Letzte Fahrt
von
isis89
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Letzte Fahrt
Richard Borkow war ein in seinem sozialen Umfeld angesehener Bankangestellter. Er führte ein ziemlich kalkuliertes Leben, hatte mit seinen 29 Jahren noch keine eigene Familie und er hasste Unpünktlichkeit.
Richard war ein Genussmensch, liebte schnelle Autos, guten Wein und schöne Frauen. Die Welt hatte er nicht zuletzt wegen seines Jobs des Öfteren bereist. Für ihn war sein Leben beinahe vollkommen, doch schließlich konnte man ja nicht alles haben, dachte er sich immer.
Doch er sollte lernen, dass man nicht nur nicht alles im Leben haben konnte, sondern auch, dass er sein Schicksal nicht so in der Hand hatte, wie er sonst immer zu denken pflegte.
Richard hatte nicht nur wenig Phantasie, für ihn gab es vielmehr nichts anderes als seine gewohnte tägliche Routine. Sein Tagesablauf verlief präziser als ein Uhrwerk. Jede einzelne Minute war verplant in seinem Terminkalender.
Wie auch an einem dieser routinierten Tage, jedoch sollte heute sein Terminplaner keine Rolle mehr spielen.
Am frühen Morgen stieg Richard wie immer in seinen Wagen um die rund 30 Kilometer überwiegend bewaldeter Strecke zur Arbeit zurückzulegen. Der dichte Nebel durchzog schon die kleine Siedlung in der er lebte, doch die Straße schien beinahe aus purem Nebel zu bestehen. Richard sah folglich nicht allzu viel von dem, was vor ihm war, was ihn jedoch nicht weiter störte. Er kannte ja die Straße so gut wie die aktuellen Börsenkurse, und viel mehr als ein verstörtes Reh oder ein Fuchs würden ja auch nicht über die Straße laufen.
Gerade in diesen Gedanken versunken konnte Richard im allerletzten Bruchteil einer Sekunde dem vom Nebel verschleierten Etwas ausweichen, aber nicht ohne es zu streifen. Der Wagen kam ins Schleudern und knallte unsanft gegen einen Baum. Wenn er auch nicht sonderlich schnell gefahren ist, so war der Zusammenstoß für Richard schmerzhafter verlaufen als er hätte sein sollen. Weil er wieder ein Mal nicht angeschnallt gewesen war, ist er mit dem Kopf gegen das Lenkrad geprallt. Blut floss ihm aus der Nase und sein Gesicht fühlte sich taub an.
Fluchend stieg er aus dem Auto um den Verbandskasten zu holen und nachzusehen ob das Tier noch in der Nähe war. Was für ein Tier war es denn eigentlich überhaupt? Richard hatte nur eine Kontur gesehen. Doch jetzt wo er darüber nachdachte, konnte er diese keinem der ihm bekannten Arten zuordnen. Es war auf keinen fall ein Reh oder Hirsch, dafür war es zu groß, für einen Fuchs oder ein Wildschwein aber auch zu klein. Mit einem leichten Schauer stellte Richard fest, dass die Statur vielmehr zu einem Menschen passte, wenn auch zugegeben zu einem sehr buckeligen. Verdammter Mist, dachte sich Richard. Welcher Irre läuft zu so früher Stunde im halb Dunkeln auf der Straße herum? Aber vielleicht war der Typ ja verletzt und brauchte Hilfe? Immerhin hatte es ihn auch scheinbar erwischt.
Richard war zwar nicht der mutigste und besaß nicht sehr viel Courage, aber er wollte auch später kein schlechtes Gewissen haben, wenn er in der Zeitung lesen würde, dass ein Toter oder schwer verletzter Mann unweit dieser Straße gefunden wurde.
Also machte sich Richard, nachdem er die Blutung einiger Maßen im Griff hatte, auf den Weg in die Richtung in die der Mann gelaufen ist, hinein in den Wald, der von bedrückender Dunkelheit und schwerem Nebel erfüllt war. Sein sehr mulmiges Gefühl versuchte er dabei zu unterdrücken.
Obwohl Richard schon seit etlichen Jahren in dieser Gegend wohnte, hatte er bisher noch nie den Drang verspürt sich die Wälder genauer anzusehen. So hatte er bisher noch nie auch nur ein Stück der großflächigen Wälder betreten, denn seine Welt bestand aus Beton, Computern und viel Papier.
