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Kategorien > Alltag > Humor

Konservendosen oder Geeignetes Rachewerkzeug

von Selancia

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„Quark. Quark. Quark. Quark.“, wiederholte ich in Gedanken um nicht zu vergessen, was ich noch brauchte. Ich konzentrierte mich mit aller Kraft darauf, das richtige Regal zu finden.
Der Supermarkt war meiner Meinung nach viel zu groß. Nichts für derart orientierungslose Menschen wie mich.
Nach mehr oder weniger 5 Minuten sinnlosen Rumschleichens in diversen Gängen beschloss ich einen der Verkäufer zu Rate zu ziehen.
Zielgerichtet steuerte ich auf den nächsten Menschen in den äußerst hässlichen Klamotten in weiß, gelb und blau zu, die die Sklaven dieses Etablissements darstellen. Das momentane Objekt meiner Begierde stand mit dem Rücken zu mir gerichtet und stellte in einem sehr langsamen Tempo die einzelnen Dosen ins Regal.
„Erinnert mich an mein Arbeitstempo“, dachte ich und hatte schon fast Mitleid mit ihm. Dieser Job war aber auch wirklich nur was für Menschen, die mit Monotonie gut umgehen konnten.
Als ich fast bei ihm angekommen war, übersah ich zu meinem persönlichen Pech das „Frisch gewischt“ Schild. Mit vollem Tempo trat ich auf die nasse Fläche, rutschte ein Stück und krallte mich an meinem Einkaufswagen fest. Dieser gab mir nochmal einen kleinen Temposchub und ich fuhr dem bemitleidenswerten Verkäufer direkt in die Hacken.
Rumms.
Oh nein.
Der Verkäufe lag vor mir auf dem Boden und krümmte sich vor Schmerz. Bei seinem von mir verursachten Fall hatte er einige der Konservendosen umgeworfen und war auf sie raufgefallen. Bevor ich noch mehr über ihn nachdenken konnte, verlor auch ich den Halt und knallte auf meinen Hintern.
„Aaahh….“, hauchte ich, den Schmerz unterdrückend. Ich hatte meine Ladefläche direkt auf einer kleinen Erbsendose platziert. Ein stechendes Gefühl krabbelte von meinem Sitzpolster aus bis hoch zu den Schultern und raubte mir für einen Moment den Atem.
„Denk an was weniger Schmerzhaftes“, befahl ich meinem Gehirn.
Noch immer voll auf den Schmerz konzentriert schaute ich zu dem Verkäufer, der gerade im Begriff war, wieder aufzustehen.
Eine leise, kaum hörbare Fluchtirade ging von ihm aus.
Verschämt und voller Mitleid blickte ich seinen Rücken an, dann drehte er sich zu mir um.
Mir war nicht bewusst, dass meine Emotionen innerhalb einer Millisekunde komplett die Richtung wechseln konnten.
Ein breites und selbstgefälliges Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus.
Finn blickte mir mitten in die Augen.
„Du!“, schnaubte er.
„Ja ich!!!“, schrie ich in Gedanken in einem äußerst triumphierenden Ton.
„Was ist mit mir?“, fragte ich ihn möglichst gleichgültig klingend.
Wenn seine Blicke töten könnten, würde ich wahrscheinlich just in dieser Sekunde implodieren.
„Was soll der Scheiß?“, fragte er mich gereizt.
„Was ist passiert?“, mischte sich eine formell klingende Stimme in unseren Streit ein. Der Supermarktleiter höchstpersönlich stand neben uns und sah Finn und mich abwechselnd an.
„Die da“, presste Finn zwischen seinen Zähnen hervor, „Die da hat mich mit dem Wagen in voller Absicht gerammt!“
Ich legte eine Unschuldige Miene auf und rieb gekonnt übertrieben meinen Hintern.
„Aber nein, warum sollte ich sowas fieses tun?“ fragte ich Finn, wand mich aber an seinen Vorgesetzten.
Er sah noch ziemlich Jung aus, vielleicht Mitte 20.
Und verdammt süß.
Die Andeutung eines Lächelns umspielte seine Mundwinkel. Er dachte wohl das Gleiche.
Ich lächelte ihn an.
Von meiner rechten Seite aus hörte ich ein Schnauben. Auch Henning hatte die Sympathie zwischen uns beiden bemerkt und sah seine Felle davon schwimmen.
