Kein schlechter Mensch!
von
Slade
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Der Clown grinste breit, doch bald verformte sich sein Mund zu einer bösartigen Grimasse.
»Aufwachen, essen. Sie sind verhaftet«, fauchte der Clown und zielte mit einer Pistole auf ihn.
Sean sah wieder Sterne. Plötzlich wuchs und wuchs die Waffe, bis sie mit betäubender Lautstärke explodierte. Dann wurde es dunkel. Dunkler als sonst. Doch dann wurde es urplötzlich wieder hell. So hell, dass Sean die Hand vor Augen halten musste, um nicht zu sehr geblendet zu werden. Als er sie wieder wegnahm, konnte er seine Familie weit weg stehen sehen. Sie winkten ihm alle zu. Dann wurde ihm warm, und er sah wieder Sterne.
Der Clown wachte auf. Draußen fing ein Hund an zu kläffen. Er stand auf und ging zum Fenster, wo er den Vorhang zur Seite schob und nervös hinausspähte. Er fuhr zusammen. Hatte er da nicht eben einen Streifenwagen gesehen? Er drehte sich um und schaute auf den Tisch. Dort standen acht leere Bierdosen. Er drehte sich wieder um. Der Hund hörte auf zu bellen.
Scheiß Köter, dachte er wütend.
Da fiel dem Clown ein, dass wieder einmal die Zeit zur Fütterung gekommen war. Er stand auf, und mit einem Glas Babynahrung und einem alten, klebrigen Löffel darin ging er hinunter in den Keller.
»Aufwachen, mein Junge. Essen.«
Er nahm die 38er vom Tisch, schloss die Tür auf und trat ein. Sean lag, mit Drogen voll gepumpt, auf dem Bett und schlief. Der Clown stellte das Glas auf den Boden und verließ die Kammer wieder. Dann erschrak er.
»William Jones. Sie sind verhaftet und umzingelt. Öffnen sie die Tür und kommen sie mit erhobenen Händen heraus. Ich wiederhole: Sie sind verhaftet und umzingelt. Kommen sie heraus«, tönte es von draußen aus einem Megaphon.
Der Clown erwog einen Moment seine Möglichkeiten. Doch wie viele Bullen mochten es wohl sein? Dreißig, vierzig? Es war aussichtslos. Er hatte keine Chance. Er hatte nie eine.
Also drehte er wieder um und trat in die Kammer. Dann schoss er dem Jungen ohne längere Überlegung zwei Kugeln in den Kopf. Sean war sofort tot. Schon nach der ersten Kugel. Doch selbst wenn er nicht sofort tot gewesen wäre, hätte er nichts mitbekommen, denn die Drogen ließen keine Schmerzen zu.
Der Clown betrachtete einen Moment das Blut an der gegenüberliegenden Wand, auf dem Bett und auf dem Boden. Dann seufzte er kurz und stieg die Kellertreppe hinauf. Mit der Pistole in der Hand ging er langsam aus dem Haus.
Draußen erwarteten ihn fast ein Dutzend Polizisten. Aber sie erwarteten eigentlich zwei Personen.
»Kommen sie langsam und mit erhobenen Händen näher, Jones. Wir haben Schüsse gehört, wo ist der Junge?«
»Der hat gerade süße Träume.« Der Clown grinste, während sich die Polizisten gehaltvolle Blicke zuwarfen.
»Okay, sie bleiben jetzt stehen und legen die Pistole auf den Boden. Dann treten sie drei große Schritte zurück. Verstanden?«
Doch anstatt die Waffe hinzulegen, schaute er sich kurz um. Dann senkte er blitzschnell die Pistole und erschoss zwei Polizisten. Entsetzt drückten die anderen Polizisten sofort mehrmals ab.
Der Clown prallte zurück an seine Haustür und fiel dann auf die Knie. Er schaute nach oben in den Himmel. Dort würde er sein. Im Himmel. Dann schaute er sich um. Die Polizisten, die er erschossen hatte, lagen blutüberströmt auf dem Erdboden und rangen um ihr Leben. Sanitäter liefen zu ihnen. Die anderen Polizisten starrten ihn an und warteten, bis er endgültig tot war.
Doch der Clown blickte noch einmal nach oben und flüsterte: »Ich bin kein schlechter Mensch!«
Dann kippte er vornüber und starb.
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