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Lebensborn, oder wie mache ich mir ein Baby
von
Chandler Buffay
"Guten Tag!"
"Guten Tag! Womit kann ich ihnen helfen?"
"Ich hätte gerne ein...ein..."
"Ein Baby?"
"Ja, genau! Ich wollte es hier probieren."
"Sie wollen ein auf ihre persönlichen Wünsche abgestimmtes Baby? Kein Problem. Setzen Sie sich!"
"Danke! Und wie geht das?"
"Ich stelle ihnen Fragen, und sie antworten! Bereit?"
"Ja!"
"Geschlecht? Männlich, Weiblich oder Zwitter?"
"Zwitter?"
"Manche wollen so etwas."
"Männlich."
"Haarfarbe? Blond, Schwarz, Braun, Rot, andere Farbe?"
"Was gibt es denn für andere Farben?"
"Was Sie wollen. Wir mischen die Farben für Sie. Grün und Blau sind die Modefarben."
"Schwarz."
" Augenfarbe?"
"Gibt es da auch verschieden Farben?"
"Klar! Grün, Rot, Gelb, Schwarz. Es ist ihre Entscheidung!"
"Braun."
"OK! Welche Hautfarbe soll es denn sein! Chinese, Afrikaner, Eskimo?"
"So wie ich! Mitteleuropäisch."
"Wie alt soll das Kind werden?"
"Was? Sind sie pervers?"
"Ruhig bleiben! Wir machen das, weil manche Eltern den Wunsch haben, mit dem ersten Kind zu üben. Sie machen dann meistens zwei Jahre. Dann stirbt das Kind. Sie können bis 120 Jahre machen."
"Lassen Sie mich überlegen! 80 Jahre. Das ist lange."
"Es ist ihr Kind. Wie soll das Kind sterben? Aids, Krebs, natürlicher Tod. Manche wollen einen Autounfall. Das erledigen dann unsere Mitarbeiter."
"Einen natürlichen Tod! Dauern die Fragen noch lange?"
"Nicht mehr lange. Welchen IQ soll das Kind haben?"
"Ich will einen Einstein haben! 180."
"OK! Welchen Abschluss soll das Kind haben?"
"Studium.
"Welches?"
"Jura."
"Soll das Kind hetero, bi oder homosexuell sein?"
"Hetero."
"Soll er heiraten?"
"Klar! Aber wie wollen Sie dass schaffen?"
"Mit einem Chip im Gehirn. Wenn ihr Kind das 18. Lebensalter überschritten hat, senden wir ihnen eine Fernbedingung zu, mit dem Sie eine zukünftige Frau aussuchen. Sie drücken den Knopf, und schon ist es Liebe."
"Was ist mit Kindern kriegen?"
"Er kann zu uns kommen, und dass gleiche machen wie Sie. Oder denken Sie wirklich, dass man das auf natürlichen weg macht? Ich bitte Sie! Wunschkinder werden die Zukunft sein."
"Sie haben mich überzeugt. War das alles?"
"Das war alles! Sie bekommen aber noch eine Software zugeschickt, in dem Sie weitere Eigenschaften bestimmen können."
"Zum Beispiel?"
"Lieblingsessen. Lieblingsmusik. Seine Stimmung. Alles."
"Wie lange dauert alles?"
"Sie bekommen ihr Baby in zirka 2 Wochen mit der Post zugeschickt."
"Danke!"
"Das ist unser Job."
Anmerkung des Autors: Dieses Gespräch ist reine Fiktion. Hoffen wir, dass so ein Gespräch in einem Laden nie stattfindet. Nicht jetzt, und auch nicht in Zukunft.
Kommentare
Kaicy schrieb am 2006-04-08 23:53:15:
Ich finde es richtig gut geschrieben und eine klasse Idee. Wenn ich mal so überlege, ich wüsste nicht, welchen IQ ich meinem Kind geben würde, ich will sowas aber auch gar nicht entscheiden! Also hoffen wir mal, dass soetwas wirklich niemals passiert, es wäre schrecklich und furchtbar langweilig! Denn jeder Mensch sollte ein Individuum bleiben, mit all seinen Macken und Fehlern.
