Kapitel 4 (Dunkle Gedanken)
von
Elina
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Dann ging nochmal die Tür auf. Ben betrat das Klassenzimmer. Er schüttelte sich die Schneeflocken aus seinem kurzen, aufgestellten, braunen Haaren. Sofort heiterte sich die Stimmung im Raum auf.
Er ist so süß!
Wow, sieht der heute wieder toll aus!
Sein Blick ist so cool!
Ich will ihn für mich!
Eine Welle von Gedanken strömte auf mich ein. Solche Gedanken waren wirklich nervig und wenn so viele auf einmal kamen, bekam ich schnell Kopfweh, da die Gedanken dann in meinem Kopf dröhnten. Er war so was wie der Schulschwarm, selbst meine Schwester schwärmte für ihn. Ich fand, dass er wirklich nicht schlecht aussah, aber seinen Charakter, genauso wie von allen anderen gutaussehenden Jungs, kann man vergessen. Er ist ein Macho, der jedes Wesen mit etwas Oberweite sofort ansteuert und anmacht. Solche Jungs sind einfach unausstehlich für mich. Er lachte entschuldigend und meinte: „Hey, Sorry Leute! Der King ist zu spät.“
So ein eingebildeter Typ! Das war Tessa, die in meine Richtung blickte und meine Zustimmung erwartete. Ich nickte ihr zu. Ich hielt mir den Kopf. Wieder ein Schwall von Gedanken, die ich nicht hören wollte. Emilie nahm mich in den Arm und versuchte an nichts zu denken, damit es nicht noch schlimmer wurde. Auch Tessa versuchte es. Natürlich schafft man es nicht, an nichts zu denken, doch ich hörte sie nun wesentlich leiser, fast wie ein Flüstern.
Aber das allerschlimmste wahr, dass Ben direkt hinter mir saß und gerade im Moment ziemlich laut dachte, wie toll er doch sei. Einfach schlimm.
Die Sonne kam hinter den nun schneeleeren Wolken hervor und schien in das große Klassenzimmer. Ich saß direkt am Fenster und mit meinem Pullover und der Heizung direkt am Fenster wurde mir sofort heiß. Ich versuchte, die Heizung herunter zu drehen, doch es ging zu schwer. Ich war einfach zu schwach. Schwächling, da muss ich wohl ran. Ben lehnte sich über seine Bank nach vor und flüsterte: „Lass mich mal!“ Er versuchte an den Heizungsregler heranzukommen, ich rutschte zur Seite, damit er besser hinkam. In dem Moment rutschte er mit seiner Stützhand ab und fiel auf den Tisch. Es knackste kurz, dann gab das vordere Tischbein nach und er fiel mit samt Tisch nach vorne. Blöderweise saß ich dort gerade, da ich ihm ja Platz gemacht hatte und Ben landete auf mir. Mein Stuhl hielt unser Gewicht allerdings nicht aus und so krachte auch er zusammen.
Autsch! Ben rieb sich den Kopf und lag über mir. Er starrte mich an und lachte. Idiot!
Natürlich war dieses Spektakel nicht gerade unauffällig von Statten gegangen und so stand nun unser Biolehrer vor uns und dem Holzhaufen von Stuhl und Tisch.
„Was macht ihr da?“, fragte er zweifelnd. Na ganz toll…
Wieder kam eine Welle von Gedanken auf mich zu und erschlug mich halb. Die ganze Klasse hatte das falschverstanden. Selbst Tessa und Emilie sahen mich fragend an.
„Ich sitzt heute nach, alle beide!“, meinte der Lehrer streng.
Von ihr hätte ich das nicht erwartet! Und jetzt muss ich sie nachsitzen lassen!
In seinen Gedanken schwang eine Enttäuschung mit. Toll, jetzt durfte ich nachsitzen! Und dann noch mit diesem Idioten!
In diesem Augenblick gongte es und der Lehrer verließ das Klassenzimmer. Sofort stürmten alle auf Ben zu und befragten ihn. Er erklärte ihnen was passiert war und sie zogen sich befriedigt wieder zurück. Ich starrte ihn wütend an. Er sah mich belustigt an. Seine Gedanken hüpften: Das war doch mal lustig! Nicht immer nur langweiliger Unterricht. Aber der Tisch tut mir schon ein wenig Leid…
„Ja, der arme Tisch…“, murmelte ich wütend. Doch er hörte es nicht, denn er ging raus, um einen neuen Tisch zu holen.
Sofort kamen Emilie und Tessa zu mir und halfen mir hoch.
„Stimmt das, was er erzählt hat?“, fragte Tessa leicht angesäuert und schüttelte angewidert ihre schwarzen, kürzeren Haare. Ich hörte in ihren Gedanken die Wut über ihn, weil er mich in so was mit rein gezogen hatte.
„Ja, schon gut Tessa…“, versuchte ich sie zu beschwichtigen.
Emilie sah mich besorgt an. „Hast du dir weh getan?“ Ich schüttelte den Kopf und rappelte mich ganz auf die Beine. Die nächste Stunde war Mathe und die wollte ich nicht unbedingt stehend verbringen, also trottete ich aus dem Zimmer und zum Dachboden der Schule, wo sich Ersatztische, Stühle und Bänke befanden. Kurz bevor ich dort war, kam mir Ben entgegen. Er lachte, als er mich entdeckte und meinte: „Wir sehn uns heute beim Nachsitzen! Ich freu mich!“ Komischerweise dachte er exakt dasselbe.
