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Kategorien > Alltag > Humor

Kapitel 4 Mein Freund der Zufall

von Selancia

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Wer kennt das nicht? Während man faul auf dem Sofa liegt und im Fernsehen die Hübschesten der Hübschen sieht, denkt man sich: Ich sollte wirklich Sport treiben. Bei diesem Gedanken bleibt es dann auch meistens.
Ich bin dafür das beste Beispiel.
Vor ein paar Wochen saß ich am Computer und schaute mir alte Bilder an. „Da war ich aber ein ganzes Stück schlanker“, dachte ich und steckte mir ein Stück Schokolade in den Mund. Während ich kaute fiel mein Blick erst auf die angebrochene Tafel Schokolade auf meinem Schreibtisch, dann auf das alte und schlankere Partyfoto und schließlich wagte ich einen Blick an mir hinunter. „Oh“, stöhnte ich und begutachtete mein angefuttertes kleines Speckröllchen an meinem Bauch.
Ich beschloss Sport zu treiben.
Da man mich guten Gewissens als Bewegungslegastheniker bezeichnen kann, fielen Gruppensportarten (wegen dem Verletzungsrisiko für die Anderen) und Dinge wie Joggen und Walken schon mal aus dem Angebot.
Eine informative Internetseite setzte mir dann die Idee des Fahrrad Fahrens in den Kopf.
Was konnte ich da schon falsch machen?
Der Plan stand und am nächsten Tag hatte ich nach der Schule etwas Zeit. Eigentlich stand meinem Vorhaben, Sport zu treiben, im Weg.
Eigentlich.
Irgendwie war es etwas kalt draußen und ich wollte natürlich nicht krank werden.
Dann also am nächsten Tag.
Zu warm (gefühlte 15 Grad, trotzdem zu warm).
Regen.
Wind.
Etwas am kränkeln.
Nach einer Woche hatte sich mein Fahrrad noch keinen Zentimeter bewegt und dieser Tag bot sich geradezu an. Ich überwand meinen inneren Schweinehund und schwang mich aufs Fahrrad.

Fatale Fehler sind, wenn Lottogewinner ihren Schein aus Versehen wegschmeißen, Schüler sich bei der Abiturprüfung beim Spicken erwischen lassen und wenn ich beschließe, ein Fahrrad zu fahren. Die alte Rostlaube war bereits älter als ich (22 Jahre ist ein verdammt hohes Alter für ein Fahrrad) und ich traute mich kaum, in die Pedale zu treten. Das erste Missgeschick passierte nach wenigen Metern.
Krrrrz. Kettensalat.
Die verhakte Kette bremste meinen Drahtesel abrupt ab und ich schaffte es grad noch, mich auf meine beiden Füße zu bringen.
Der Lenker drückte sich unangenehm in meine Leistengegend
„Aua!“, rief ich und verzog das Gesicht.
„Auch das noch“, dachte ich mit einem Blick auf die Uhr. In 30 Minuten fängt der Unterricht an. Ich machte mich also an die Reparatur meiner Fahrradkette.
Fahrrad einmal umgedreht.
Auf die Knie.
Möglichst Fachmännisch dreinblicken.
Und schon konnte es losgehen. Ich steckte meine Finger in den Kettensalat und zog dran. „Das muss doch irgendwie hier raus oder nicht?“, fragte ich mich selbst. Da ich davon überzeugt war, das ziehen und zerren die einzige logische Art war, um diesen Salat zu entwirren, zog ich kräftig weiter. In einer kurzen Pause ließ ich meinen Blick über die Häuserfront schweifen, vor der ich meine kleine Reparaturwerkstatt platziert hatte. Aus einem Fenster im ersten Stock wurde ich von einem amüsierten jungen Mann beobachtet, der, als sich unsere Blicke trafen, lachend seinen Daumen in die Höhe hielt.
Uh, er versucht sarkastisch zu sein. Ganz witzig.
Ich streckte ihm die Zunge aus.
„Danke. Ich weiß selber, dass ich keine Ahnung hab, was ich da tue.“, murmelte ich in den Wind.
Ein weiterer Blick auf die Uhr sagte mir, dass ich noch knappe 20 Minuten Zeit hatte. Ich kniete mich wieder vor mein Fahrrad und gab alles.
Und ich schaffte es tatsächlich. Stolz erhob ich mich und blickte auf das Fahrrad nieder.
„Blenden bei völliger Ahnungslosigkeit“, triumphierte ich über meinen Beobachter.
Ich drehte mein Fahrrad wieder in die richtige Stellung und fuhr weiter. Wenn ich richtig Gas gab, würde ich es noch schaffen. Da ich aber leider keinerlei Ausdauer hatte war ich nach wenigen Minuten vollkommen aus der Puste.
„Mein…Gott…ich…bin…so….unsportlich…“, presste ich mit meiner letzten Luft zwischen meinen Zähnen hervor. Mit der kompletten mir zur Verfügung stehenden Konzentration hielt ich mich bei Bewusstsein und auf dem Fahrrad. Zu allem Überfluss kam jetzt auch noch eine Brücke. Bergauf zu fahren würde mich meine letzten Reserven kosten.
Einfach immer weiter in die Pedale treten.
Einmal.
Noch mal.
Und noch mal….Ich stockte.
Als ich fast am höchsten Punkt der Brücke angekommen war, erhaschte ich einen Blick auf den Fahrer eines im Stau stehenden Autos.
Er lächelte mich an.
„Lächel zurück du schwächliche Ausgabe eines gebärfähigen Weibchens!“, schienen meine Hormone mir zu befehlen.
Es dauerte einen Moment bis ich meine Restreserven auf mein Gesicht konzentrieren konnte. Ein Lächeln entfuhr meinen Lippen.
Das war das zweite Missgeschick des Tages. Da ich vollkommen darauf bedacht war, eine gute Figur für den süßen Fahrer zu machen, achtete ich nicht darauf, wo ich lang fuhr.
Zu meinem Bedauern kam ich dem Geländer der Brücke ein wenig zu nah.
Mein Lenker verhakte sich zwischen den einzelnen Streben und ich flog mit erschütternd wenig Eleganz zu Boden.