Lieben Gruß, Kaicy
alex.uhr@net27.de schrieb:
meiner meinung nach ein tolles gedicht;
was mir dazu einfällt:
man könnte es gut im unterricht verwenden, wenn einmal wieder das hochaktuelle thema "gentechnik" zur sprache kommt.
so etwas interaktives geniales wie ein interview aus der zukunft kommt auf jeden fall an !
gruß
alexander
stefan.gruber1@epost.de schrieb:
Ich habe immer den Eindruck, dass bei all diesen satirischen Gedichten über Gentechnik ein seltsamer Faktor mitspielt:
Der tiefsitzende Glaube, dass alles, was Wissenschaftler behaupten, machen zu können, auch wirklich realisierbar ist.
Das ist eine Angstvorstellung, der man nur mit Wissen begegnen kann.
Das meiste der im Text genannten Manipulationen liegt wohl im Bereich des möglichen:
Physiologische Merkmale sind leicht zu manipulieren, die Grundlagen des Alterns werden im Moment stark beforscht, so dass man auch das festgelegte Todesalter haben könnte.
Sogar Vorlieben und Abneigungen sind theoretisch denkbar, denn man findet definierte Hirnareale für beispielsweise akkustische Wahrnehmung.
Solche Eingriffe liegen aber in viel weiterer Ferne, da die Arbeitsweise des Gehirns nicht mal im Ansatz verstanden wird.
Aber egal, was möglich wird, eines ist sicher:
Auch ein Mensch mit genetisch manipulierten Merkmalen ist immer noch ein Mensch.
Wir alle sind Menschen mit genetisch determinierten Merkmalen!
Und jeder, der mit moralischer Überlegenheit auf konditionierte Menschen herabschaut, wie sie etwa in "Schöne neue Welt" vorkommen, sollte sich selbst fragen:
Bin ich denn so frei, dass ich mich unabhängig von den Vorstellungen meiner Eltern entwickelt habe?
Gentechnik ist doch nur eine weniger subtile Form der Nachwuchskonditionierung, die heute so populär ist.
Kinderpsychologen raten zum Beispiel, Babys "Anregungen" zu geben, damit sie ihre "intellektuellen Fähigkeiten" entwickeln können.
Das ist dasselbe Prinzip wie die genetische IQ-Determinierung.
Und dass Eltern Kindern ihre Wertevorstellungen aufprägen, brauche ich wohl nicht dazuzusagen.
Also die Frage an alle Autoren solcher Geschichten:
Ist das wirklich die mögliche Zukunft, die ihr da beschreibt, oder eure eigene Vergangenheit?
Abgesehen davon halte ich den Text für einen der besseren Vertreter seines Genres.
Mein Rat wäre allerdings, sich weniger aufs hohe Ross der moralischen Überlegenheit zu setzen und mehr die eigentliche Problematik aufzuzeigen:
Was ist denn nun das schlimme an der Genmanipulation?
Wohl kaum, dass sie so viele Möglichkeiten bietet!
Ich möchte da folgendes zum Denken geben:
Natürlicherweise treten in Eizellen über die Jahre zunehmend Mutationen auf, da sie in einem Reservoir vorliegen, das in der Pubertät gebildet und nicht mehr aufgefrischt wird (im Gegensatz zum männlichen Sperma).
Diese Mutationen können zum Schaden des aus dieser Zelle gezeugten Kindes sein: Die Natur hat dagegen nur unzureichende Schutzmechanismen ausgebildet.
Eine Beseitigung von Erbkrankheiten erscheint nicht so menschenverachtend - warum soll man dem Kind nicht die genetische Disposition auch sonst so günstig wie möglich machen?
Gruß,
Stefan
AVS.Reisefreund@t-online.de schrieb:
Kurz,prägnant, wesentlich. So sollte Sartire sein. Der Inhalt selber ist geschmacksache, aber ich denke das ist O.K
Peter
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