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Kategorien > Humor > Schmunzelgeschichte

Klaus das Kaninchen

von Herr Schuld

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Klaus das Kaninchen


Klaus das Kaninchen führte ein sorgenfreies Leben. Er schlief, wenn er müde war, er aß, wenn er hungrig war, und er pinkelte, wenn er pinkeln musste. „So muss es sein“, dachte sich Klaus das Kaninchen, „so lass ich es mir gefallen, den ganzen lieben langen Tag in einem Käfig zu sein und alles nur durch Gitterstäbe zu sehen“. Es war ihm egal, solange er es gemütlich warm hatte und er satt war.

Seine Besitzerin, ich nenn sie einfach mal Jutta, sorgte aber schon dafür, dass Klaus das Kaninchen ein so richtig schönes Leben hatte. Sie fütterte ihn drei Mal täglich, und sie achtete auch darauf, dass die Nahrung ausgewogen war. Schließlich sollte Klaus weder zu dick noch zu mager sein. Aber Klaus war das egal, Hauptsache er war satt und hatte warmes Heu im Käfig. Die Aussicht war ihm relativ schnuppe, und die riesige Hand, die mindestens dreimal täglich in den Käfig griff, die war ja auch immer lieb zu ihm, von daher liebte er die Hand von Jutta.

Auch das Heu wurde einmal die Woche gewechselt, denn Klaus musste oft pinkeln, und nicht nur das, er liebt es, im frischen Heu zu wühlen, darin zu scharren, und manchmal aß er sogar davon, wenn er besonders hungrig war. Und so ließ er es über sich ergehen, dass die riesige Hand von Jutta ihn einmal die Woche aus dem Käfig hob, und er in völlig anderer Umgebung umherlaufen konnte. Klaus gefiel das richtig.


Plötzlich war die Sicht eine ganz andere, und er konnte plötzlich nicht nur mehr acht mal hoppeln, denn mehr Platz war nicht im Käfig, sondern er konnte mehr als zehnmal hintereinander hoppeln, und dann war immer noch nicht Schluss! Klaus das Kaninchen liebte es, nicht im Käfig zu sein, er genoss die Stunde, die er umher hoppeln konnte, und immer, wenn die Hand von Jutta ihn wieder wie ein Kran zurück in den Käfig hievte, empfand Klaus das Kaninchen eine gewisse Traurigkeit. Dann saß er wieder, umgeben von Gitterstäben, in der Mitte des Käfigs und fragte sich, ob es nicht schöner wäre, wenn er nicht nur einmal die Woche mehr als acht mal hintereinander hoppeln könnte, sondern immer.

„Gibt es da draußen vielleicht eine Welt, in der man so viel hoppeln kann wie man möchte?“ fragte sich Klaus das Kaninchen. Und er verspürte eine Neugier in sich aufsteigen. „Aber wie komm ich nur dahin“ war seine nächste Frage. „Beim nächsten mal, wenn dieses Ding in meinen Käfig kommt und mich rausfliegen lässt, dann….dann….ja, dann hoppel ich einfach davon“ dachte Klaus das Kaninchen so bei sich, und fing an, an der Karotte zu knabbern, die ihm Jutta in den Käfig gelegt hatte.

Nach ein paar Tagen war es dann wieder soweit. Klaus hatte sich einen Plan ausgedacht, während er schon mal hoppeln übte, indem er wie ein wilder auf der Stelle hoppelte. Jutta dachte schon, Klaus wäre krank, aber er wollte einfach fit sein für die Welt da draußen.

„Jetzt oder nie“ dachte Klaus, als die Hand von Jutta ihn fliegen ließ. Während sie ihn aus dem Käfig hob, fing Klaus an, heftig in der Luft zu strampeln, und weil sich Jutta total erschrak, ließ sie Klaus fallen.

„Jetzt bin ich frei“ dachte sich Klaus das Kaninchen. Er hoppelte und hoppelte, und sah sich schon im Wunderland. „Mist, die Tür“ schrie Jutta voller Schreck. „Die Tür ist auf, macht die Tür zu, sonst ist er weg“. Eindringlich schallte Juttas Stimme durch die Wohnung. Alle waren aufgeschreckt, und wussten garnicht, worum es ging. „Klaus ist abgehauen“ jammerte Jutta. Rolf, der Mann von Jutta, hatte die Tür aufgelassen, als er den Müll rausbrachte. Jutta nannte ihren Mann immer scherzhaft „SofaRolf“, weil er immer auf dem Sofa saß und fern sah.

