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Kategorien > Anekdoten > Erfunden oder erlebt?

Kartoffelauflauf

von Stift

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Kopfsalat wedelten mir fröhlich zu. „Hallo dann auch“ grüßte ich zurück. Pralle, leuchtend, rote Fleischtomaten kokettierten um die Wette mit den angrenzenden feinscharfen Paprika und ihren glutroten Verwandten, den feurigen Peperoni. Eine solche fröhliche Stimmung hatte ich bis dato nur auf ganz weinigen Schlachtfesten empfunden. Deshalb legte ich zum Zeichen meiner Freundschaft erst mal das böse, scharfe Messer weg. Aber so konnte es natürlich nicht weitergehen, irgendwas vegetarisches musste ich ja kochen . Da blieb mein Auge plötzlich an den am Gartenrand, auf einem eigenen aber sehr feinem Kartoffelacker stehenden Nachtschattengewächsen, hängen. Ich rief „ Na Ihr Knollen, habt Ihr zufällig Lust mit mir auf einen kurzen Besuch zu mir nach Hause mit zu kommen ?“ Vielleicht war heute gerade nicht ihr Tag. Jedenfalls zeigten diese tumben Knollen kein besonderes Interesse daran unbedingt im Gemüsegarten bleiben zu wollen. Gesagt, getan. Ich buddelte darauf knapp zwei Kilogramm kräftige, vor Gesundheit nur so strotzende, dicke Kartoffeln aus. In einer Bio-Jutetüte brachte ich sie dann flugs nach Hause. Dort angekommen erwartete mich schon meine große Liebe. Ich teilte Ihr mit, dass ich jetzt, here and now, nur für sie ganz allein, ein ganz vorzügliches, rein vegetarisches Kartoffelgericht kreieren wolle. Mit einem Blick auf den in meinen Händen ruhenden kleinen, schmutzigen Sack meinte sie nur „Oh, es gibt also Kartoffel !?“ So begab ich mich in Küche. Elendig lang brauchte ich um die Knollen nackisch zu machen, noch länger dauerte es diese dicken Dinger in hauchdünne Chips zu hobeln. Haben sie schon jemals auf einem dieser neuen High Tech -Turbo -Kartoffelhobeln richtig dicke Kartoffel gehobelt ? Ich kann ihnen sagen „ das geht ab wie Schmitz`s Katze“, sie hobeln sich einen ausgewachsenen Werwolf. Diese verdammten Chips sind so hauchdünn, dass sie noch durch mindestens fünf sich überlagernde Scheibchen bequem hindurchschauen können. Der Begriff Hobelarm wird, Kurz über Lang, den Begriff Tennisarm ablösen müssen. Äonen später, dem Abend dämmerte schon so etwas, ging es ans Auslegen der Auflaufform. Fischschuppenartig, Schicht für Schicht. Dazwischen Muskat, frisch gerieben natürlich sowie frische Gartenkräuter ertränkt in Schmand mit 5 Spritzer Maggi. Irgend wann einmal hatte ich es dann geschafft. Und ab damit in den schon auf 200 Grad Celsius vorbereiteten Ofen. Anderthalb Stunden gepflegte, neckische Konversation später war es dann endlich soweit. Das von mir, ganz allein kreierte, vegetarische Kochkunstwerk war gar, jetzt bereit von meiner Liebsten degustiert zu werden. Lavamäßig heiß, qualmend und dampfend kam es aus dem Ofen. Allein das Lösen aus der Auflaufform war schon eine echte Herausforderung für mich. Es ging nämlich nicht. Null, nix. Das jetzt eher fremdartige, Kartoffelstärkehaltige Konglomerat wehrte sich tapfer. Es wollte einfach nicht raus, wohlwissend warum. Eine winzige Kleinigkeit gab dann aber die Auflaufform freiwillig, also, nach Androhung roher Gewalt, wieder preis. Für Menschen, deren größter Wunsch es ist, einmal in ihrem Leben einen widerlich klebenden, nach nichts schmeckenden, zähen, faserigen, höllisch heißen, alten Bierdeckel zu konsumieren, wäre es wohl ein Festmahl gewesen. Für meine Liebste und für mich war es das jedenfalls nicht.

Also, liebe Leserinnen und Leser, lasst bloß die Finger von diesem Rezept. Es ist nämlich gar keins.

Und die Moral von der Geschicht : „ Sie hat mich trotzdem geheiratet!!!, Liebe geht wohl doch nicht nur durch Magen“. AP.

Euer Stift

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Kommentare

Ellen schrieb am 2010-08-28 00:23:54:
Das ist echt genial-weiter so!!=)

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