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Kategorien > Anekdoten > Erfunden oder erlebt?

Karma

von Michael Behofsics

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Karma

Ich lernte Wolf auf einer Party kennen. Wir hatten ein paar gemeinsame Bekannte und wurden etwa zwischen der dritten Runde Tequila und der fünften Runde Bier, ganz beiläufig einander vorgestellt. Wir verstanden uns auf Anhieb. Irgendein Typ kreuzte unseren Weg, und Wolf hatte ihn solange beleidigt bis alle umstehenden Leute vor lachen nicht mehr trinken konnten. Das imponierte mir irgendwie. Ich selbst habe auch dieses Talent bei etwa 1,5 Promille. Die Party war Größtenteils langweilig. Bis Wolf aufkreuzte stand ich eigentlich nur da, trank und ärgerte mich über die dämlichen Gespräche um mich herum, welche mich animierten noch mehr zu trinken. Aber es machte Spaß mit Wolf diesen Leuten zu sagen was Sache war, auch wenn die Meisten unsere Witze nicht verstanden. Nachdem wir etwa drei viertel der Gäste und den Gastgeber durch hatten, wurden wir des Hauses verwiesen. Der Gastgeber, Tom glaube ich, hatte so einen Gorilla von einem Menschen angeheuert, das nehme ich wenigstens an, soviel ich wusste hätte das auch ein Kumpel von ihm sein können. Und dieser Gorilla bellte uns entgehen. Wolf und ich konnten uns nicht halten. Nach ein paar Anabolika Witzen und Scherzen über kleine Penisse packte der Typ, jeden von uns mit einer Hand, am Kragen und zerrte uns vor die Tür. Es war noch nicht spät und wir beschlossen dass wir noch nicht so betrunken waren wie es den Anschein hatte. Zum Glück habe ich auf Parties eine schlechte Angewohnheit. Da ich früher oder später rausgeworfen werde oder die Party so elend langweilig wird das ich’s nicht mehr aushalte, greif ich mir meistens eine Flasche Whiskey oder Vodka oder ähnliches. Diesmal war es Whiskey. Somit hatten wir einen Puffer bis wir entschieden was als nächstes passieren sollte. Wir unterhielten uns über dies und das, über Gott und die Welt. Wer wohl den Kampf Bukowski gegen Hemingway gewonnen hätte. Ich sagte Bukowski, weil er ein stämmiger Kerl war, auf der Straße groß wurde. Ich glaubte einfach dass der Mann Wucht hinter seinen Punches hatte. Wolf sagte Hemingway würde in der ersten Runde durch KO siegen, weil er ja in der Army war und eine Kampfausbildung hatte und so. Ich sagte das Hem Kriegsberichterstatter war, worauf er nur die Schultern zuckte und sagte Buk hätte 11 Jahre bei der Post gearbeitet. Wahrscheinlich wären beide in der Zweiten Runde zusammengeknickt weil die Lunge oder der Magen nicht mitgemacht hätten. So vertrieben wir uns die Zeit während die Flasche sich leerte. Es war nicht mehr weit hin bis zum Flaschenboden da machte Wolf den Vorschlag zu seiner Freundin zu gehen. Sie schmiss grade auch so was wie eine Party. Sowas wie? Was sollte das bedeuten? Nach einem Anruf und einer Kurzbeschreibung meiner Person, bei der ich mich übrigens sehr geschmeichelt fühlte, machten wir uns auf den Weg. Es war nicht weit, und bis wir da waren hatten wir den Whiskey erledigt und Zigaretten besorgt. Scheiße, dachte ich. Was für eine scheiß riesige Villa. Na gut es war keine Villa, aber ein ziemlich großes Haus. Wolf erzählte mir, seine Freundin war nur etwa Zwei Jahre älter als ich. Wie konnte sie sich so ein Haus leisten? Die Erklärung kam prompt als Wolf meinen Gesichtsausdruck deutete.