Rolf rannte aufgeschreckt zur Haustür, aber es war zu spät. Klaus das Kaninchen war ausgebüxt. Von weitem konnte man noch sein Stummelschwänzchen sehen, wie es auf und ab wippte, weil Klaus nun, wie im Rausch, davon hoppelte. „Es ist bitterkalt draußen, wo will der denn jetzt hin?“ fragte sich Rolf, und blickte mitleidsvoll zu Jutta, die nun anfing zu weinen. „Er kann doch in der Kälte nicht überleben“ bemerkte Jutta, und zog sich schon die dicke Winterjacke über, um Klaus hinterherzurennen. Auch Rolf fing an, sich anzuziehen, und Sprosse, die Tochter von Jutta, war schon halb aus der Tür. Sprosse ist 14 und hat sich Klaus mit elf Jahren zu Weihnachten gewünscht. Aber wie das so ist, war die anfängliche Euphorie schnell verflogen, und am Ende blieb fast alles an Jutta hängen. Aber natürlich liebte auch Sprosse Klaus das Kaninchen, und so machten sich alle auf den Weg, ihn in der Kälte zu suchen.

„Jetzt bin ich schon so oft gehoppelt, ich kann es gar nicht glauben“ sinnierte Klaus, während er durch eine Hecke hoppelte. „Hier riecht alles so anders, und Heu gibt es auch keins. Außerdem ist mir bitterkalt, wieso wärmt mich mein Fell denn nicht mehr?“ fragte sich Klaus. Also hoppelte er noch ein wenig schneller, damit ihm noch wärmer wurde. Nach einer Zeit kam er an eine Pfütze. Er war durstig, und so hielt er an.

„Endlich, ich muss mich ausruhen und ich bin so durstig“ dachte sich Klaus das Kaninchen. Und so setzte er sich an den Rand der Pfütze und neigte seinen Kopf zum trinken. Da sah Klaus, dass sich in der Pfütze etwas spiegelte. Über ihm erhob sich etwas großes, und er konnte nicht genau erkennen was es war. „Ist das wieder dieses Ding, was mich fliegen lässt?“ fragte sich Klaus. Aber es war nicht Juttas Hand. Es war Davne, die Katze von Anita, die Nachbarin von nebenan. „Was machst Du denn hier draußen?“ fragte Davne, und schnurrte Klaus an. „Ich möchte hoppeln, so viel ich möchte“ antwortete Klaus. „Und das hier an der Pfütze, bei der Kälte?“ entgegnete Davne fragend. „Ja, in meinem Käfig konnte ich nur acht mal hintereinander hoppeln, und das war mir zu wenig“ sinnierte Klaus, und versuchte, an das Wasser unter der Eisschicht der Pfütze zu gelangen.

„Du findest doch noch nichtmals etwas zu trinken hier draußen bei der Eiseskälte“ lachte Davne, und versetzte Klaus einen Hieb mit ihrer Tatze. „Aua“ schrie Klaus das Kaninchen auf, „lass das sein, das tut weh“ jammerte er. Aber Davne ließ noch einen weiteren Hieb auf ihn herab, und fauchte ihn an. Klaus schlitterte auf das Eis der Pfütze, und kam in der Mitte zum stehen. „Sowas hab ich noch nie erlebt, was mach ich jetzt nur?“ fragte sich Klaus. Noch nie hatte ihn jemand geschlagen, „und warum bewege ich mich eigentlich, obwohl ich gar nicht hoppel“ fragte sich Klaus, als ihm schon die kleinen Füße vom kalten Eis weh taten.

Davne pirschte sich weiter an Klaus heran, ganz vorsichtig, um nicht auf dem Eis auszurutschen. Klaus war starr vor Angst. Zu Hause, in seinem Käfig, hat ihm das immer geholfen, wenn er Gefahr witterte. Er blieb einfach starr dort stehen, wo er war, und außer einem lustigen Kraulen war ihm nie etwas passiert. „Ob mir das jetzt auch hilft?“ fragte sich Klaus, während er schon den nächsten Tatzenhieb erwartete, als er plötzlich einen beissenden, stinkenden Geruch in der Nase hatte. „Was ist das denn nun“, fragte sich Klaus,

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