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Kategorien > Gedanken > Bewegendes

Küss mich noch ein letztes Mal.

von LynxX

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Es ist so viel Zeit vergangen.
Es ist so wahnsinnig viel geschehen.
Ich kann nicht glauben, dass es schon so lange her ist, seit wir uns zum ersten Mal trafen. Ich kann nicht glauben, dass es jetzt vorbei sein soll.

Es war ein Traum. Mein kleiner perfekter Traum. Es hat sogar irgendwie perfekt angefangen. Es hat zwar eine Weile gedauert bis ich begriffen habe, dass ich nur dich will, aber ich hab es begriffen. Gut so lang gedauert hat es eigentlich nicht, aber es hätte schneller gehen können.

Ich werd die Nacht nie vergessen, als du das erste Mal mit mir gesprochen hast. Wir hatten den ganzen Abend schon mit einander getanzt und am Ende einfach um irgendetwas zu sagen bevor der Club schließt und ich gehe, sagtest du ich wäre eine gute Tänzerin. Und ich dachte - Verdammt! Engländer! - du hattest es auf Englisch gesagt. Normalerweise neige ich dazu Engländer recht gut zu erkennen, aber ich war von deiner Gothic-Kluft so angetan das ich einfach auf nichts anderes geachtet habe. Mein Danke war kläglich, aber so hat es nun mal angefangen und wenn ich so zurück denke war es schon irgendwie süß.
Als das Sappho schloss standen wir alle vor der Tür, so wie es fast immer ist. Die zerstreuten Gruppen finden sich wieder zusammen, um zu planen was jetzt als nächstes kommt. Wohin soll’s gehen? Um fünf Uhr morgens gibt es in unserer kleinen Stadt nicht viel Auswahl. Ich glaub Kneipen haben eigentlich um die Zeit Sperrstunde, oder so. Mir auch egal.
Es gab zwei Möglichkeiten, die einzige Kneipe die noch auf hatte oder die Engländer-Disco. Die Wahl war nicht schwer. Die englischen Soldaten, die hier so rum hängen sind nicht unbedingt beliebt. Sie suchen immer Ärger. Du warst selbst ein englischer Soldat und nicht einmal du hattest Bock auf diesen Ort. Also ab zum Limericks. Ich fragte dich ob du mit kommen willst, du kamst mit, nachdem du dich nach der Musik dort erkundigt hattest. Ich denke aber, du wärst auch so mit gekommen.
Das Limericks, so ziemlich der siffigste Ort den ich kenne. Ich liebe es. An zweiter Stelle auf meiner Siff-Skala kommt übrigens das Sappho und danach so etlichen Wohnungen von Bekannten. Der schale Whisky Geruch schlug uns, wie üblich, schon oben am Eingang entgegen, aber was soll’s einmal tief durchgeatmet und ab die Treppe runter. Man kann sich an alles gewöhnen. Eigentlich hatte ich gehofft sie würden, wie normalerweise auch, Metal und Punk oder zumindest irgendwas lustig Gestörtes spielen, aber war wohl nicht drin. Irgend so ein seltsamer DJ. Na ja, Erstmal Bier. Du hattest mir und Ela schon Bier gekauft. Ich wusste doch gleich, dass ich dich mag. Es wimmelte nur so von gestörten Gestallten. Viele von ihnen sind später meine Freunde geworden. Wie zum Beispiel Joe, den ich in dieser Nacht zum zweiten Mal dort traf.
Das Bier tat gut, es half über das bedrückende Schweigen hinweg. Ich hab dich gefragt wie du heißt. Du würgtest so was raus was so wie „Rickchard“ klang. Damals dachte ich du wärst entweder sehr betrunken, was nicht verwunderlich gewesen wäre, ich war es auch, oder du warst nicht sicher ob’s der Spitzname oder der Normale werden sollte. Später hast du mir mal erzählt, dass du dir wahrscheinlich nicht sicher warst, ob du mir überhaupt deinen richtigen Namen sagen solltest. Männer eben.
Ich fand dich heiß. Ich wollt dich einfach nur küssen. Ich wartete die ganze Zeit darauf, dass du den nächsten Schritt machst, aber er kam nicht. Also übernahm ich das. Gut, dass ich mächtig voll war, sonst hätte ich mich niemals getraut. Es war toll. Es ist immer noch toll. Deine Küsse bringen mich zum schmelzen.
Der Rest der Nacht war noch sehr lustig und am nächsten Tag haben wir uns wieder gesehen. Als du an diesem zweiten Tag vor mir standst, hätte ich es wissen müssen. Strom ging durch meinen Körper von den Zehen bis zum Haaransatz. Trotzdem, es hat zwei Monate gedauert eh ich wusste, dass ich dich unbedingt will und begriffen das ich dich liebe hab ich sowieso erst viel später. wenn du es nicht gesagt hättest, ich hätte dich einfach gehen lassen und nicht gewusst, was ich dadurch verlier und was ich alles verpassen würde.

Da ist jetzt alles über zwei Jahre her. Wir sind durch soviel Gutes und Schlechtes gegangen. Haben gelitten und geweint, aber wir haben zusammen gefunden letzten Endes. Ich liebe dich heute noch so viel mehr als damals. Meine Liebe ist von Tag zu Tag für dich gewachsen und deine für mich auch.
Doch leider hat deine irgendwann aufgehört zu wachsen, während wir unsere Zukunft geplant haben und ich uns ein Zuhause schaffen wollte und dann ganz plötzlich war sie fort. Du wolltest es nicht, du hast versucht sie wieder zu finden. Es gelang dir nicht.
An dem Tag an dem du es mir gesagt hast, ist für mich eine Welt zusammen gebrochen. Diese kleine Welt die ich um dich herum aufgebaut hatte. Wir wissen noch nicht wie es weiter geht, schlafen immer noch im selben Bett, schlafen immer noch miteinander, aber es ist alles nicht real, denn eigentlich hab ich dich schon verloren. Du küsst mich nicht mehr. Ich träum mich zu all den schönen Zeiten zurück und hoffe jeden Tag es könnte irgendwann wieder so sein. Ich muss dich gehen lassen. Es ist vorbei. Ich liebe dich. Für immer. Ich werd dran sterben, aber die Hauptsche ist das du lebst und glücklich wirst. Ich hatte nur gehofft es könnte mit mir sein.

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Kommentare

Ronja schrieb am 2006-03-30 18:11:18:
echt gut und gefühlvoll geschrieben...
Mythoswolf schrieb am 2006-03-27 22:13:03:
Schöne Geschichte... kann ich wirklich gut nachvollziehen...
Hakan schrieb am 2006-03-27 21:10:22:
Ein Stück von Wolfgang Borchert. Nur mit viel Liebe verfasst. Finde ich perfekt
Ela schrieb am 2006-03-23 20:52:24:
Du bringst mein Herz zum Weinen.

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