Kein Tag wie jeder andere
von
Arno Wiesenberger
1
2
Kein Tag wie jeder andere
Schrill fängt um 6 Uhr morgens mein Wecker an zu läuten. Heute muss ich ihn aber leider enttäuschen, denn ich war schon vor ihm wach. Nervös gehe ich die ersten Schritte in die Küche und versuche mir einen starken Kaffee zu machen. Entsetzt muss ich feststellen das mein Puls auf 400 ist und mein Herz gerade im begriff war, sich fürs schnell schlagen im Guinness Buch der Rekorde zu Nominieren. Ich glaube wenn ich jetzt eine Büchse Red Bull trinken würde, ich könnte tatsächlich fliegen.
Es ist leicht Nebelig und mein Scheibenwischer hat gerade den Kampf gegen den einsetzenden Regen aufgenommen. Die ersten Sonnenstrahlen verlieren sich in den schwarzen Wolken die Gespenstisch über den Gebäude hängen auf das ich gerade zusteure. Mein Herz scheint einen Moment lang stehen zu bleiben, um dann mit dreifacher Geschwindigkeit wieder zu starten. Mir wird heiß und kalt bei dem Gedanken das ich mir tatsächlich vorgenommen habe in das Gebäude zu gehen, denn ich weiß genau, bin ich erst einmal im inneren fließt Blut. Mit vorsichtigen Schritten bewege ich mich langsam auf das Eingangsportal zu. Die Türe steht eine Handbreite offen aus dem das Licht ins Freie dringt. Wieder ist es mein Herz, dass droht stehen zubleiben und mir die Ohnmacht in die Glieder fahren lässt, als eine laute Stimme aus dem nichts zu mir sagt, „Wo wollen sie hin?“. Leichenblass drehe ich mich vorsichtig in die Richtung aus der ich die Stimme vermutet habe und flüstere heißer „Ich kenne mich hier aus“ Eine Grauenhafte Gestalt mit großer, pickeliger Nase und weit aufgerissenen Augen, mustert mich in Sekunden schnelle und nickt schwer fällig ein OK. Vorsichtig gehe ich den schier endlos wirkenden Gang entlang bis ich an Stufen angekommen bin die nach oben führen. Ich nutze die Gelegenheit und haste die Treppen nach oben. Im ersten Stock angelangt höre ich plötzlich Schreie die mir durch Mark und Bein fahren. Es sind menschliche Schreie und können unmöglich von einer einzigen Person stammen. Mit gefrorenen Blut in den Adern ziehe ich mich am Geländer einen Stock höher und wage mich wieder in den Flur an dem sich eine Türe nach der anderen die Klinke reicht. Ich gehe noch an ein Paar Zimmer vorüber bis ich an der Türe stehe, die ich vorsichtig und fast geräuschlos öffne. „Hallo“ sage ich mit dezenter Stimme und traue meinen Augen nicht als vor mir eine lebendige Leiche steht, die nur spärlich bekleidet auf die letzte Stunde wartet. „Hallo“ erwidert eine ängstliche Stimme, „Schön das du da bist“ Ich greife in den großen Raum und erhasche mir ein zitterndes kaltes Händchen das ich ganz fest Drücke. Nach ein paar Minuten stille springt urplötzlich die Türe auf und setzt der Ruhe ein bitteres Ende. Ein Mann so groß wie ein Bär steht Maskiert an der Türe und fordert uns auf mitzukommen. Die Stimmung ist zum zerreißen gespannt als wir einen hell erleuchteten Raum betreten der einen Folterkeller gleicht. Eine Stimme fordert mich auf in den Raum daneben zu gehen, um mir die „Ritualkleidung“ anzuziehen. Zögernd folge ich den Befehl um Minuten Später wieder vermummt in dem „Folterkeller“ zu erscheinen. Ein wenig panisch ergreife ich mir wieder die zitternde Hand die hilfesuchend von einer hell erleuchtenden Bare baumelt.“ Können sie den Anblick von Blut ertragen?“ fragt eine Person die sich mit in diesem Raum befindet. „Ich denke“ sage ich kühl und passe auf das ich nicht das Gleichgewicht verliere, denn so langsam schwinden mir die Sinne. Ich drücke die Hand jetzt noch fester, und der Gegendruck verrät mir, dass das „Foltern“ soeben begonnen hat. Laut hört man das klappernde Werkzeug das sicherlich gleich zum Einsatz kommen wird. Ich drehe vorsichtig meinen Kopf, um den ganzen Raum zu überblicken, und bekomme das große Zittern. Maschinen mit Schläuchen und Drähten stehen an der Wand, die jetzt mit dem Körper dessen Hand ich drücke, verbunden werden. Ein rhythmisches Pfeifen durchdringt den Raum und plötzlich spüre ich das sich die Hand die mich eben noch fest gedrückt hatte, nur noch lasch und leblos in meiner Hand befindet. Ein saugendes glucksen rechts von mir lässt mir meine Augen aus den Augenhöllen treten. Ein Fingerdicker, transparenter Schlauch gefüllt mit Blut und jeder Menge anderer Flüssigkeiten zieht unmittelbar an meinen Füßen vorbei. „Scotty, bitte beamen“ denke ich mir, und werde mit einem Lauten Schrei wieder in die Realität zurück gerissen.
