Kirschkuchen auf dem Fenstersims
von
Birdy
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Ein schriller Laut durchdringt die Küche und Bonnie eilt herbei aus dem Wohnzimmer. Sie öffnet den Ofen und holt ihn heraus: den ersten all-american Kirschpie, den sie je gebacken hatte.
Sofort erfüllt der Duft von heißen Kirschen und frischem Kuchen die Luft. Bonnie atmet tief ein und öffnet das Küchenfenster um den Kuchen auf dem Fenstersims zum Auskühlen abzustellen. Sie hängt die Topflappen an den eigens für sie vorgesehenen kleinen Haken über dem Herd und wischt das letzte Mehl von ihren Händen an ihren Jeans ab – sie würden am Abend ohnehin in die Wäsche wandern.
Bonnie hatte den Nachmittag alleine genossen...Tage wie dieser waren eher spärlich gesät auf der Ranch. Der Rest der Familie war unten am See und Bonnie hatte heute ihre erste Fahrstunde gehabt und daher nicht mitkommen können.
Niemand, der sich daran störte, wenn die Musik im Wohnzimmer bis zum Anschlag aufgedreht war und keine Aufgaben wie „do the laundry“, „could you help me doin’ the dishes?“ oder dergleichen...auf der großen Ranch gab es immer was zu tun und alle mussten mit anpacken, das stand außer Frage.
Bonnie liebte das Leben hier fernab aller Großstädte und weit, weit, weit vom Alltagsstress entfernt....die extra Arbeit nahm sie dafür gern in Kauf.
Doch nicht heute....
Noch vor wenigen Wochen wäre es für Bonnie fast undenkbar gewesen, dass sie sich auf einen Tag, den sie allein verbringen würde, so derart freuen würde....dass ihr die Musik, die aus dem Wohnzimmer herüber klang, so gefallen würde...Musik vergangener Zeiten, die gute Laune machte: CSN&Y.
Ihre Jeans spannten mittlerweile ein wenig, was an dem guten Essen an der frischen Luft liegen musste...schon ein Störfaktor, aber verkraftbar neben den sonst so guten DingenJ
Als Bonnie das erste mal die Ranch betrat, wurde sie mit den Worten begrüßt „Now, gal, just try bein’ yeself for a while!“. Mit der Zeit begriff sie, was damit gemeint war...und es gefiel ihr!
Als Bonnie das Geschirr in die Spüle räumte, hörte sie, wie sich ein Auto der Ranch näherte...vermutlich ein Truck, dem Geräusch nach zu urteilen – abgesehen davon, dass man hier selten ein anderes Fahrzeug sah, als Pick-up Trucks.
Die nächsten Nachbarn wohnten eine halbe Meile weit entfernt, also wusste man bereits beim ersten Motorengeräusch in der Ferne, das man Besuch erwarten konnte.
Bonnie drehte den Wasserhahn ab und blickte aus dem Fenster. Ein rot-weißer Ford Pick-Up bog in die Einfahrt und parkte quer auf dem Driveway.
Vermutlich einer der benachbarten Farmer, der sich irgendwas ausborgen wollte, dachte Bonnie, als ein cowboyhatted Mann großer Statur ausstieg. Er sah sie am Fenster stehen und tippte zum Gruß seinen Hut „Good afternoon, lady!“. Er nahm eine Kiste von der Ladefläche seines Trucks und kam näher.
„Hi, Craig won’t be home till tonight!“
Der Cowboy stellte die Kiste auf der Veranda ab und trat zu Bonnie ans Fenster.
Rasch nahm er seinen Hut ab, was sich in Gegenwart von Ladies offenbar gehörte, wie Bonnie innerhalb der letzten Wochen gelernt hatte.
„Ain’t here for Craig...looking for Stephen – returning his CDs. He left’em at our house for the party last week!”
Stephen war Bonnies Gast-Bruder und der junge Mann vor ihrem Fenster musste Josh sein, der auf der Nachbar-Ranch wohnte. Er war Senior an der Highschool und damit ein Jahr älter als sie.
Die Schule würde erst am morgigen Tag beginnen, daher kannte sie noch kaum andere Jugendliche hier aus der Gegend.
