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Kategorien > Humor > Ironie

Landurlaub

von Elle

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Vierter Tag des interaktiven Landurlaubs, den meine Eltern organisiert und mich unfairerweise mit eingeplant hatten!
Der Tag begann (überhaupt nicht früh: um vier Uhr!!) mit einem echten Highlight! Ein Huhn ist aus dem Hühnerstall entkommen! Ich hätte vor lauter Aufregung fast einen Herzinfarkt bekommen, als ich davon hörte! So viel Spannung gab es hier nur echt selten – was hatte ich für ein Glück! Die hundertjährige Bäuerin jagte dem Vieh nach, wobei ihr vor lauter Sport der Sabber aus dem Mundwinkel troff und der Buckel hin- und herschwankte. Als sie das Huhn endlich geschnappt hatte, verkündete sie, dass das Bibi sei: unser Abendessen! Ich schwor sofort, ich würde nie mehr Fleisch essen. Zumindest hätte ich das nicht getan, wenn mir mal jemand vor dem Frühstück gesagt hätte, dass Wurst auch so etwas wie Fleisch ist!
Um fünf Uhr morgens ging es mit atemberaubenden Erlebnissen weiter. Zu meiner persönlichen Freude (ich warf meinem Vater den Wecker hinterher vor lauter Begeisterung!) durften wir nicht wieder ins Bett gehen, sondern im Halbschlaf Kühe melken! Ich hatte ein besonders tolles Exemplar. Aus Dankbarkeit schied sie erst einmal ihr letztes Getränk aus, bevor ich anfangen konnte. Obwohl meine Eltern mich dazu bewegen wollten, zu bleiben, konnte ich keinen triftigen Grund finden, warum ich weitermachen sollte, nachdem die Kuh mir beim Melken die ganze Zeit ins Gesicht ‚geluftet’ hat. Der äußerst witzige Spruch meines Vaters („ Was hast du gegen ein bisschen Wind?“) konnte mich merkwürdigerweise nicht aufmuntern.
Glücklicherweise durfte ich dann noch ein paar Stunden in meinem steinharten Strohbett schlafen. Mir war, als hätte ich ein Klopfen an meiner (aus Versehen von mir mit dreimal umgedrehten Schlüssel zugeschlossenen) Tür gehört. Ein paar Schreie nach meinem Namen waren auch dabei. Meine liebe Familie würde doch niemals versuchen, mich zu zwingen, ihnen zu helfen! Was für ein verrückter Gedanke!
Frisch und munter und bester Laune spazierte ich am Mittag nach draußen. Mich erwarteten zwei wütenden Elternteile, di kein sehr jugendfreies Verhalten an den Tag legten. Offenbar waren sie sauer auf jemanden, der ihnen nicht bei der Arbeit geholfen, sondern sich einfach verdrückt hatte. Leider konnte ich nicht herausfinden, wen sie meinten.
Das Mittagessen versäumte ich leider, als ich sah, dass die Bäuerin offensichtlich versuchte, uns Hundefutter und das Fressen, das eigentlich für die Schweine gedacht war, anzudrehen. Ich musste unglücklicherweise mit Chips vorlieb nehmen, die aus Versehen aus dem Küchenschrank in meinen Rucksack gefallen sind, obwohl meine Eltern gesagt haben, ich solle nichts Ungesundes mitnehmen, weil dies eine Woche voll gesunder Ökolebensmittel werden sollte, die uns gut tun würden. Aber man kann sich dem Willen von Chips einfach nicht entgegenstellen!
Dann ging es weiter. Wir sollten aufs Feld und Salat ernten, den die Bäuerin dann auf dem Markt verkaufen wollte. Zufälligerweise geriet ich an einen Platz, der von Bäumen geschützt war, sodass meine Eltern nicht sehen konnten, dass ich gar nicht arbeitete. Nachdem meine Eltern einige Körbe mit Salatköpfen gefüllt hatten, fanden meine Hände komischerweise ein paar und mein Mund behauptete zu meinem Entsetzen, dass ich diesen Salat selbst geerntet hätte. Meine Eltern glaubten mir. Das merkte ich an den hochgezogenen Augenbrauen!
Als wir nach der gerecht verteilten harten Arbeit wieder zum Bauernhof kamen, stellte sich heraus, dass jemand angereist war. Uninteressanterweise war er so alt wie ich. Ich erklärte meinen Eltern gerade, wie hässlich, unintelligent und faul der Typ wahrscheinlich sein würde als der tollste Typ, den ich je gesehen hatte, aus dem Haus trat. Er hatte alles gehört. Wie sich herausstellte, war das der Enkel der Bäuerin. Jeder macht mal Fehler! Das schien er allerdings nicht so zu sehen, denn er ging mir immer mehr aus dem Weg, was ich daran merkte, dass ich ihm nie mehr begegnete.
Ich versuchte, mich mit harter Arbeit abzulenken und brachte den Pferden deshalb Futter. Danach wurde ich allerdings so erschöpft, dass ich mich ins Stroh niederließ und einschlief. Ich wurde von einem sanften, aber bestimmenden Wiehern geweckt. Meine Mutter hatte nämlich gemerkt, dass ich eingeschlafen war und musste mich natürlich sofort wecken. Dass ich sie dabei mit einem Pferd verwechselte, enthielt ich ihr aus psychologischen Gründen!
Inzwischen war es Abend. Wie versprochen brutzelte Bibi im Ofen vor sich hin, was für mich ein Grund war, in der Küche eine kleines Demonstration zu veranstalten. Doch unverständlicherweise überzeugte es meine Eltern nicht, dass ich um den Tisch herumstampfte und schrie: „ Ein Hoch auf Gemüse! Lasset uns auf Fleisch verzichten!“ Als Gemüse betrachtete ich selbstverständlich vitaminreiche Nahrung wie Chips (Kartoffeln!), Ketchup (Tomaten!) und Erdnüsse (Erdnüsse!), doch ich sagte das lieber nicht, da ich berechtigterweise befürchtete, meine Eltern besäßen nicht genügend Biokenntnisse, um das zu verstehen.
Um vierten nach acht kam (jipiiieee!!) ein absoluter Hollywoodstreifen. Ich wunderte mich sehr, dass meine Eltern mich so etwas Actiongeladenes, Gruseliges und Blutiges gucken ließen: ‚Da wo die Berge sind’. Trotz des überragenden Spannungsgehalts schläferte mich das Geschehen irgendwie ein. Am nächsten Tag erfuhr ich, dass ich mit dem Typ auch ‚The Ring’ hätte gucken können! Nicht, dass das irgendwie zu spät wäre...
Und zu guter Letzt wurde ich mit der tollen Nachricht überrascht, dass ich ins Bett müsste. Nur so als Nebeninformation: es war halb neun! Als ich klarmachte, meinte die Bäuerin nur ungerührt, ich könne froh sein, dass ich Ferien habe und so spät ins Bett dürfe!
Nachdem ich zwei Stunden an die Decke gestarrt und dem harmonischen Grunzen der Schweine (und der Bäuerin, die im Zimmer neben mir schlummerte) gelauscht hatte, schlief ich endlich ein!

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Kommentare

Isis schrieb am 2007-09-15 16:19:52:
Die Story ist echt gut. Hoffentlich schreibst du weiter, was am nächsten Tag passiert ist. Vielleicht noch ein Fettnäpfchen mit dem Jungen?

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