Natürlich hatte ich ihn nicht mit Absicht umgefahren aber hätte ich gewusst, dass er es war, dann bestünde durchaus die Möglichkeit, dass ich es mit Absicht getan hätte. Er hatte mich zu oft in den Dreck gezogen, als das ich mir so eine Chance hätte entgehen lassen.
„Sie hat es ganz sicher mit Absicht getan“, versuchte Finn seinen Chef zu überzeugen und sah ihn mit einem Hilflosen Gesichtsausdruck an.
Ich warf ihm einen kurzen, aber alles sagenden Blick zu. Würde man diesen Blick übersetzen, hätte es etwa so geklungen: „ Selbstverständlich habe ich dich mit voller Absicht umgeworfen. Das weißt du so gut wie ich.“
Wie gesagt, ich habe es nicht mit Absicht getan. Aber es gibt keinen Grund, warum er es nicht denken sollte.
Rache ist süß.
„Herr Martens, wie können sie die junge Frau einer so rücksichtslosen Tat beschuldigen? Räumen sie hier auf!“, befahl mein Sympathisant.
„Und bei ihnen möchte ich mich in aller Form entschuldigen. Dergleichen wird nicht mehr vorkommen.“, bemerkte er an mich gewandt.
Ohne etwas zu sagen machte ich mich vom Acker.
Auch Finn warf ich keinen Blick mehr zu.
Sicherheitshalber.
Mit einem übermäßigen Stolz auf mich selbst und Schmerzen die immer noch zwischen meinem Hintern und Schultern vorzufinden waren, machte ich mich auf den Weg zum Kunden WC.
„VERDAMMTE SCHEIßE NOCHMAL!!!“, fluchte ich für jeden hörbar auf der Toilette und hüpfte, meinen Po mit beiden Händen reibend, durch die Gegend.
Das musste raus.
Als ich das Klo wieder verließ schauten mich etliche Kunden, die sich rund um das Kunden WC getummelt hatten, erschrocken an.
An diese Blicke kann ich mich nicht wirklich gewöhnen. Die schauen mich an, als sei ich eine entflohene Psychopathin.
„ Noch nie jemanden Fluchen hören?“, fragte ich die mir am nächsten stehende Frau gereizt.
Während ihr Hund anscheinend sein Frauchen beschützen wollte und deshalb aus voller Kraft in meine Richtung knurrte, drehte sie mir Kopfschüttelnd den Rücken zu.
„Grrrrr!“, machte ich und sah den Hund an, der just in dem Moment anfing zu kläffen.
„Hackenbeißer“, dachte ich und ging zu meinem Einkaufswagen zurück.
Ich warf einen flüchtigen Blick auf meine Uhr.
In einer knappen Stunde sollte mein Besuch eintreffen. Eve sollte mich besuchen, um mir ihren neuen Freund vorzustellen.
„Er ist perfekt, Caro. Er ist witzig, charmant, intelligent und so gutaussehend. Er ist ein Stück größer als du, schlank, muskulös, hat blonde, etwas längere Haare und stahlblaue Augen.“, hatte Eve mir bei unserem letzten zufälligen Treffen in der Innenstadt vorgeschwärmt.
Neugierig wie ich bin, hatte ich sie beide zu uns eingeladen.
„Schnell noch den Rest zusammensuchen und dann ab zur Kasse“, murmelte ich während ich im Kopf die noch zur Verfügung stehende Zeit verplante. Wenn ich mich beeilen würde, konnte ich es noch schaffen.
Als ich meinen Einkauf in den Kofferraum meines knallroten Smart hievte, sah ich aus dem Augenwinkel, wie ein paar Meter von mir entfernt jemand an seinem Auto stand und in meine Richtung sah.
Finn.
„Wer auch sonst“, grummelte ich.
Nun bekam ich doch ein wenig Angst, so ohne Rückenstärkung seines Vorgesetzten allein auf dem Parkplatz.
„Ich wäre nicht die Erste, die auf einem einsamen Parkplatz in der Dämmerung sein Leben verlor.“, sinnierte ich.
Aber entgegen meiner Befürchtungen warf er mir nur einen Mordlüsternen Blick zu und stieg dann in sein Auto.
Ich hatte ihn anscheinend noch nicht aufs äußerste gereizt.
Der Weg nach Hause dauerte

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Kommentare

www.top3-suche.de schrieb am 2010-03-25 18:46:22:
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