Lavendelduft
von
Norbert Hilgers
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Radeck liebte es nach einem erledigten Auftrag zurück in seine Wohnung zu kommen und seine Frau in die Arme zu schließen. Schon nach dem Öffnen der Haustür empfingen ihn vereinzelte Partikel ihres französischen Lavendelparfüms. Er rief ihren Namen, aber der Ruf verhallte unbeantwortet in der winzigen Wohnung, in die sie im Frühjahr, nach der Hochzeit, zu ihm gezogen war. Enttäuscht das Marta offensichtlich nicht anwesend war, ging Radeck in die Küche. Ein einzelnes Gedeck stand auf dem Esstisch und neben dem Teller ein Zettel, auf dem Marta in ihrer eigenwilligen Handschrift ein paar Zeilen geschrieben hatte. „Hallo Liebling, ich habe dir Dein Essen in die Mikrowelle gestellt. Ein Joghurt zum Nachtisch ist im Kühlschrank. Ich habe einen kurzfristigen Termin wegen einer neuen Wohnung und bin im Laufe des Abends wieder zurück. Ich liebe Dich.“ Marta. hatte ein Inserat für eine Drei-Zimmer-Wohnung aufgegeben. Das erste Mietangebot war gleich neben einer S-Bahnstrecke und der Lärm kaum zu ertragen. Die zweite Wohnung machte auf den ersten Blick einen soliden Eindruck und lag in einer ruhigen Wohngegend. Als der Makler allerdings den Preis nannte, hatte Marta jedoch entsetzt abgelehnt. Das Radeck die monatliche Miete aus der Portokasse hätte zahlen können, ahnte sie nicht und er hatte keinesfalls vor es ihr zu erzählen. Für sie war ihr Mann der mittelmäßig bezahlte Außendienstmitarbeiter eines kanadischen Chemieunternehmens. Das Radeck regelmäßig für einige Tage ins Ausland reiste, gehörte zu seinem Job und wurde von ihr als selbstverständlich akzeptiert. Enttäuscht über ihre Abwesenheit setzte er sich vor das Gedeck, zog eine Zigarette aus einem versilberten Etui und steckte sie zwischen die Lippen.
Rückblickend ließ er die letzten Stunden an seinem inneren Auge vorbeiziehen.
Normalerweise verschwendete er keinen Gedanken mehr an einen durchgeführten Auftrag. Aber der heutige Fall, stellte schon eine Besonderheit dar. Er hatte vor nicht mehr als drei Stunde eine ihm völlig unbekannte Frau getötet. Es war nicht das erste Mal, dass er eine weibliche Person getötet hatte. Irgendwelche Skrupel waren ihm fremd. Diese Empfindsamkeiten gehörten den Amateuren seiner Zunft. So liebevoll, aufmerksam und feinfühlig er sich auch Marta gegenüber verhielt, so kalt wie Waffenstahl verhielt er sich gegenüber seinen Opfern.
Das Außergewöhnliche an diesem Auftrag war, dass er zum zweiten Mal die Frau des selben Mannes erschossen hatte. Radeck wusste nur wenig über den Mann. Der Auftrag war ihm seinerzeit, wie immer, anonym übermittelt worden. Ihm war lediglich das, was am Tag nach dem Mord in den Zeitungen gestanden hatte, lückenhaft im Gedächtnis geblieben. Die Frau hatte sterben müssen, weil sie als Kronzeugin in einem Geldwäscheprozess auftreten sollte, bei dem es um lange Haftstrafen gegangen war. Erst am Morgen, hatte Radeck nähere Einzelheiten über den neuen Auftrag erfahren. Neben dem genauen Zeitpunkt und Ort, lag dem unbeschrifteten Briefumschlag ein Photo bei. Auf diesem war ein einzelner, in einer engen Nische befindlicher Tisch zu erkennen. Zwei Stühle standen in rechtem Winkel zueinander, von dem der eine mit einem Kreuz markiert war und die Worte „türkisfarbenes Kopftuch“ in Druckbuchstaben darunter standen. Als Adresse war ein Teehaus angegeben, welches sich auf dem Gelände einer Moschee befinden sollte. Als Radeck eintraf, und das Areal in Augenschein nahm, gab es nur einen, aber perfekten Standort von dem er seinen Auftrag ausführen konnte. Auf einer die Moschee umrundenden Mauer, waren dicht an dicht Blumenkübel mit Zitronen und Apfelsinenbäumchen gepflanzt worden, die einen hervorragenden Sichtschutz bildeten. Aber nur eine einzige Stelle von nicht mehr als einem Meter Breite ließ den Blick auf den Tisch