Kartoffelauflauf
von
Stift
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Kartoffelauflauf aus Kartoffelkarpaccio
2 Kilogramm festkochende Kartoffel
4 Eier
5 Spritzer Maggi
Muskat
Frische Gartenkräuter
1 Becher Schmand
Alle Kartoffel in hauchdünne Kartoffelscheiben hobeln,
mit den Eiern, den frischen, gehackten Gartenkräutern, 5 Spritzer Maggi, Muskat und dem Becher Schmand vermischen,
mit viel Liebe in der Auflaufform verteilen, Scheibchen für Scheibchen (Fischschuppenartig übereinander legen), Schicht für Schicht,
die Auflaufform für mindestens anderthalb Stunden ins Backrohr bei ca. 200 Grad Celsius.
FERTIG
Mit diesem Rezept hat es so seine ganz besondere Bewandtnis.
Als vor einigen Jahren mein erstes Leben nach rund 20 Familienjahren mit einem ungeheueren Donnerschlag zu Ende ging, lag ich da plötzlich am Boden zerstört. Allein, nackt, verwirrt und fast mittellos. Zugegeben, als ungeheuren Donnerschlag empfand ich es wohl nur. Die meisten Freunde, guten Bekannte, meine Familie, sogar ein Teil meiner engeren Kollegen hatten die sich über Jahre entwickelnde Explosion schon lange kommen sehen. Die Welt verfluchend, mich in Selbstmitleid suhlend entschloss ich mich aber dann doch endlich dazu, meinen Hintern aus der Jauche zu erheben, das immer noch vorhandene Rückgrad zu benutzen und aufzustehen, um nach meinem neuen Weg zu suchen. Eins stand für mich schon von Anfang an fest: Allein bleiben und wie es mir fast alle noch verheirateten Freunde empfahlen, um für die nächsten zwei, drei Jahre mal so richtig die Sau rauszulassen, kam für mich nicht in Frage. Ergo setzte ich mich eines Abends mit mir und einer guten Flasche Rotwein hin, um meinem Unterbewusstsein neue Aufträge zu erteilen. „ Du Unterbewusstsein“, sagte ich “ such mir ein Weib, das zu mir passt, Aussehen ist mir egal, ne, zu schön braucht sie nicht zu sein“, denn, das hatte ich ja gelernt, von all zu schönen Tellerchen wollen halt auch viele andere naschen.
„ Sonst noch ein Wunsch ?!“ spöttelte mein Unterbewusstsein. „Ach ja, möglichst bald“, und damit entlies ich es.
Knapp einen Monat später klingelt mein Telephon und am Apparat ist, ich konnte es kaum glauben, meine Bestellung. „Klappt doch Prima“ dachte ich so vor mich hin. Nur wenn die Pizza erst mal nicht zum Gast kommt, dann kommt der Gast eben zur Pizza. Wir trafen uns nur wenige Tage später in der angesehensten Verkupplungszentrale von Troisdorf, dem Wiener – Kaffeehaus zum Kaffeetrinken. Schon beim Eintreten in das sehr gemütliche, helle Lokal nahm ich das eigenartige, mir sonst nur aus George Lukas Filmen bekannte elektrische Summen – whhhhhhhhoooo – war. Da saß Sie also und erwartete mich. „Hallo und so“ , zarter, mehr gehauchter Kuss auf die Wangen, „wie geht’s denn “ , Blickkontakt direkt in die Augen und : HALLELUJA- ZISCH-BUMM-FEUERWERK. Das war´s, seit dem sind wir ein Paar und schon einige Jahre mit einander verheiratet.
