Kundschafter
von
golden
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Kundschafter
Eine Erzählung aus der 3. Ära Windzeit 1087
Hauptmann Sora wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht und seufzte. Eine Woche waren er und seine Truppe aus 50 Soldaten mit Pferden an der Südküste beginnend von Andor entlangmarschiert und alles, was sie zu Gesicht bekamen, war das Meer, blauer Himmel, hellbrauner Sand und ab und zu ein wenig Gestrüpp und Krebse. Von dem seltsamen Volk, das in letzter Zeit häufig hier gestrandet sein sollte, war nicht einmal ein winziger Fußabdruck oder ein Haar zu finden. Langsam verzweifelte Sora. Seine Soldaten murrten und jammerten, dass es eine Schande war, und innerlich gab er ihnen Recht. Wer wollte schon die Küste nach etwas absuchen, von dem er nicht einmal den Namen kannte?
Meermenschen wurden sie genannt, Volk des Wassers, Fischähnliche, doch niemand kannte den wahren Namen dieser Wesen. Es hieß, sie seien blau, so blau wie das dunkle Meer an seinen tiefsten Stellen, und hätten Flossen, Schwimmhäute und gefährliche Reißzähne, mit denen sie sich über die Ziegen und Schweine der Bauern in der Nähe hermachten. Sie seien unheimlich, befremdlich anzusehen und seltsam. Man kannte keine Motive oder Ziele dieses Volkes. Sie waren den Menschen gänzlich fremd.
Deshalb hatte der König, Sharan 16., der neben diesem Rätsel noch einige andere unerfreuliche Probleme in seinem Reich zu lösen hatte, einen seiner besten Hauptmänner geschickt und ihm eine Truppe mitgegeben, um dem auf die Spur zu kommen, während der Rest des Heeres an der Grenze im Westen und bei Nôr Chai verteilt war. Sora war keineswegs glücklich über diesen Auftrag, lieber hätte er gegen Feinde gekämpft, die sich offen zeigten und von denen wenigstens irgendetwas bekannt war. Doch er durfte sich nicht beklagen. Er musste seine Mission ausführen, sich eines der seltsamen Wesen schnappen und als Geisel oder Kundschafter, je nachdem, nach Karoath eskortieren. Dann würde man das Problem schon lösen oder wenigstens besser verstehen können.
Sora ließ seinen Blick über die Dünen schweifen, während er an der Spitze seiner Männer weiterritt. Dann warf er einen kurzen Blick zurück. Viele hingen nur noch lustlos im Sattel, sie waren den ganzen Tag geritten und die Sonne berührte schon fast die Horizontlinie des Meeres. Bald würde sie in den Fluten versinken und ein weiterer erfolgloser Tag zu Ende gehen. Sora überlegte, was er seinem König berichten sollte.
Nein, dachte er. Wir haben erst weniger als die Hälfte des Küstenstreifens abgesucht. Noch ist es zu früh, um zu verzweifeln. Er trieb sein Pferd an und trabte über eine nicht allzu flache Düne, die ihm die Sicht versperrt hatte.
Was er sah, ließ ihn die Augen aufreißen. Er schaffte es, trotz seines Erstaunens das Pferd anzuhalten und blickte genauer hin. Dort unten war etwas! Dann klärte sich sein Blick.
„Männer, wir sind fast am Ziel“, rief er leise über die Schulter und als sich verhaltenes Murmeln breit machte: „Doch noch wollen wir es nicht vertreiben!“
Er hörte, wie ein anderes Pferd an ihn heranschritt. „Glaubt Ihr, es lässt sich so einfach fangen?“, fragte eine dunkle, volltönende Frauenstimme.
„Was weiß ich. Auf jeden Fall sollten wir es vorsichtig angehen“, sagte Sora den Soldaten und auch der hübschen, jungen Frau, die neben ihm auf ihrem Hengst saß. Dann trieb er sein Pferd an und ließ es mit kurzen Schritten auf das Wesen, das gerade aus dem Wasser gestiegen war und nun durch den Sand wanderte, zutraben.
Allzu schnell erregten die 50 königlichen Soldaten die Aufmerksamkeit des Meermenschen und er blieb stehen, das fremdländische Gesicht den Störenfrieden zugewandt.