„Eltern.“ Sagte er nur als er die Tür aufschloss. Wenn diese Hütte auch von Außen schon beeindruckend war, weiße Säulen vor dem Eingang, ein riesiger Garten, ein Pool, ein Teich und ein mit Steinen gelegter Weg zur Tür, war es von innen einfach der Hammer. Natürlich war es viel zu protzig und zu groß für meinen Geschmack. Ich hocke lieber in einer Wohnung und habe alles was ich brauche in nächster Nähe. Aber nichts desto trotz war es einfach beeindruckend. Als wir den Vorraum betraten hörten wir Psychedelischen Rock von The Velvet Underground oder sonst wem, und ein unverkennbarer Geruch zog von einer gewundenen Treppe her. Zwei Junge Frauen, nicht viel älter als ich selbst, Anfang Zwanzig eben, kamen kichernd diese Treppe runter. Okay, jetzt verstand ich was er meinte. Beide sahen umwerfend gut aus. Eine stellte sich mir als Kati vor, groß, blonde Haare, blaue Augen und so schlank das man fast ihre Hüftknochen sehen konnte. Bei einem Küsschen links, und einem Küsschen rechts, nahm ich dezenten Jasminduft wahr. Nicht schlecht. Aber nicht mein Typ, sehr hübsch, aber nicht mein Geschmack. Die Andere war schon mehr mein Fall. Dunkle Haare, dunkle, grüne Augen und die Kurven wie sie sein sollten. Perfekt. Wahnsinn. Sie wurde mir von Wolf als seine Freundin Andrea vorgestellt. In diesem Moment brach etwas. Etwas in meinem Kopf, meiner Brust, oder vielleicht war es auch nur meine Libido die sich verabschiedete. Auf Jedenfall hatte ich plötzlich keine Lust mehr da zu bleiben. Ich wusste ich würde nur da sitzen und mich ärgern dass ich diese Schönheit nicht haben konnte. Verdammt, ich war richtig wütend darüber. Keine Sekunde später war meine Wut verflogen. Andrea warf mir einen unmissverständlichen Blick zu, als sie auf mich zukam für die rituelle Begrüßungszeremonie der beiden Küsschen. Ich war wieder motiviert. Die Blonde lief wieder die Stufen hoch. Andrea sagte es seien noch ein paar ihrer Freundinnen da, also nehme ich an die Blonde war zur schnellen Berichterstattung vorausgeschickt worden und muss sich zum Rapport melden ehe Wolf, Andrea und Ich das obere Zimmer erreichten. Einerseits fragte ich mich was sie wohl in so kurzer Zeit alles zu berichten hatte, andererseits fand ich es ziemlich dämlich, weil sich die Anderen sowieso kurz darauf ein Bild von mir machen konnten. Wolf und Andrea gingen Arm in Arm voraus. Entlang des Treppenaufstiegs waren schreckliche Bilder aufgehängt. Kein einziges dabei das etwas taugte. Es sah tatsächlich so aus als wären die Bilder mit dem Haus gekauft worden. Grauenvoll. Aber als wir oben ankamen, war ich positiv überrascht. Es war gemütlich, das Zimmer war voller weicher Sofas und Tische. Überall hingen Poster von guten Filmen oder selbst gemalte Bilder, von denen allerdings nur zwei etwas taugten. Eines zeigte einen Mann im Gegenlicht auf einer Schiene balancieren, während hinter ihm der Zug auf ihn zuraste. Das Andere zeigte ein Motiv aus Taxi Driver mit Robert de Niro. Wolf warf seine Sachen einfach in eine Ecke des Sofas, ich hängte meine Jacke an den Kleiderständer, was Andrea ein kleines Lächeln entlockte. Ich lächelte zurück. Als ich mich setzte drückte mir jemand eine Pfeife in die Hand und stellte sich als Vera vor. Ich grüßte einfach in die Runde und stellte mich einmal vor. Die Anderen Namen konnte ich mir nicht merken, weshalb ich den ganzen Abend eigentlich nur mit Wolf, Kati, Andrea und Vera sprach. Es waren noch etwa Fünf andere Mädels auf den Raum verteilt, aber wie schon erwähnt, waren die nebensächlich. Ich nahm die Pfeife, stopfte sie, inhalierte und gab sie weiter. Es war amüsant, dort zu sitzen und zu rauchen, die Atmosphäre stimmte einfach. Und je mehr ich über Andrea erfuhr desto besser gefiel sie mir. Sie las gute Bücher, malte und machte Musik, sie war nicht verklemmt,

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