LasVegas
von
Eichhörnchen
1
Prolog:
Himmel: blau; Gras:grün
-Ich: braun-
mit jeder erfahrung: weiter geöffnet:
weiter aufgesogen von dieser welt
unfreiwilliger im tun
getrieben vom fremden
du stehst nicht darüber,
sondern innen: umgeben
und keine perspektive aus erkenntnis erhebt dich
und keine menge, oder gemeinsamkeit
existiert
alle formeln, formen, richtungen, begriffe
ausgedacht
Aber: Las Vegas. Las Vegas ist anders. Die Sonne geht hier auf, als wäre alles nur ein Film. Die Luft duftet nach Benzin. Die Autos sind riesig. Die Palmen wirken wie aus Plastik genau wie die Wolkenkratzer der Stadt. Nichts scheint hier echt zu sein. Aber nicht auf eine unangenehme Art. Es ist ein Puppenhaus und man führt ein Puppenleben hier, es gibt keine Probleme und wenn man mal ein Drama miterlebt, eine Schießerei auf der Straße, oder einen Penner, der am Rand einer dieser endlos breiten Straßen verhungert, dann ist das nur inszeniert. Die ganze Stadt spielt für dich und wenn du dir am Anfang etwas fremd und verlassen vorgekommen bist, dann geht das mit der ersten Nacht dahin, die du in deinem Hotelzimmer verbringst. Denn du bist nur Tourist und nur im Bewusstsein bald wieder wegzusein kamst du her. Ein Wochenende in Las Vegas,der amerikanische Traum, die Kasinos, bündelweise Geld, Spieltische. Am letzten Abend warst du noch verwirrt von der Leuchtreklame, die an jedes Gebäude angebracht ist. Das kindische bunte Licht, die kindische Architektur, Sandburgen in der Wüste, aber nachdem du geschlafen hast, fällt alles von dir ab. Noch vor dem Frühstück schwimmst du in einem der vielen Swimmingpools und selbst wenn du dich in Gegenwart zuvieler Menschen nicht wohl fühlst, hier ist niemand echt, keine Furcht, keine falsche Bescheidenheit, alle spielen für dich. Alle Mädchen sind hier schön und alterslos. Ihre Haut ist glatt und ebenmäßig wie die Fassaden der Gebäude. Die Männer sind mittleren Alters, etwas faltig, aber nur um ihren Charakter hervorzuheben. Auch du bist so, hier fällt niemand auf. Das Frühstück wird am Pool serviert. Wie die Umgebung sind auch die Geräusche immer konstant und präsent. Gespräche, Motoren, keine Tiere, die Natur gibt es hier nichtmehr. Genauer gesagt gab es die hier noch nie, es ist eine Stadt in der Wüste, deshalb wirken hier auch die Bäume so seltsam, so künstlich. Wenn man den Gesprächen genauer lauscht, dann hört man immer das selbe. Es gibt nur eine bestimmte Menge an Tonlagen, bei den Menschen und bei den Maschienen, man hat schnell den Überblick. Auch einen Coctail kann man hier zum Frühstück trinken mit Schirmchen, in mehreren bunten Farben, aus frischen Früchten, die von weit weg hierher gebracht wurden, wie alles andere um dich herum. Diesen Coctail, mit seinen Eiswürfeln, Fruchtsäften, dem Tequila, dem Strohalm und dem Glas- er wirkt, als wäre er genau für meine Hand gemacht, er passt farblich zu meiner Haut, meinem Hemd, meiner Badehose, dem Tisch auf dem er steht. Und er schmeckt, so wie er soll, so wie die Küsse der Mädchen die auf ihren vorgegebenen Wegen so schön und doch ganz eins mit allem dahinschreiten.
Nichts drängt mich zurück in mein Zimmer. Ich durchquere die Stadt, ohne Ziel und ich brauche kein Ziel,weil alles was ich suchen könnte immer gleich vor mir liegt. Die bunte Leuchtreklame ist tagsüber dunkel. Die Leuchtröhren saugen das Licht ein um es Nachts zurück in die Stadt zu bringen. Die Sonne hat hier keine Macht mehr, das letzte bisschen Natur, das noch an eine alte Welt erinnert, eine Requisite am Himmelszelt, eine Glühbirne im gleichmäßig blauen Himmel. Und die Wolken. Wenn einmal eine Wolke Über dem Himmel dahinschwebt, dann sieht sie aus wie gemalt, wäre sie nicht da, würde sie fehlen, dann würde das Bild der Stadt nicht mehr stimmen. Aber sie ist genau da, wo sie sein soll, ein kleiner Wattebausch.
Ich nehme mir ein anderes Hotelzimmer, weil ich den Rückweg nichtmehr kenne. Ich möchte einen Mittagsschlaf halten und lasse kühle Luft durch die Klimaanlage wehen. Die Gardinen wiegen sich im Wind.
Ich Träume von der Fahrt die mich an diesen Ort geführt hat. Eine lange Fahrt durch konturlose Wüste auf schwarzem Asphalt, mit alten Liedern im Radio des Cabrios. Es war ein altes Cabrio, ein Klassiker aus den 70ern. Ich rauche Zigaretten, davon habe ich einen Vorrat und ich trinke gekühltes Wasser aus einem kleinen Kühlfach. Ich bin natürlich nicht allein. Das große Auto ist gefüllt mit Menschen, deren ebenmäßiges Lachen das einzig lebendige in dieser stillen Wüste ist, die man durchqueren muss, wenn man nach Las Vegas will. Ich erwache und die rötliche Sonne steht wie gemalt im Fenster. Es ist Zeit fürs Kasino. Das Mädchen, das mich begleitet trägt ein rotes Kleid und blonde Haare. Solange ich sie auch betrachte, in einem Moment der Verwirrung und des Zweifels, ich sehe keinen Fehler. Ich finde keine Fehler, obwohl doch alles so einfach ist. Auch meine Stimme passt zu mir, das war früher nicht so. Und meine Worte schweben ohne Ecken und Kanten durch die Leute die mich umgeben. Und ich verstehe jeden, denn es ist selbstverständlich, dass er sagt, was er sagt und er meint, was er sagt, wie ich. Das Kasino ist ein hoher Raum, überall ist Gold und rotes Samt. Die Spielautomaten sind aus poliertem Metall. Über den Boden ziehen sich ruhige Muster, wie eine Wiese. Dazu passt die Musik, die von der Band in der Mitte des Raumes über die Gäste strömt. Ich habe Spielchips in der Tasche, das ist alles was man hier bei sich trägt, das ist die einzige Sache, das ist der Preis in dieser künstlichen Stadt, jeder muss seinen Beitrag leisten um sie zu erhalten,hier in der Wüste, aber es schmerzt nicht, denn es gibt kein Geld, wie man es einmal gewohnt war, nur Chips in bunten Farben, die man überall wo man gerade steht einwirft, hinlegt oder stapelt damit sich eine Attraktion in Gang setzt, wie auf dem Jahrmarkt. Der Abend ist lang, es gibt Alkohol Zigarren und Freunde überall in den Räumen, durch die man geht.
Und wenn du hier bist, wenn du es nur gesehen hast, gäbe es keine Problem mehr.
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