Sora musterte ihn genauer und ihm fiel auf, dass die Haut des Mannes, denn ein solcher war es, von einem dunklen, ledrigen Blau war. Die nassen, durchsichtigen Flossen glitzerten in der Sonne wie Glas: Er hatte sie an Armen und Beinen dicht an die Haut geklappt. Auch die Schwimmhäute erkannte man zwischen seinen Fingern und nackten Zehen, deren Nägel schon zu Krallen ausarteten. Jetzt, da Sora nähergekommen war, konnte er auch das Gesicht des Meermannes erkennen. Seine Augen waren groß, beinahe rund und vollkommen weiß. Ebenso die dichten Wimpern. Das Haupthaar jedoch war von einem noch dunkleren Blau als die Haut, fast schwarz und bekleidet war das Wesen mit einer sehr kurzen Hose aus einem unbekannten Stoff, die kaum seine Oberschenkel verdeckte.
Sora zügelte sein Pferd vier Schritte vor dem Mann, der keinerlei Furcht zeigte, und sagte: „Was willst du hier?“
Der Mann blinzelte und verschränkte die Arme. „Mir dieses Land ansehen.“
Wenn er sprach, erhaschte man einen kurzen Blick auf nadelspitze, gefährliche Reißzähne. Sora bekam eine Gänsehaut.
„Du glaubst, du kannst einfach so auf fremdem Land herumwandern?“, fragte der Hauptmann scharf. Ihm gefiel die Antwort des Burschen nicht. Kurz darauf rief er sich zur Ruhe. Er ließ sich sonst nicht so leicht provozieren, und bei so einem Wesen musste man auf der Hut sein.
„Wer gibt Euch das Recht, es zu beanspruchen?“, antwortete der Meermensch ungerührt und starrte ihn mit seinen weißen Fischaugen an.
Sora schluckte hart und beherrschte sich. „Bist du gewillt, dich uns anzuschließen und zum Hofe unseres Königs zu reisen oder muss ich dich festnehmen lassen?“ Je schneller er den Fremden in seiner Gewalt hatte, desto besser. Auch die Kriegerin, die hinter ihm empört nach Luft schnappte, konnte ihn von diesem Plan nicht abbringen.
Ihm war, als würde der Meermensch sie ansehen, doch dann breitete er die Arme herausfordernd aus. „Warum sollte ich mir Euren König ansehen? Um ihm für immer die Treue zu schwören? Nein danke, ich behalte meine Freiheit lieber. Ihr müsst sie mir wohl gewaltsam wegnehmen, wenn Ihr das denn könnt.“
„Festnehmen!“, rief Sora und zeigte mit vor unterdrückter Wut zitterndem Finger auf den jungen Burschen, der so gelassen dastand, als hätte er nicht einmal vor 50 bewaffneten und berittenen Soldaten Angst.
Seine Truppe stob auf den Eindringling zu und hüllte alles in eine Wolke aus aufgewirbeltem Sand. Als sich diese ein wenig gelegt hatte, schnappte Sora entsetzt nach Luft. Sie hatten den Meermenschen gefangen und gefesselt, ja, doch um ihn verstreut lagen fünf Tote samt drei Pferden und von den Krallen und Zähnen des Fremden tropfte Blut in den Sand. Er grinste herausfordernd.
Sora kam er wie ein Irrer vor.
Dann gewahrte er die Sonne, deren letztes Stück noch über dem Meer zu sehen war. „Männer, wir schlagen hier das Lager auf. Und achtet auf unseren Gefangenen, gebt ihm das kleinste Zelt und bewacht ihn gut!“
Er stieg ab und machte sich daran, seinen Soldaten beim Aufbau der Zelte zu helfen. Das ließ ihn aber nicht den Blick übersehen, mit dem die schöne, dunkle Kriegerin ihn traktierte. Anklagend.
Nach kurzer Zeit hatte Laethis seine Fesseln aufgeschlitzt. Sorgfältig leckte er seine Krallen sauber, damit sie nicht schlüpfrig vom Blut wurden und setzte sich dann auf das Fell, das man ihm als Unterlage gebracht hatte. Kurz darauf
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Kommentare
oamelunxen@web.de schrieb am 2007-07-31 22:33:35:
ähm, kann mir wer sagen wieso die geschichte unter meinem namen eingetragen ist? 2 leute mit dem selben namen? ist auf jeden fall net von mir, auch wenn ich auf dieser seite eigentlich innaktiv bin....
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