Und was hat das ganze Geschmalze jetzt mit dem Kartoffelauflauf zu tun ? fragen sie sich jetzt sicher. Eine ganze Menge, wie sie noch erfahren werden. Mein Unterbewusstsein hatte also seinen Job recht gut gemacht. Ich bin auch recht zufrieden mit dem was ich da bekommen habe. Jedoch in der Feinabstimmung gab es wohl kleine Schwierigkeiten. Mein neues Weib ist nämlich tatsächlich Vegetarierin. Vegetarier, das sind so Menschen, die sich ein Pferd in aller Ruhe betrachten können, sie stehen wie verzaubert an einer Pferdekoppel und geben so wirres Zeug von sich „ schau dir mal das schöne Pferd an, es wiehert sogar, wie anmutig es doch ist, und sieh dir mal das glänzende Fell an“. Auf mich als Allesfresser wirken solche Worte eher apokryph. Stehe ich nämlich vor solch einem galoppierenden Fleischberg, läuft mir glatt das Wasser im Munde zusammen. Der betörende Duft von gut eingelegtem Rheinischen Sauerbraten mit Pumpernickel, Rübenkraut und vielen Rosinen, reichlich Sauce, dazu frische Salzkartoffel und Apfelrotkohl ( mit winzig kleinen, Speckwürfelchen und Ahornsirup versteht sich ) erfüllt sofort meine Sinne. So geht es mit allem was weglaufen kann. Während sich mein Weib an den besonders treuen Augen eines Milch-Lämmchens ergötzt, sehe ich die zarte Milch-Lammkeule heiß und fein nach Rosmarin duftend auf einem schon leicht angewärmten Teller vor mir liegen. Mir persönlich gefällt das chinesische Sprichwort, dass man alles was Flügel hat mit Ausnahme eines Flugzeugs und alles was vier Beine hat mit Ausnahme eines Tisches essen kann und sollte. Mein Weib hingegen kann für eine frische Italienische Gemüseplatte schwärmen, sie bekommt leuchtende, funkelnde Augen bei einem riesigem Nudelberg mit Pesto Genovese. Tropische Früchte, in all ihrer bunten, duftenden Vielfalt, erregen Ihre Sinne.
Im vollem Bewusstsein, dass sich Gegensätze offenbar ganz toll anziehen, beschloss ich schon beim zweiten Treffen, also unmittelbar nach dem Halleluja- Zisch- Bumm- Feuerwerk, für meine damalige neue Freundin zu kochen. Wie schon erwähnt, sehe ich in einem noch so kleinem, blöden, laut kläffenden Etwas eine kulinarische Herausforderung. Geht nicht – gibt’s nicht. Da bin ich vollkommen frei von Vorurteilen. In meinem großen Gänsebräter, sanft vor sich hin schlummernd und schmorend, sind sie alle gleich. ALLE ! Ob Häschen oder Kätzchen. Warum auch nicht. Wie geht man da, also ich, der schon seit Jahrzehnten auf diesem Standpunkt vor sich hindümpelt, am besten vor ?
Es sollte Gemüse werden, das stand fest. Bekanntermaßen haben Menschen mit Phantasie, und die muss man beim Kochen haben, mitunter aber auch ein Problem mit der Selbigen. Im sauber und akkurat gepflegtem Gemüsegarten eines lieben, alten Freundes durfte ich dann Samstags drauf mich mit dem braven, unschuldigem Gemüse abgeben. Hier stand er nun, der edle Kohlrabi, stolz, knackig, ein zartes pfefferiges Aroma verströmend vor mir. Allein im Garten, nur wir beide, quasi Aug in Aug. Ich nahm also mein großes, extra scharfes Küchenmesser in rechte Hand und hielt mit der Linken sein stolzes Haupt. „ na dann woll´n wir mal“ sagte ich halb laut zu mir, „und ran an den Strunk“, nahm mit meiner rechten Schwung und… Nichts… Einfach Nichts !!!, ich brachte es nicht übers Herz ihn zu töten. Ich hätte in diesem Augenblick schwören können, in meiner Metzgereizeitung gelesen zu haben, dass gerade die besonders stolzen Kohlrabis schreien können. „ Egal“ dachte ich, Kohl, wie auch immer verwand mit dem Echten, war noch nie mein Ding. Auf zu den Zucchinis. Da lagen sie nun, diese kleinen, drolligen Rüpel. Manche hatten noch Ihr possierliches Blütenmützchen auf. Wieder andere waren stark, Armdick und vor Kraft strotzend. Eine richtige Rasselbande unter ihrem eigenen Sonnendach. Diese Anmut sollte ich zerstören ?!.“ Wer bin ich denn?“ dachte ich „ etwa Arnold der Barbar“. Wie können Vegetarier so etwas überhaupt tun, haben sie denn noch nie in ihrem Leben in einem gut gepflegtem Gemüsegarten gestanden, haben den irdenen Duft in sich eingesogen um kurz darauf Eins zu werden mit sich selbst und der Schöpfung? Also weiter. Reihen von frischem
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Kommentare
Ellen schrieb am 2010-08-28 00:23:54:
Das ist echt genial-weiter so!!=)
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