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Kategorien > Drama > Lebensunglück

Lebewohl

von Theresa Wiesensee

1

Warum gehen die Menschen die einem ein Lächeln auf das Gesicht zaubern können?
Warum gehen die Menschen, denen man sich an vertraut?
Warum gehen die Menschen, die man gern hat, respektiert und einem nur helfen?
Wieso ist die Welt so ungerecht und nimmt einem den Menschen, den man sich fast ganz öffnet, sich anvertraut und sich preisgibt?
Muss man sie überhaupt gehen lassen? Einfach festhalten und bei einem Behalten.
Wäre zu egoistisch.
Wieso ist es so schwer zu sagen, „Ich will nicht das du gehst“.
Wäre zu allein herrschend.

Sie setze sich in den Schnee und sah hinaus, auf das klare Wasser was sich vor ihr erhob. Die Sonne stand am Horizont und was kurz davor zu verschwinden. Schnee bedeckte den Strand bei weitem und lies alles glänzen. Ein wundervoller Anblick, wie die Eiskristalle die Bäume funkeln ließen und es sich alles in ein weißes Etwas verwandelte.
Sie strich durch ihr Haar und hinterließ feine Schneeflocken. Gerne ging sie hier joggen. Doch es war so lange her, das sie es das letzte Mal getan hat. Hier war der Strand, wo sie immer mit ihrem Schein-Vater war. Sie war seit seinem Tod hier nicht mehr gewesen.
Jetzt saß sie hier, genau dort auf dem kleinen Hügel, wo sie immer mit ihm und seiner Familie gelegen hatte und unbeschwert das Leben genossen hat.
Tränen glitzerten in ihren braunen Augen, die sich zunehmend verdunkelt hatte.
Es war als ob es gestern gewesen war, das er noch mit ihr herum gealbert hat. Unter Wasser nach ihrem Bein gegriffen hat und sie hinunter gezogen hat.
Schwach lächelte sie und der Moment, als sie an genau diesen Augenblick dachte, lies sie mit einem Glücksgefühl durchströmen.
Sie schlang die Arme um die Beine und zog sie nah an den Körper. Setze das Kinn auf die Knie ab und sah hinaus auf den Fluss. In dem Gedanke glaubend, das er auf diesem Fluss See Bestattet wurde.
Eine einzelne Träne wanderte über ihre Wange und fand den Weg in ihren Schal.
Eine zweite und dritte folgte langsam.
Wieso war alles nur so schwer?
Warum verließen sie alle?
Entweder gingen sie wegen ihr, oder sie wurde ihr genommen. Anderseits andere gingen von selber.
Aber genau die Menschen, die sie liebte. Die Menschen denen sie vertraute. Sie wusste, dass sie sich niemanden mehr anvertrauen kann. Bei einem letzten hatte sie es versucht. Doch es bringt nichts, wenn dann alle gehen.
Die Seele wird dann nur noch mehr zerrissen.
Jeder der ging, nahm einen Teil davon mit und dieses Stück kehrt meistens nie zurück.
So war es bis jetzt gewesen und so wird es auch immer sein.
Schluchzend zog sie die Knie näher an ihren Körper.
Alles krachte zusammen, immer und immer wieder. Sie war kurz davor, etwas Neues aufzubauen. Ist auch mitten drinnen, zwar noch auf Hilfe angewiesen und dann stürzte es jedes Mal ein. Immer und immer wieder. Wie lange soll das noch so weiter gehen?
Sie wollte verdammt noch mal nicht aufgeben, sie wollte weiter machen. Stark sein.
Aber warum war es so verdammt schwer?
Einfach aufzustehen und sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen? Die Probleme beseitigen?
Es klingt so leicht, so verdammt leicht. Sie war an ihren Grenzen an erlangt. Mehr Schmerz konnte sie nicht ertragen.
Mehr Verluste nicht.
Ihre Augen brannten, die Tränen und dann die kalte Luft. Fahrig wischte sie sich über die Augen.
Vater erlöse mich.
Konnte dieser Satz nicht wahr werden? Einfach erlösen lassen?
Sie seufzte laut auf und als eine weitere Träne den Weg in ihren Schal fand stand sie energisch auf.
Stand dort oben auf dem Hügel, Schnee bedeckt und ein kühler Wind wehte um sie herum.
Die Hand zu einer Faust geballt starrte sie auf das Wasser. Welches immer stürmischer wurde.
Sie schloss die Augen und atmete die kühle Luft ein, besah sich in Gedanken ein paar Bilder.
Ihr Schein-Vater tauchte auf, mit einem unwiderstehlichen Lächeln auf dem Gesicht und strahlenden Augen.
Wie sie ihn einfach liebte.
‚Ich bin Stark und das für dich.
Du bist bei mir, in meinem Herzen, in meinen Gedanken.
Ich liebe dich einfach.’
Energisch stampfte sie mit dem Fuß auf und sah wieder hinaus auf das Wasser, welches sich etwas beruhigt hatte.
Sie ging hinunter, berührte das eiskalte Wasser und ein vertrautes Gefühl überkam sie. Bilder schossen vor ihrem Geistigen Auge lang. Alle Glücklichen Momente mit ihrem Schein-Vater.
Wie ein Stromschlag schoss es durch sie und sie nahm ruckartig die Hand aus dem Wasser.
Sah hinauf in den Himmel, an denen sich Wolken gebildet hatten. Ein Regentropfen fiel auf ihre Schulter, und dann auf das Gesicht. Immer mehr.
„Ich werde immer an dich Denken, Vater“ das letzte Sprach sie laut aus, hinauf auf das Wasser und eine letzte Träne, einsam wie sie sich manchmal fühlte, huschte über ihre Wange bevor der Regen sie weg spülen konnte.

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