Lena und die Vögelchen im Bild
von
Sina Röhrs
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„LENA!“, die Mutter kam ins Zimmer und sah sich erbost im Kinderzimmer um, „Wie sieht es hier denn schon wieder aus? Schämst du dich nicht?!“ Die kleine Lena, die grade noch glücklich zwischen ihren Spielsachen gespielt hatte, schaute sich um. Überall lagen ihre Spielsachen herum, ihr Puppenzeug lag bei ihren Bauklötzen, die Holzeisenbahn lag umgekippt neben den Spielzeugautos. Mutti hatte ja Recht, es sah wirklich nicht sehr gemütlich aus. Mit einem schuldbewussten Gesichtsausdruck schaute sie zu ihrer Mutter hoch. „Das wird aufgeräumt, Fräulein! Eigentlich wollte ich dich ja nachher mit zur Oma nehmen, aber wenn du so ungezogen bist…!“ Lenas Heulen unterbrach sie: „Oh nein, bitte bitte Mutti, nimm mich doch mit!“. „Na gut, aber nur, wenn das Zimmer bis zum Mittagessen aufgeräumt ist, picobello!“, damit verließ sie das Zimmer und ließ Lena allein.
Bis zum Mittagessen? Oje, wie sollte sie das nur schaffen? Lustlos begann Lena ihre Puppen einzusammeln und in ihre Bettchen zu legen, als sie plötzlich ein Flüstern bemerkte. Erschrocken schaute sie sich um. Wo kam das her? Da, schon wieder, etwas lauter diesmal: „Psssst….Lena, hier!“. War das etwa grade aus ihrem Bild gekommen? Über Lenas Bett hing ein wunderschönes Bild von einem riesigen Baum auf einer Wiese mit pinken und blauen Blumen und in dem wunderschöne Vögel saßen. Neugierig klettere sie aufs Bett und beugte sich vor, als sie auf einmal durch die Luft wirbelte und gradewegs auf ihr Bild zu. Schnell schloss sie die Augen und nach kurzer Zeit landete sie wieder auf dem Boden. Doch merkwürdig, als sie die Augen öffnete war ihr Bett verschwunden, auch ihr Schrank und die ganzen Spielsachen waren nicht mehr zu sehen, das ganze Zimmer war weg. Stattdessen saß sie auf einer wunderschönen Wiese, die über und über mit pinken und blauen Blümchen gesprenkelt war. Vorsichtig stand Lena auf, sie war immer noch etwas benommen von dem wilden Flug. Wo war ihr Zimmer, ihr zuhause und ihre Mutti? Grade, als die Kleine anfangen wollte, zu weinen, hörte sie Jemanden mit einer lieblichen Stimme sagen: „So weine doch nicht, liebes Kind, es ist doch alles gut…!“. Lena drehte sich nach dem Sprecher um, ja sie drehte sich ganze dreimal im Kreis und konnte doch Niemanden entdecken. „Seltsam“ dachte sie, aber als sie ein leises Kichern über ihrem Kopf bemerkte und nach oben sah, wusste sie, wer da gesprochen hatte. „Sehr seltsam!“ dachte Lena wieder. Da flog ein kleiner Vogel herum, aber so einen hatte sie noch nie gesehen. Er glänzte und glitzerte in allen Farben des Regebogens. Normalerweise flogen alle Vögel weg, wenn Lena ihnen zu nahe kam, aber dieser setze sich nun sogar auf ihre Schulter. „Wo bin ich?“ fragte Lena „Und wo sind all meine Sachen geblieben?“. „Hab keine Angst“ beruhigte sie das Vögelchen, „Mein Name ist Fiona und ich habe dich hierher geholt. Und weißt du wirklich nicht, wo du bist?“ Lena sah sich ein weiteres Mal um und erst jetzt bemerkte sie den Baum, der auf der schönen Wiese stand. Sie staunte: „Ich bin in meinem Bild!“ „Schlaues Mädchen!