Als ob sie nicht wüssten, wo sie wären.
„Oh, entschuldigen sie. Ich habe an die letzten 30 Minuten keine Erinnerung. Wo bin ich grad?“, sagte eine hohe Stimme in meinen Gedanken.
„Kein Problem. Sie sind bei Berberil, dem Sparmarkt ihres Vertrauens“, sagte meine Stimme in meinem Kopf.
„Danke mein

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Kommentare

georgiana schrieb am 2010-05-04 14:33:57:
jaaaa, wirklich super geschichte !!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Anna schrieb am 2009-03-04 15:33:16:
Echt super tolle Geschichte!!!!!!! Mach weiter so!

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