Es gab nicht viele Menschen, die genau das sagten, was sie dachten. Doch er war anscheinend wirklich erfreut, mich beim Nachsitzen dabei zu haben.
Na toll! Schön für ihn!!! Hat wenigstens einer Spaß! So ein Idiot!
Nachdem ich mit einem Stuhl wieder zurück im Zimmer war, teilte unser Mathelehrer gerade unsere Schulaufgaben aus. Ich war ziemlich weit vorne im Alphabet, daher bekam ich sie als eine der ersten. Ich hatte eine Eins. Ich war die einzige mit voller Punktzahl. Ich wusste meine Note schon bevor er sie herausgab, da er schon in Gedanken stolz auf ihre Unterrichtsmethoden war. Ben bekam sie gleich nach mir, er hieß nämlich Emke. Bei ihm schüttelte er den Kopf und dachte: Wieso bekomme ich den Knaben nie so weit, dass er wenigstens einen Vierer schafft?! Er hatte also eine Fünf.
Ich schüttelte den Kopf. Wenigstens so weit anstrengen, dass man das Schuljahr schafft, sollte man schon meinen…
„Ich bin wirklich enttäuscht von dir!“, bemerkte der Lehrer verärgert. „Kannst du dich nicht mal mehr anstrengen oder Nachhilfe nehmen?“
Dazu hab ich keine Zeit und keine Lust. Er schwieg.
Der restliche Tag verging ganz normal. In der Pause wurden wieder einige Schneebälle geworfen, obwohl kurz zuvor eine Durchsage kam, dass dies verboten sei.
So war es kein Wunder, dass auch mich beim Zurückgehen ein Schneeball am Kopf traf. Die Gedanken der Kinder hinter mir waren schadenfroh und sie lachten.
Typisch… immer dasselbe. Als ich nichts gegen die Kinder unternahm, drehte sich Tessa wütend um und starrte die Kleinen wütend an. „
Verzischt euch!“, rief sie und die Übeltäter ergriffen die Flucht.
Warum hast du nichts gemacht? „Nur Verschwendung von Sauerstoff, in der nächsten Pause machen sie sowieso wieder dasselbe.“, meinte ich gelassen.
Ich zupfte mir die Schneereste aus meinen Haaren und wir machten uns wieder auf den Weg zum Klassenzimmer. Im Flur sahen wir meine Schwester mit ein paar anderen Mädels aus ihrer Klasse und einigen Jungs. Wenn ich mich nicht verhört hatte, hatte ich auch Bens innere Stimme gehört. Bei ihm war ich sehr vorsichtig was meine Schwester anging. Sie hatte schon mindestens drei Freunde hinter sich und ich wollte nicht, dass er mit ihr etwas anfing. Denn dann brachte er sie vielleicht sogar noch dazu mit ihm ins Bett zu steigen! Und so wie ich meine Schwester kenne, würde sie ihm blind vertrauen und es tatsächlich machen.
Also blieb ich stehen und hörte unauffällig den Gedanken dieses Machos und meiner Schwester zu.
Er ist schon süß… wenn er sich für mich
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Kommentare
Elina schrieb am 2009-01-29 20:06:04:
Danke! Ich dachte schon, niemand ließt meine Geschichte, deswegen hab ich so lange nichts reingestellt, aber wenn es jemanden gibt, der sie interessant findet, werde ich sie weiter schreiben! THX!!! Eure Elina
Lisa [=)] schrieb am 2009-01-06 11:11:42:
Ich habe die Geschichte gelesen, um eine Interpretation drüber zu schreiben, jedoch ist es mir nicht leicht gefallen c(:
Ansonsten ist es eine schoene Geschichte.
@ Lisa.
Faraday schrieb am 2009-01-05 17:46:45:
Liebe Elina!
Ich bin eigentlich aus Zufall auf deine Geschichte gestoßen. Am Anfang passierte ja noch nicht so viel, also beschloss ich einmal weiterzulesen - und ich glaube, dass aus deiner geschichte etwas werden kann! Haben wir denn nicht alle mal davon geträumt, die Gedanken anderer lesen zu können? Die Gedanken von Menschen, wie Ben? Ich finde deine Idee sehr interessant. Gut ist auch, dass du das Gedankenhören eingeschrenkt hast, sodass es in diesem Falle für Zahra nicht zu einfach ist, sich ein Bild von jedem Menschen zu bilden, da sie ja Gefühle wie Hass oder Liebe nicht erahnen kann.
Vorteilhaft ist es auch, wenn die Leser sich nach deiner Geschichte neugierige Fragen stellen. Ich habe eine und zwar habe ich versucht, den Titel mit deiner bisherigen Geschichte in Verbindung zu bringen, es ist mir aber noch kaum gelungen, weil du ja auch noch am Anfang bist.
Schreib weiter, ich bin gespannt ob du es schaffst, weiterhin meine Neugier zu erwecken.
Viele liebe Grüße,
deine
---Faraday---
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