zu. Das Teehaus schien nur wenig besucht zu sein. Vielleicht zehn Personen, zumeist Männer, saßen an zierlichen Tischen, unterhielten sich, oder vertrieben sich die Zeit mit Kartenspielen. Befriedigt registrierte Radeck, dass wie vor raus gesagt, zwei Personen an dem beschriebenen Tisch saßen. Die Entfernung betrug etwa fünfzig Meter. Aus einer Sporttasche zog er das fertig zusammengesetzte PSG1 Präzisionsgewehr. Lediglich das Zielfernrohr schraubte er mit geübtem Griff auf den geschwärzten Lauf. Dann visierte er die Personen an. Mit dem Rücken zu ihm saß sein Opfer, das wie in dem Brief beschrieben, ein türkisfarbenes Kopftuch trug und sich angeregt mit einem etwa fünfzig Jahre alten Mann unterhielt. Fast hätte er ihn nicht erkannt, da er in den letzten sechs Jahren überdurchschnittlich gealtert war. Sein ehemals volles Haar wies lichte Stellen auf, und unter seinen Augen hatten sich schwere bläuliche Tränensäcke gebildet. Die Mundpartie mit dem markanten vorspringenden Kinn jedoch war unverwechselbar. Radeck glaubte nicht an Zufälle und einen verschwindenden Moment überlegte er den Auftrag nicht auszuführen. Aber DAS wäre das erste Mal in seiner Laufbahn als Profikiller gewesen und er hatte einen makellosen Ruf zu verteidigen. Jemand musste einen unglaublichen Hass auf den Mann besitzen, da er nun zum zweiten Mal seine Partnerin verlieren sollte. Radeck verscheuchte seine Gedanken. Sein Geschäft musste schnell, präzise und völlig emotionslos durchgeführt werden. Jede Sekunde, die er länger blieb, erhöhte das Risiko gesehen zu werden. Das Fadenkreuz richtete sich auf den Rücken der Frau. Als es die Herzgegend erreichte, gab der mit einem Schalldämpfer ausgerüstete Lauf lediglich zwei hustenähnliche Geräusche von sich. Auf dem Mantel des Opfers bildeten sich zwei rote Kreise, nachdem ihr Oberkörper lautlos vornüber auf die Tischplatte gekippt war. Radeck hatte das Gewehr sofort zurück in die Tasche gepackt und sich seelenruhig zwischen die Menschen gemischt, die an diesem Freitagabend die Zeit zu einem Einkaufsbummel nutzten. Später war er zum Hutson River gefahren, hatte seine Kleidung gewechselt und zusammen mit der Waffe in weitem Bogen in den trägen, braun dahin fließenden Strom geworfen.
Das Klingeln an der Haustür ließ ihn aus seinen Gedanken aufschrecken. „Marta, Marta“, dachte er leicht amüsiert. „Wirst du es nie lernen, deinen Haustürschlüssel mitzunehmen“.
Mit dem angenehmen Gedanken seine Frau begrüßen zu können, öffnete er die Haustür. „Phil Radeck?“. Das die zwei Männer vor der Haustür keine Sammlung für karikative Zwecke unterstützten, war ihm klar, bevor sein Name über die Lippen des Größeren kam. „Was wollen sie?“. Die beiden Unbekannten, stellten sich als Detektiv Hofer und Farmer vor, zeigten ihre Dienstmarken und baten ihn eintreten zu dürfen. Hofer, der seinen Kollegen um fast eine Kopflänge überragte ergriff als erster das Wort. „Heute gegen sechzehn Uhr, wurde eine uns unbekannte Frau in einer Teestube unweit der Mossala Moschee erschossen, wir interessieren uns dafür, wo sie sich zu dieser Zeit aufgehalten haben?“.
Radeck tat erst verwirrt und dann als ob er kurz nachdachte. „Gegen sechzehn Uhr sagen sie? Ich habe zu dieser Zeit einen
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Kommentare
Norbert schrieb am 2007-02-04 19:29:01:
Hallo Astoria,
schön das dir die Story gefällt. Ich bin allerdings dabei sie etwas
umzuschreiben.
liebe Grüße
Norbert
Astoria schrieb am 2007-02-02 20:07:43:
Irre gute Geschichte, voll Spannend wobei sie bischen vorhersehbar ist. Aber das ist in dem Fall egal!!
Ich ziehe meinen Hut vor dir,
lg Astoria
Lexa schrieb am 2007-01-31 19:03:47:
Im übertragenen Sinn sollte man immer erst nachschauen, wem man ein Messer in den Rücken rammt. Man könnte
diesen Jemand noch gebrauchen. LG Lexa
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