Licht und Finsternis
von
Jeiy
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Prolog
Sie nannten mich Todesengel, Dämon der Finsternis und später sogar Nachfolger Lucifers. Titel, die Angst und Schrecken verbreiteten…und sie waren alle wahr. Das alles war wirklich ich. Das alles war meine Geschichte, Fluch und Segen zugleich. Blut kennzeichnete meinen Weg, Hass kennzeichnete mein Herz und Finsternis meine Seele. Meine Gefühle waren vereist, versteinert und ausgelöscht. Es gab nichts, was mir wirklich etwas bedeutete…nichts, bis auf eines…doch diesen Teil meiner Geschichte kennt so gut wie niemand, er passt einfach nicht ins Bild. Wer hätte schon gedacht, dass selbst in einer Seele, die nur aus Finsternis zu bestehen scheint, ein Licht scheint? Wer hätte ahnen können, dass ein Dämon wie ich dazu fähig sein könnte zu fühlen?
Die Antwort lautet: Niemand.
Nicht einmal ich selbst wusste davon. Nicht einmal ich selbst hielt es für möglich auch nur irgendein positives Gefühl spüren zu können. Es schien absurd, völlig abwegig. Ich, der wohl grausamste Dämon meiner Zeit sollte Gefühle wie Gnade, Demut, Freude und sogar Liebe kennen? Ich hielt es für unmöglich.
Dabei war es auf der anderen Seite doch so logisch…
Dort, wo Schatten sind, ist auch Licht. So heißt es doch immer…und es ist wahr.
Ich selbst war ein Schatten…jahrelang…und jahrelang tat ich nichts anderes als zu töten und zu zerstören.
Doch was ist die Nacht ohne den Tag? Was sind die Schatten ohne ein Licht? Was bringt es zu leben, wenn das Herz nicht wirklich schlägt und wie kann man einfach nur alles und jeden hassen, ohne jemals das Gefühl der wahren Liebe erlebt zu haben?
Über Fragen wie diese habe ich damals nie wirklich nachgedacht…bis das Licht selbst eines Tages in mein Leben trat. Es veränderte sich alles, als ich ihr begegnete.
Dies ist meine Geschichte…meine ganze Geschichte. Eine Geschichte, die nicht nur aus Finsternis besteht, sondern auch aus Licht. Es ist die Geschichte eines Dämons, der lernte zu fühlen, zu vergeben und zu lieben. Denn ich war nicht nur der Todesengel, den alle in mir sahen…nein, auch in mir schlug ein Herz, das sich nach Wärme sehnte…und nach Liebe…
Kapitel 1
Es war spät am Nachmittag, als Tihrak die Hafenstadt Dilez verlies. Die Temperaturen waren im Laufe des Tages so stark angestiegen, dass ihm die Kleidung nun regelrecht am Körper klebte. Er hatte den Frühling und den darauf folgenden Sommer noch nie gemocht, wie es fast alle Dämonen taten und Tage wie diese verstärkten seine Meinung nur.
„Verdammte Hitze…“, flüsterte er.
Tihraks Blick schweifte über die Umgebung von Dilez. Im Westen konnte er lediglich weite, grüne Felder erkennen, aus denen gelegentlich einzelne Bäume oder Sträucher heraus stachen und irgendwo in der Ferne waren Umrisse von Bergen auszumachen. Rechts von ihm, im Osten, erstreckte sich das Meer, dessen flache, blaue Oberfläche sich am Horizont mit dem Himmel zu vereinen schien. Nur anhand der feinen, dunkelblauen Linie konnte man erkennen, dass Ozean und Firmament in Wirklichkeit noch immer zu weit voneinander entfernt waren, um sich tatsächlich berühren zu können.
An der Küste, an dessen Rand auch die Stadt errichtet war, standen mehrere Fischerhütten und ein paar Boote lagen an dem kleinen Hafen. Tihrak konnte es zwar nicht genau erkennen, doch sehr wahrscheinlich hielt sich dort grade keine einzige Person auf. Er war nur zwei Tage lang in Dilez gewesen und hatte schon begriffen, dass sich das Leben der meisten Bewohner hauptsächlich in den Kneipen der Kleinstadt abspielte.
Er seufzte. Eigentlich hatte er sich mehr von dieser Stadt versprochen, doch er hätte ahnen können, dass ihm in einer Stadt, in der ausnahmslos nur Menschen lebten, niemand etwas Brauchbares würde erzählen können. Es hatte ihn ja noch nicht einmal irgendwer erkannt! Die Menschen hatten sein dämonisches Blut einfach nicht bemerkt und daher auch keine Bedrohung in ihm gesehen…dabei hatte Tihrak sie nur am Leben gelassen, weil seine Kräfte von vorherigen Kämpfen und der drückenden Hitze zu angeschlagen gewesen waren. Auch, wenn es normalerweise nicht seine Art war irgendwen, den er nicht mehr brauchte, am Leben zu lassen, hatte er sich dieses Mal dafür entschieden eine Ausnahme zu machen. Es hätte ihm nichts gebracht diese Stadt dem Erdboden gleich zu machen. Das hätte möglicherweise nur weitere Dämonen angelockt und darauf hatte er wirklich verzichten können.