Wenigstens hatte er eine Taschenlampe dabei, dachte er sich. Ihr Nutzen jedoch beschränkte sich darauf ihm lediglich ein Gefühl der Sicherheit zu geben, denn gegen den viel zu dichten Nebel konnte ihr Lichtstrahl nicht ankommen. Wohin er überhaupt stolperte, wusste Richard nicht wirklich so genau, aber er hatte auch nicht vor den ganzen Wald nach diesem Verrückten zu durchkämmen. Weshalb hat Richard sich überhaupt auf die Suche nach ihm gemacht? Wer weiß, wer sich hier alles herumtreibt. Aber Richard konnte aus einem unerklärlichen Grund nicht so schnell zurück auf die Straße. Selber verstand er es nicht und gab dem Schlafmangel der letzten Zeit die Schuld für sein seltsames Verhalten.
Nach etlichen Minuten Fußmarsch und lautem Rufens nach dem Buckelmann wollte Richard sein Bemühen aufgeben und doch endlich weiterfahren. Er machte also Kehrt und ging genau in die selbe Richtung strickt geradeaus, aus welcher er sich sicher war gekommen zu sein. Die Straße war ja auch nicht sehr weit weg, dachte er. Doch je länger er vermeintlich zurückging, desto mehr überkam ihn das Gewissen, dass er sich auf diesem kurzen Stück verlaufen hatte. Nach knapp über einer viertel Stunde Umherirren also, wusste er es nun endgültig. Die Wut über den Buckelmann packte ihn, denn seien Nase schmerzte immer noch und er würde viel zu spät zur Arbeit kommen.
Richard fing wieder an nach dem Mann zu rufen, dieses Mal jedoch nicht aus Hilfsbereitschaft, sondern vielmehr weil er diesem deformierten Etwas gründlich die Meinung sagen wollte.
Aber es war zwecklos. Nur das gelegentliche Knarren von Holz und die Krähen waren zu hören. Richard versuchte nachzudenken, was er als nächstes am besten tun sollte.
Und in diesem Moment spürte er einen dumpfen Schlag auf seinem Hinterkopf. Ihm wurde dunkel vor Augen und er nahm noch gerade so Notiz davon, wie er auf das feuchte Laub aufschlug.
Als Richard schwermütig die Augen öffnete, fühlte er sich sehr benommen. Sein gesamtes Gesicht schmerzte entsetzlich. Er konnte sich für einen Moment an nichts erinnern, doch schon bald kam die Erinnerung, und mit ihr auch die Angst, denn nach kurzer Dauer wusste Richard wieder, was mit ihm passiert gewesen ist. Aber er wusste nicht im geringsten wo er war, das fahle Licht drang kaum durch seine Augen. Doch was ihn noch panischer machte war, dass sein Gesicht noch stärker zu schmerzen schien, als nach dem Unfall.
Richard fing an leicht zu zittern und er konnte auch nicht die Tränen die ihm über seine verschmutzten Wangen rannen unterdrücken.
Welcher Psychopath macht denn so etwas? Verdammt! Irgend jemand musste ihm doch zur Hilfe kommen. Richard lernte zum ersten Mal in seinem Leben das Gefühl der Verzweiflung richtig kennen, die absolute Machtlosigkeit die er nie zuvor gekannt hatte. Er war gefesselt und halb blind, doch der größte Schock sollte noch kommen; Als Richard nämlich um Hilfe schreien wollte, wenn er auch genau wusste wie dumm das war, stellte er fest, dass er seinen Mund nicht richtig öffnen konnte. Er dachte zuerst, dass er irgendwie vom Schock gelähmt ist, doch so war es nicht. Erst jetzt merkte Richard mit blankem Entsetzen, dass sein Mund mit mehreren Stichen zugenäht worden ist!
Durch diese Tatsache wollte er nochmals schreien, aber dieses Mal tat es ihm
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Kommentare
Veronica Wallner schrieb am 2009-11-07 09:06:53:
wow echt cool...der anfang hat mich ganz leicht an eine simpsons halloween Geschichte erinnert...aber es war echt cool...weiter so
Lg Veronica
Frau Sonnenschein (Marika) schrieb am 2008-10-30 10:29:54:
WOW.. das hast Du sehr gut geschrieben... gefällt mir. LG
isis89 schrieb am 2008-10-29 17:09:12:
danke, freut mich zu hören.... leider habe ich immer sehr wenig Zeit mir was Neues auszudenken, aber ich gebe mein Bestes :-)
Moni schrieb am 2008-10-27 15:36:05:
Sehr gut, echt spannend.......so sollte ein guter Thriller sein, ich will mehr davon!!!
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