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Kategorien > Kinder Geschichten > Indianer

Kleiner Hüpfer

von Sebastian Fifargo

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Diese Geschichte begann vor langer Zeit an einem Ort im fernen Amerika, wo der Stamm der Cherokee Indianer zwischen dichten Wäldern und saftigen Gräsern seine Zelte aufgeschlagen hatte. In einem ihrer Dörfer lebte damals ein Junge, den man Kleiner Hüpfer nannte.

Er wohnte in einem Zelt gemeinsam mit seiner Mutter Morgenröte, seinem Vater Stampfendes Pferd und seiner älteren Schwester Wirbelwind. Kleiner Hüpfer war damals genau 7 Jahre und ein halbes alt. Gewöhnlich verbrachte er den ganzen Tag mit den anderen Kindern auf den Wiesen und in den Wäldern rund um das Dorf. Da ritten sie auf Ponys, kletterten auf Bäume, spielten Fangen und Verstecken.

Es war Brauch des Stammes, dass junge Männer sich bei der Jagd einen neuen Namen verdienen konnten. Je wilder und gefährlicher das gejagte Tier war, desto mehr Mut konnten sie zeigen und desto würdiger wurde ihr Name. Mit dem Geist des Tieres war der Jäger sein Leben lang verbunden.

Der größte Wunsch von Kleiner Hüpfer war schon lange den Namen eines Jägers zu tragen. Niemand sollte ihn Kleiner Hüpfer rufen, denn er war kein putziges Kind mehr. Seine Mutter und sein Vater und auch alle anderen Erwachsenen im Dorf verbaten ihm aber auf die Jagd mitzugehen. Erst in einigen Jahren würde es so weit sein.

Doch eines frühen Morgens entschloß sich Kleiner Hüpfer gegen dieses Verbot zu handeln. Er packte seinen Bogen, hing sich den Köcher mit Pfeilen auf den Rücken und steckte das kleine Messer, das ihm sein Vater zum letzten Geburtstag geschenkt hatte, in den Gürtel. Er marschierte allein in den Wald auf die Jagd.

Während Kleiner Hüpfer tief in den Wald voranschritt, malte er sich schon in Gedanken aus einen Jaguar zu erspähen. Wie er sich anschlich und mit dem Messer gegen ihn kämpfte. Brüllender Jaguar – könnte er dann heißen. Das wäre genau richtig für seinen Mut, dachte er. Oder der große Bär. Er würde ihm auflauern, sich auf ihn werfen und mit bloßen Händen niederkämpfen. Grollender Bär- ja, das klang nach einem großen Namen. Nein, ein Hirsch mit riesigem Geweih, dem würde er nachjagen und an den Hals springen, um ihn zu Sturz zu bringen. Rasender Hirsch - alle würden seine Schnelligkeit und Kraft bewundern.

So träumte Kleiner Hüpfer vor sich hin und bemerkte gar nicht, wie weit er schon im dichten Wald stapfte. Immer enger standen die Bäume und ließen kaum noch Licht durch. Unheimliche Schatten umgaben ihn plötzlich. Der Wald schien ihn zu beobachten. Hier und da knarrten Äste, und die Blätter raschelten oben im Wind wie ein keuchender Atem. Kleiner Hüpfer überlegte, ob er nicht umkehren sollte. Da bewegte sich mit einem Mal der Boden direkt vor ihm. Er warf sich hinter den nächsten Baumstamm und presste seinen Kopf erschrocken auf die Wurzeln. Ein seltsamer Schrei war zu hören. „Tschiiip“ machte es nicht weit von ihm. „Tschiiip Tschiiip“. Das Herz von Kleiner Hüpfer klopfte, seine Beine zitterten. Als er einen Blick wagte, entdeckte er etwas Blaues zwei Armlängen vor ihm zwischen Blättern am Boden hervorschimmern. „Tschiip Tschiiip Tschiiip“, klang es jetzt ununterbrochen. Ein winziger Vogel mit zerrupften blauen Federn und einem verletzten Flügel piepste ängstlich vor ihm. Kleiner Hüpfer nahm das Vögelchen vorsichtig in seine Hand und als es sich beruhigte, zog er die Pfeile aus seinem Köcher und legte das kleine Vöglein sanft hinein. An seine Jagd dachte er nicht mehr. Er kehrte um und lief so schnell ihn seine Beine trugen nach Hause. Der kleine Vogel musste gerettet werden.