Es ist 10,39 Uhr als gleichzeitig mit dem Schrei eine Stimme zu mir sagt „Gratuliere, Herr Wiesenberger es ist ein Mädchen“.
Ich sehe mit Flugzeugen im Bauch nach oben, und es läuft mir Heiß und Kalt den Rücken hinunter, als mir eine Krankenschwester ein schreiendes Bündel in die Hände drückt. Wie Hypnotisiert schaue ich musternd meine Tochter an und plötzlich überkommt mich ein Gefühl der Leere. Alle Anspannungen der letzten Stunden fallen von mir ab, wie Laub von den Bäumen im Herbst.
Die Schwester fordert mich auf mit dem Baby mitzukommen um den weiteren Operationsablauf nicht zu Stören. Vorsichtig stehe ich auf, Küsse die Stirn meiner Frau und erhasche mir einen schnellen Blick in den geöffneten Bauch. Schon bekomme ich wieder wackelige Beine mit denen ich lautlos der Schwester in das danebenliegende Zimmer folge. „Sie ist ein Prachtstück“ sagt die Schwester zu mir, als ob ich das nicht schon lange festgestellt hätte, und lege meine Tochter Nadine auf die weich gepolsterte Waage. Das hat ihr aber überhaupt nicht gefallen, was den Zeiger der Waage in Verzweiflung brachte. Ganz kurz aber, ich denke nur zum Luft holen, war sie mal einen Augenblick ruhig und der Zeiger stoppte Bruchteile von Sekunden auf der Zahl 3410. Mit dem Vermessen meines Kindes war das ja auch kein leichtes Spiel, denn wie soll man etwas in der Länge ausmessen, was wutschnaubend und brüllend in sämtliche Richtungen bebt. Ehrlich gesagt würde ich auf die vermessenen 51 Zentimeter keinen Peso setzen. Nach dem sie endlich aussah wie ein Musterbaby, einmal waschen, trocknen und wickeln bitte, bekam ich sie wieder in die Arme gedrückt. „Viel Spaß in Zukunft mit ihrer Tochter“ sagte die Hebamme, und ich kann sie bei dem Gebrüll gerade noch verstehen. Kaum war sie in meinen Armen, war sie auch schon ruhig.. Na ja, vielleicht nicht ganz ruhig aber doch schon viel erwachsener. Sie ist ja auch schon wieder eine halbe Stunde älter. Wie ein Blitz zuckt es mir durch den Kopf, als sich bei mir die Frage auftat, wie es meiner Frau wohl im Moment gehen muss. Ich möchte ihr jetzt so gerne unser Baby zeigen, und sie fest in meine Arme nehmen. „Wie lange dauert die Operation noch?“ frage ich in das Schwesternzimmer hinein und eine Stimme im Hintergrund sagt mir, dass ich schon nach oben gehen könnte um vor dem Aufzug auf sie zu warten. Meine Tochter hatten die Schwestern mir natürlich vorher wieder abgeknöpft, und so saß ich mit meinem Schicksal ganz alleine gelassen vor dieser Aufzugtüre. Ich wartete eine Stunde bis eine Schwester mich fragt warum ich denn nicht
1
2
Kommentare
flower-grit@web.de schrieb am 2010-12-05 16:12:23:
Wunderschön gefühlt und geschrieben, :Die Farben der Sehnsucht :.
Es ist mit Sicherheit ein wunderbares Geschenk, der wohlduftenden Blume beim blühen zuschauen zu können,
alles Liebe und Gute zusammen.
flossimonster schrieb am 2010-08-11 21:33:07:
papi du wirst für mich immer der eine und einzigste bleiben! du bist der aallerbeste der welt das weißt du doch^^
(und mit einem einzigen pferd bin ich auch schon zu frieden... ( ; )
drück dich ganz doll!!!
danke
Susane.Schlecht@web.de schrieb am 2010-01-25 11:22:05:
Gefällt mir sehr gut, spannend geschrieben, mit viel Gefühl.
m.k.p@web.de schrieb am 2010-01-18 15:30:43:
So viel Liebe verpackt in einer spannenden Story kann man sich von seinem Vater nur wünschen. Einfach Genial!!!
Kommentar hinzufügen