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Kategorien > Kurzgeschichte > ein bisschen traurig

Lars & Lisa

von Tina

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Stur wanderte Lars die Strandstraße entlang und starrte dabei vor sich hin. Die Cola-Dose, die er gerade leergetrunken hatte, warf er über seine Schulter nach hinten. Dass er damit den sauberen Strand beschmutzte, war ihm egal. Gedankenverloren schlurfte er durch den Sand.

Plötzlich trat er auf etwas hartes. Es war eine Flasche mit Korkenverschluss. Lars hob sie auf und sah sie sich genauer an. In der Flasche steckte ein gerollter Zettel, eine Möwenfeder, mehrere Muscheln und etwas Sand. Er öffnete den Verschluss und entnahm den Zettel. Darauf stand mit lilanem Buntstift in Großbuchstaben geschrieben: "Hallo, ich heiße Lisa und bin 6 Jahre alt. Ich habe diese Flasche von einem Schiff aus ins Meer geworfen und möchte, dass der Finder sie mir zurückschickt, damit ich sehen kann, wo sie angekommen ist." Darunter stand eine Adresse in Flensburg.

Lars sah aufs Meer hinaus. Er selbst hatte als kleiner Junge auch mal eine Flaschenpost abgesendet, aber keine Antwort bekommen. 'Warum soll ausgerechnet ich ihr die Flasche zuschicken?', dachte er und stellte sie, nachdem er den Zettel wieder hineingeschoben und den Korken eingestöpselt hatte, auf einen Felsenvorsprung. 'Pöh, sollen sich andere drum kümmern. Da habe ich nix mit zu tun. Kleine Blagen kann ich sowieso nicht ab.'

Er ging weiter und dachte daran, wie enttäuscht er damals war, dass niemand seine Flaschenbotschaft entdeckt hatte. Ihm tat es damals im Herzen weh. Wie würde Lisa reagieren? Würde sie traurig sein? Wütend? Enttäuscht? Er versuchte sich ihr Gesicht vorzustellen. Hat sie rote Zöpfe und Sommersprossen wie Pippi Langstrumpf? Oder lange blonde Haare und blaue Augen? Träumt sie auch davon Prinzessin zu werden, wie alle Mädchen in ihrem Alter? Lars‘ Gedanken drehten sich nur noch um Lisa. Dieses Mädchen ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er war schon fast zu Hause, als er beschloss, noch einmal zurückzugehen, um die Flasche zu holen. Er wollte Lisa glücklich machen.

Am nächsten Tag nahm Lars einen kleinen Karton und verpackte Lisas Postflasche darin. Dann schrieb er noch einen kleinen Brief dazu und legte ein Foto von sich mit in den Karton. Eine Woche nachdem er die Post verschickt hatte, bekam er einen Brief aus Flensburg. In dem stand: "Lieber Lars! Wir danken dir, dass du unserer Tochter den letzten Wunsch erfüllt hast. Leider konnte sie es selbst nicht mehr miterleben, da sie fünf Tage nach der Schifffahrt gestorben ist. Sie hatte Leukämie. Ihr sehnlichster Wunsch war es, eine Schifffahrt auf dem Meer zu machen und eine Flaschenpost abzuschicken. Wir haben die Flasche gleich am nächsten Tag auf Lisas Grab gestellt und ihr von dir erzählt. Nochmals vielen Dank für diese liebe Geste. Anbei schicken wir dir noch ein schönes Foto unserer Tochter. Mit freundlichen Grüßen Margot und Norbert Friederich."

Dreimal hatte Lars den Brief gelesen, weil er nicht begreifen konnte, was da stand. Dann sah er sich das Foto an. Ein fröhlich lächelndes Mädchen mit dunkelblonden, lockigen Haaren und einer Zahnlücke blickte ihm entgegen. 'Lebwohl, Lisa', dachte Lars und seufzte. 'Schade, dass wir uns nicht kennenlernen konnten.'

Am Abend suchte er noch einmal den Ort auf, an dem er Lisas Flaschennachricht gefunden hatte. Schon von weitem vernahm er ein klägliches piepsen. Auf dem Felsenvorsprung lag eine verletzte Möwe. Sie hatte einen Flügel gebrochen. Als sie den großen Menschen auf sich zukommen sah, blickte sie ihm ängstlich entgegen und versuchte, zu entkommen. "Keine Angst, Lisa", sagte Lars mit ruhiger Stimme, "ich tue dir nichts. Ich bin doch der Junge, der dir deine Flaschenpost zurückgeschickt hat."

Behutsam hob er die Möwe auf seinen Arm und stützte den gebrochenen Flügel mit seiner Hand ab. Dann ging er weiter. Unterwegs sah er die Cola-Dose, die er vor einer Woche achtlos weggeworfen hatte. Er hob sie auf und warf sie in einen in der Nähe stehenden Mülleimer. "Na, Lieschen", sagte Lars zu der Möwe und kraulte ihren Kopf, "das Fliegen musst du wohl noch üben. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Du ein Engel und keine Möwe geworden wärst." Lisa piepste scheinbar zustimmend. "Ich werde dich jetzt zu meinem Vater bringen. Er ist Tierarzt und wird sich um deinen lädierten Flügel kümmern. Vielleicht kannst du solange bei mir bleiben."

E N D E

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Kommentare

Hanna schrieb am 2008-10-20 19:15:30:
Ich finde die Geschichte auch sehr schön geschrieben!!!
finni! schrieb am 2008-10-19 18:48:16:
tooooooooooooool!
Echt, echt super!
eli schrieb am 2008-10-17 18:49:44:
eine wunderschöne, wenn auch traurige geschichte
Gimliy schrieb am 2008-10-17 11:37:14:
Hi, diese Geschichte ist wunderschön! Sehr gefühlvoll und traurig. Ich finde sie echt sehr gut,
lg: Gimliy

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