Im Dorf waren inzwischen alle sehr aufgeregt. Niemand wusste, wo Kleiner Hüpfer steckte und es war doch fast Mittag - Zeit zum Essen. Als er endlich ins Dorf gelaufen kam, stürzte seine Mutter Morgenröte auf ihn zu, umarmte ihn erleichtert und fragte, wo er denn so lange gewesen sei. Da erzählte Kleiner Hüpfer was passierte und alle im Dorf schüttelten wegen seinem Leichtsinn alleine fort zu gehen den Kopf. Als Kleiner Hüpfer den piepsenden Vogel im Köcher zeigte, fingen sie rundherum an zu lachen. „Oh, was für ein schreckliches Ungeheuer!“, „Schaut, er hat einen Riesenvogel besiegt!“, „Diese Vögelchen zeigt wohl wie groß sein Mut ist!“, „Kleiner Hüpfer hat ja einen Vogel!“, so ging es wild durcheinander bis schließlich alle einig waren: „Der Jäger, der das Vögelchen mit gebrochenem Flügel besiegte, soll ab jetzt Gebrochener Flügel heißen!“ Alle hielten sich ihre Bäuche vor Lachen.

Kleiner Hüpfer war sehr traurig. Nun würde er Gebrochener Flügel heißen und alle würden über ihn lachen. Enttäuscht ging er mit seinen Eltern ins Zelt, um das Vögelchen zu verarzten. Nachdem sie seinen Flügel versorgt hatten, nahm ihn seine Mutter in den Arm. „Ich bin stolz auf dich. Denn du hast den kleinen Vogel gerettet.“ „Aber ich wollte doch meinen Mut beweisen und jetzt habe ich einen Namen über den alle lachen.“, jammerte Gebrochener Flügel. „Dieser Name bedeutet, dass du mit dem Geist des kleinen Vogel verbunden bist. Er wird immer auf dein Herz hören, wenn du ihn achtest.“, lächelte sein Vater Stampfendes Pferd und strich ihm mit der Hand über den Kopf.

Solange das kleine blaue Vögelchen nicht fliegen konnte, saß es nun ständig auf der Schulter von Gebrochener Flügel. Die beiden wurden Freunde. Als es aber so weit war, flog der Vogel einige Kreise um den Kopf von Gebrochener Flügel und verschwand in seinem Wald.

Einige Wochen später geschah dann das Schreckliche. Seine Schwester Wirbelwind ritt mit Freundinnen auf ihren Ponys viel zu weit weg vom Dorf. Plötzlich trafen sie feindliche Krähenfuß-Indianern, die ihre Ponys rauben wollten. Doch als Wirbelwind sich tapfer wehrte, nahmen die Räuber auch sie gefangen. Die Freundinnen konnten erst nach langem Fußmarsch von dem Vorfall berichten, sodaß die Krähenfuß-Indianer bereits einen riesigen Vorsprung hatten. Sie würden Wirbelwind über den breiten Fluß in ihr Land entführen und dann könnte das Mädchen nie wieder gefunden werden und auch selbst den Weg nicht mehr zurück finden.

Die Frauen im Dorf weinten laut, als sie hörten, was passierte. Die Krieger stürzten verzweifelt zu ihren Pferden, um den Räubern nachzujagen. Ihr Vater Stampfendes Pferd galoppierte mit seinem Hengst weit voraus. Voller Wut und Schmerz. Denn er wusste, der Vorsprung der Krähenfuß-Indianer war bereits zu groß. Kein Pferd war schnell genug, um sie noch einzuholen. Seine Tochter Wirbelwind schien verloren.

Auch Gebrochener Flügel fühlte Angst um Wirbelwind. Sein Herz schlug so heftig wie noch nie. Da erinnerte er sich, dass sein Herz verbunden war mit dem Geist des kleinen Vogel, und er bat um seine Hilfe. Auf einmal war ein Rauschen über dem Himmel zu hören, die Sonne verdunkelte sich, und tausende und abertausende kleiner bunter Vögel erhoben sich aus den Wäldern und ballten sich über dem Dorf zu einem dunklen, riesigen Vogelungetüm. Eine Vogelwolke stieß direkt auf Gebrochener Flügel hinunter und nahm ihn hinauf in die Luft. Wie auf einem riesigen Drachen rauschte er hinweg. Keiner konnte glauben, was soeben

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