Tihrak hob leicht den Kopf. Er steuerte einen Hügel an, hinter dem sich ein großer Wald erstreckte.
Ihm wurde bewusst, dass er eigentlich schon vor mindestens einer Stunde dort sein sollte, doch die Zeit hatte ihm noch nie viel bedeutet und obwohl er wusste, dass dort oben jemand auf ihn wartete, machte er keine sonderlichen Anstalten sich zu beeilen.
Arent wird schon warten können, dachte Tihrak.
Genau das tat der Feuerdämon wahrscheinlich grade auch: Warten.
Ihm blieb ja auch nichts anderes übrig und Tihrak wusste zudem sehr genau, dass Arent es nie wagen würde ihn deshalb wirklich zu kritisieren, geschweige denn zu provozieren. Denn auch, wenn die beiden zurzeit so etwas wie ’Partner’ waren, waren Tihraks Handlungen völlig unberechenbar und vor allem eines: Gefährlich – für Menschen, wie auch für Dämonen.
Er und Arent verfolgten zurzeit zwar dasselbe Ziel, doch Tihrak war von Anfang an klar gewesen, dass er nicht leichtsinnig werden durfte. Einem anderen Dämon vollständig zu vertrauen war meistens ein schwerer Fehler und es konnte leicht passieren, dass man in eine Falle tappte und ausgetrickst wurde. Aus diesem Grunde hatte er schon früh gelernt niemandem blind zu vertrauen. Eine Einsicht, die manchen Dämonen erst viel später und teilweise auch viel zu spät kam.
Umso verwunderlicher war es, dass Tihrak das Leben der Dämonen schon jetzt so gut zu verstehen schien, denn er war keineswegs alt – weder für Dämonen, die mehrere hundert Jahre alt werden konnten, noch für die relativ kurzlebigen Menschen.
Er hatte vielmehr ein recht jugendliches Aussehen, von höchstens zwanzig Jahren, einen aufrechten Gang, der es ihm erlaubte auf die meisten Wesen herab zu schauen und einen eiskalten Blick, den selbst die eigentlich warme, dunkelrote Farbe seiner Augen nicht aufzuwärmen vermochte.
Genau wie seine gesamte Kleidung waren auch seine etwa schulterlangen Haare nachtschwarz, wobei der lange Mantel, den er selbst bei einem Wetter wie diesem nicht ablegen wollte, sehr mitgenommen aussah und an einigen Stellen schon fast völlig zerfetzt war. Dennoch war genau dieser Mantel für so etwas wie eine Erinnerung, die weit in der Vergangenheit lag und die zum Teil schmerzlich, zum Teil aber auch heilsam war…
Mittlerweile hatte Tihrak den kleinen Hügel erreicht, von dem aus man einen guten Blick auf Dilez hatte. Die Stadt war wirklich nicht grade groß und viele der Gebäude hatten schon fast etwas Ruinenhaftes an sich. Es war einfach eine typische Stadt der Menschen und damit etwas, für das Tihrak noch nie viel übrig gehabt hatte.
Er verabscheute die Menschen, wie es so ziemlich jeder Dämon
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Kommentare
Jeiy schrieb am 2008-02-05 18:55:59:
@Sahra:
Viele, vielen Dank ^^ Hab diese geschichte auch mittlerweile schon bis zum 10. kapitel weiter geschrieben (5 sind hier auch davon reingestellt).
Mal, sehn, vielleicht wird ja irgendwann wirklich mal ein Buch daraus.
Mfg
Jeiy
Sarah schrieb am 2008-02-03 20:42:35:
Die Geschichte ist voll schön geschrieben...
Der Prolog ist hamma... wer das hier ein Buch .. ich würd es mir kaufen :) ;)
Jeiy schrieb am 2007-07-29 10:43:37:
@Tiliqua:
Es freut mich wirklich, dass dir meine geschichte so gefällt! Ich werde sie - neben meiner anderen Hauptgeschichte Foe's Guardian - auch ganz bestimmt weiter schreiben, auch, wenn ich gestehen muss, das ich im moment nur sehr langsam vorankomme ^^ ich werde dennoch mein bestes geben und so bald wie möglich das zweite Kapitel hier reinstellen!
mfg Jeiy
Tiliqua schrieb am 2007-07-19 12:45:37:
Ich finde die geschichte total tol. Als ich die gelesen hab konnte ich nicht mehr aufhören. Ich finde die genial!!! ^^
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