Lauscher ist zu ihm gekommen. Kriminalgeschichte
von
Kay Ganahl
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so daher. Heike entfernt sich eilfertig, um dann wenig später mit der kalten Platte wiederzukommen. A macht sich sofort über das Essen her. Er mampft. Das tiefe Schweigen hat dann Heike offenbar erfasst. Lauscher denkt: Ist sie auch die Mord-Gehilfin von A? Dann spielt um Lauschers Mundwinkel ein Lächeln, auf das A missbilligend reagieren könnte. Aber nichts dergleichen erreicht Lauscher - mit Genuss widmen sich alle drei für ein paar Minuten der kalten Platte.
Es ist kühler geworden im Schankraum, ungemütlich. Die Stimmung ist am Boden. Wohl hat keiner so recht Lust, das Gespräch fortzusetzen. Lauscher übt sich, während des Essens in sich gehend, in kritischer Reflektion über die mutmaßlichen Mordtaten des A: Die vielen Mädchen, die A ermordet hat, waren ihm ohne Zweifel bloß Objekte der Lust. Heike dort nimmt einen Stellenwert ein, der Etagen über dem liegt, den die Opfer des Mörders eingenommen haben können. Das ist für Lauscher unerklärlich.
Auf eine darauf abzielende Frage Lauschers reagiert A kurze Zeit später nicht. Die folgende Frage Lauschers quittiert A mit einem ablehnenden tiefen Brummen, die Frage hat gelautet: „Wo liegen denn die Opfer?“
Leider ist A nicht mehr zum Reden, geschweige denn zum Bekennen gestimmt. Seit Minuten sitzen Lauscher und er fast wortlos einander gegenüber. Heike ist immer noch die Schweigsame, ihr ist allerdings eine gewisse Furcht um das mögliche Kommende im Gesicht anzusehen, wogegen Lauscher das mögliche Kommende als etwas für ihn Undenkbares gar nicht denken kann.
A ist eine Macht im riesigen Wald. Des Waldes Bewohner sind Tiere und kleine, unbedeutende Menschen, die oftmals umherirren. Im Vergleich mit all diesen Lebewesen hält sich A für eine unschlagbare, geheiligte Macht, die tut, was ihr in den Sinn kommt. Die Morde an den Mädchen sind die Spitze seiner Aktivitäten, die sich ursprünglich nur auf die Tierwelt bezogen, womit er nicht so negativ auffiel. Die Behörden kannten weder ihn noch seine Taten, so lange er lediglich Tiere „erlegte“. A ist ein skrupelloser Systematiker des Mordes. Weder fühlt er mit Menschen noch mit Tieren. Sobald seine Gedanken- und Gefühlswelt explodiert, ist er nicht zu bremsen. Mit äußerster Raffiniertheit und Verschlagenheit, aber auch Beharrlichkeit geht er gegen seine Opfer vor.
Geradezu genial ist seine Medienarbeit. Genauso ist es darum bestellt, ihm strafrechtlich mit nachdrücklichem Erfolg beizukommen. Die Kriminalpolizei scheint ihm nicht gewachsen zu sein … Und das Kommende?
Ende
Kay Ganahl
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