“, lobte Fiona. Und sie erzählte, wieso sie Lena geholt hatte. Seit das Bild gemalt worden war, lebten in dem großen Baum viele Vögel friedlich miteinander. Doch vor kurzer Zeit war plötzlich eine Katze aufgetaucht, die versuchte die Vöglein zu fangen. „Oh nein“ rief Lena, „wie gemein! Aber wie kann ich euch da helfen?“. Da kamen fünf eben so schöne Vögel angeflogen und ließen ein großes Netz neben ihr ins Gras fallen. „Wir sind zu klein, um die Katze zu fangen. Aber du könntest es schaffen! Bitte, tust du uns den Gefallen?“. Die kleine Lena hatte zwar ein bisschen Angst, nahm jedoch das Netz auf und versprach, es zu versuchen. So zog sie also los und nach kurzer Zeit entdeckte sie die Katze. Merkwürdig, die sah doch eigentlich sehr niedlich aus mit ihrem orangegestreiften Fell und den lustigen Öhrchen, die im Schlaf zuckten. Lena ließ das Netz liegen und ging langsam auf das Kätzchen zu. Die Katze wachte auf und sah Lena misstrauisch an: „Hey, wer bist du denn, ich habe dich hier noch nie gesehen!“. Lena erklärte, dass sie in dem Zimmer wohnte in dem das Bild hing und fragte die Katze, wieso sie die niedlichen kleinen Vögelchen jagen würde. „Das ist gemein!“, rief Lena. Nun schaute das Kätzchen genauso schuldbewusst aus, wie Lena, als sie die Unordnung in ihrem Zimmer betrachtet hatte. „Es tut mir wirklich leid!“ antwortete das Kätzchen, „Normalerweise jage ich nicht. Ich habe auch noch keinen Vogel erwischt, weil ich einfach zu langsam bin. Ich habe nur so einen schrecklich großen Hunger!“. Lena sah die Katze an und überlegte einen Augenblick: „Komm mit zu den Vögelchen, wir wollen sehen, ob ihr euch nicht vertragen könnt. Aber du darfst sie nicht mehr jagen!“ Das Kätzchen versprach dies: „In Ordnung, ich jage sie nie wieder. Mein Name ist übrigens Minka!“ Also machten sich Lena und Minka gemeinsam auf den Weg zu den Vögelchen. Diese gerieten sehr in Aufregung, als sie die Katze kommen sahen, doch Lena beruhigte sie: „Habt keine Angst, Minka hat versprochen euch nie wieder zu jagen. Sie hat nur solchen Hunger!“ Nun schauten die Vögel mitleidig auf Minka herab. „Na wenn es weiter nichts ist!“, rief das Vögelchen Fiona fröhlich, „Wir haben ja soviel zu essen in unserem Baum, wir teilen gern mit dir!“. Vor Freude hüpfte Minka in die Luft und bedankte sich. „Oje!“, rief Lena da, „Ich muss wieder nach Hause! Sonst fragt sich Mutti noch, wo ich bin!“. Und nachdem sich alle noch einmal bei ihr bedankt hatten, schlugen die Vöglein mit ihren Flügeln und Lena wurde von dem Wind durch die Luft und gradewegs auf ihr Bett gewirbelt.
Oh nein, das Zimmeraufräumen hatte sie ja ganz vergessen. Was würde Mutti sagen, dass sie nicht aufgeräumt hatte? „Das schaffe ich doch niemals und dass ich in meinem Bild war, wird sie mir auch nicht glauben!“, seufzte Lena. Als die Vögel das hörten, flogen sie schnell aus dem Bild und halfen ihr beim Aufräumen. Und da sie jetzt so viele waren ging es sehr schnell. Grade, als das letzte Vögelchen im Bild verschwunden war, kam Mutti ins Zimmer. „Du bist ein braves Mädchen! Siehst du, aufräumen dauert gar nicht so lange! Nun komm essen, damit wir danach zur Oma fahren können. Na nu…“, wunderte sich Mutti nun, „seit wann ist denn auf deinem hübschen Bild ein Kätzchen zu sehen? Das habe ich ja vorher nie bemerkt!“. Und Lena und Minka zwinkerten sich zu, als die Mutter sich kopfschüttelnd zur Tür drehte.
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