„You must be Bonnie, then. Nice to meet ye!”
Bonnie würde sich noch dran gewöhnen müssen, dass man sich hier nicht die Hand gab, wenn man sich traf oder jemanden kennenlernte. Sie hatte noch keinen Cowboyhut, den sie „tippen“ konnte, also beschloss sie, Josh einfach mit einem Lächeln zu begrüßen
„Darn rightJ Well, Stephen ain’t home, either – they’re all down at the lake! I’ll tell him, you were trying to get a hold of him!”
Josh lehnte sich von außen an den Fenstersims und legte seinen Hut neben dem Kuchen ab.
„So, ye enjoy your first weeks out here in the honky-tonk?“
….wenn sie doch nur wüsste, was das zu bedeuten hatte..... „Yeah, sure am!“ sie hoffte, dass sie nichts peinliches gesagt hatte.
Da fiel Bonnie ein, wie sie aussehen musste: Die Haare zu einem flüchtigen Knoten gebunden, die Wangen gerötet von der Hitze in der Küche und überall Mehl an der Kleidung. Instinktiv fuhr sie mit der Hand ins Gesicht um eventuelle Mehl-Reste abzuwischen „Sorry, I wasn’t expecting any company!“
Josh lachte „Well, I ain’t company......rather am familiy...i show up all the time, better get used to it.“
Bonnie mochte die Art, wie er sprach und dabei grinste. Es war ihr fast ein wenig unangenehm, wie er sie ansah. Er war wirklich gutaussehend und sie sah im Moment offenbar unmöglich aus.
Josh’s Blick wanderte zu dem Kirschkuchen “Well, if this one tastes nearly as good as your Mom’s – or however you call her – I shall come over tonight for dinner!“
“Well, why wait?” Bonnie grinste und holte 2 Teller aus dem alten, hölzernen Geschirrschrank.
Die Kirschen waren noch heiß und die Teller dampften, als sie Josh ein Stück reichte. „Hmm....Dr Oetker was a German and you seem to have got some genes from him, that’s for sure!“
Eine Stunde später war nur noch die Hälfte des Kuchens übrig und während Bonnie sich noch dachte, dass sie SO niemals ihr Gewicht würde halten können, war es ihr irgendwie auch plötzlich egal.
Sie saß auf dem Fenstersims, vor Josh, der noch immer davor stand und Bonnie konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann sie das letzte mal soviel gelacht und geredet hatte.
Die Sonne stand mittlerweile auf ihrem höchsten Punkt und es war so heiß, wie es in Deutschland nichtmal im Hochsommer wurde. Ein warmer Wind fuhr durch die Bäume, die Gräser, Bonnies Haar.
Die Zeit war wie im Fluge vergangen und Bonnie hatte bereits die Ahnung, dass dies nicht nur für diesen Nachmittag der Fall sein würde....ein Jahr---das klang so lang! Aber bevor sie sich umsehen konnte würde sie ihre Koffer bereits wieder gepackt haben. Keine Spur von dem Heimweh, dass sie sonst bei jedem bisschen ergriff. Irgendetwas schien ihr das Gefühl zu geben, auch jetzt zuhause zu sein.
Josh riss sie aus ihren Gedanken „Shouldn’t be so thoughtful on a day like this....you are much prettier, when you laugh, lil’ Bonnie!“
Bonnie griff nach seinem Cowboyhut, den Josh sich mittlerweile wieder aufgesetzt hatte und setzte ihn sich selber auf. „I do need one of these.....make me feel comfy and part of it!“
“I guess, I’ll get you one……a black, felt-one would look real good on you! A german cowgirl on the Southpeak-Ranch…..the end must be near!” Josh lachte und Bonnie hatte mit einem Mal das Gefühl, dass sie ihn gerne küssen würde....oder dass sie gern mit der Hand durch sein braunes dichtes Haar fahren würde.
Dann fiel ihr wieder ein, dass sie ihn doch kaum kannte...was sollte er nur denken! Zumal sie mittlerweile wusste, dass die meisten Leute hier recht prüde waren.....
Als Bonnie das nächste Mal auf die
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