Als ich wieder erwachte schaute mir der unglaublich süße Typ, der vom Nahen noch viel niedlicher war, besorgt ins Gesicht.
„Wie geht es dir?“, fragte er in einem ernsten Ton.
Ich versuchte zu erfassen, was eben Geschehen war.
„Ich bin gestürzt. Und anscheinend war ich Ohnmächtig geworden.“, dachte ich und sah mich vorsichtig um. Ein paar Leute standen gaffend um mich rum. Allein der Süße hatte sich zu mir gekniet und schien besorgt.
Ich tastete meinen Kopf ab bis ich zur Stirn gelangte und sah danach meine Hand an.
Kein Blut.
„Schon mal positiv.“, dachte ich und sagte „Gut. Denke ich.“
Meinen Blick noch immer auf meine Hände gerichtet überlegte ich, warum sie schwarz waren.
„Die Kette“, flüsterte ich, als mir einfiel, dass die Fahrradkette sich gegen meine Fahrkünste gewehrt hatte.
„Was?“, fragte der Süße verwirrt.
„Meine Kette. Vom Fahrrad. Schwarze Hände.“, sagte ich und zeigte ihm meine Hände. Es fiel mir schwer, meine Gedanken flüssig auszudrücken. Anscheinend war ich doch etwas stärker auf meinen Kopf gefallen, als gedacht.
Immer noch verwirrt, griff er unter meinen Körper und hob mich hoch. „Ich bringe dich ins Krankenhaus“, sagte er und trug mich in Richtung seines Autos.
So ganz allein mit einem fremden im Auto, das war mir doch etwas unheimlich. „Aber ich kenne dich doch gar nicht.“, stammelte ich verlegen und etwas ängstlich.
„Ich bin Jan.“, sagte er mit einem leichten Lächeln.
„Schöne Lippen“, sagte ich.
Ich wurde Rot.
Das war anders geplant.
„Eigentlich wollte ich das nur denken“, sagte ich zu Jan und seufzte resigniert.
Er lachte laut und stellte mich an seinem Auto auf meine Füße. Ich testete mich selbst.
Den Kopf langsam hin und her drehen.
Nach oben.
Nach unten.
Kein Schwindel.
Das war schon mal gut. Erleichtert wollte ich um das Auto rum zur Beifahrertür gehen.
Das nächste Missgeschick ließ nicht sehr lange auf sich warten. Ich stolperte über meine eigenen Füße und landete unsanft auf meinen Knien.
„Aaaaau…“, stöhnte ich und rappelte mich

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Kommentare

Johannes Beck schrieb am 2009-04-30 23:14:08:
Sehr, sehr lustig. Hab hier schon lange keine so gute Geschichte gelesen...
Gut, ich lese hier auch nicht mehr besonders viel, aber egal.

Nochmal: Sehr gute und lustige Geschichte

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