Licht und Finsternis Kap. 4
von
Jeiy
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mal umdrehen…“
Der Klang der kalten und hallenden Stimme Lucifers direkt hinter ihm ließ Tihrak zusammenzucken und er drehte sich ruckartig um.
Zuerst dachte er, er würde in eine schwarze Nebelwand blicken, die jegliches Licht in ihrer Nähe auszulöschen schien, aber er irrte sich…
Tihraks Augen brauchten einen Moment um in der plötzlichen Dunkelheit vor ihm wieder etwas erkennen zu können, doch dann sah er deutlich die Konturen eines lebenden Wesens – sofern man Lucifer überhaupt als wirklich ’lebend’ bezeichnen konnte.
Ganz oberflächlich betrachtet hatte Lucifer Ähnlichkeit mit einem normalen Dämon und auch seine Aura wies etwas Dämonisches auf. Doch da war noch mehr…viel mehr.
Es war etwas, das Tihrak weder kannte noch wirklich beschreiben konnte. Es war Macht, übernatürliche Macht!
Lucifer trug etwas, das einem schwarzen Mantel glich, der mit zahlreichen dunkelroten Linien und Mustern verziert war – nicht unähnlichen denen, die auch die schwarze Tür zierten. Doch etwas an diesem Mantel war seltsam. Er schien keine wirklichen Konturen zu besitzen. Vielmehr verschmolz er mit seiner Umgebung und der Dunkelheit, die sich stets bei Lucifer zu sammeln schien und rief so die seltsame Wirkung hervor, er würde brennen. Es war als wäre Lucifer stetig von einer schwarzen Flamme umgeben, die weder Licht noch Wärme ausstrahlte.
Doch der Mantel war bei Weitem nicht das Merkwürdigste an dem Herrscher der Hölle. Genau wie Daira besaß auch er Flügel. Diese Flügel jedoch übertrafen alles, was Tihrak je zuvor an Schwingen gesehen hatte. Obwohl Lucifer sie flach angelegt hatte, waren sie geradezu gigantisch groß und glichen vom Aufbau her den Flügeln der alten Drachen, die schon seit Jahrhunderten niemand mehr lebend zu Gesicht bekommen hatte. Ihre Spannweite konnte man noch nicht einmal schätzen, doch in diesen Raum würden sie mit Sicherheit nicht komplett reinpassen. Aber auch die Flügel waren nicht das, was Tihrak erschauern ließ.
Nein…das, was wirklich die gesamte Aufmerksamkeit auf sich lenkte waren Lucifers Augen!
Ihre Farbe war weder rot noch schwarz. Es war irgendetwas dazwischen, eine Farbe, die dunkel und eiskalt war, trotz des rötlichen Tones. Die Pupillen hatten eine katzenähnliche Form und waren übernatürlich scharf und auf eine seltsame Art und Weise schienen sie noch dunkler als die Dunkelheit zu sein, noch schwärzer als Schwarz.
Und obwohl Tihrak selbst dafür bekannt war einen stechenden Blick zu besitzen, konnte er dem Herrscher der Hölle nicht länger als ein paar Sekunden in die Augen sehen. Es war, als würde man ihm mit einem Dolch aus Eis direkt in die Seele stechen, als würde Lucifer mit seinem Blick bis auf den Grund seiner Existenz sehen können. Oder mit andern Worten gesagt: Es war einfach unheimlich.
Etwas, das einem kalten Lächeln glich, schlich sich auf Lucifers Gesicht.
„Hm…ja, so reagieren viele, wenn sie mich zum ersten Mal sehen. Beeindruckt, eingeschüchtert, ehrfürchtig…selbst bei dir kann ich diese Reaktionen sehen, Dämon der Finsternis.“
Tihrak antwortete nicht. Was sollte er schon sagen? Der Herrscher der Unterwelt hatte nun mal schlicht und ergreifend Recht!
„Gut, du hast meinen kleinen Test also bestanden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du alle drei Schattenläufer mit Leichtigkeit hättest auslöschen können, das hatte ich auch erwartet. Viel faszinierender ist es aber, dass du gleichzeitig gegen diesen Fluch angekämpft hast, gegen den sicherlich nicht jeder so lange stand halten könnte…der Fluch der Finsternis gilt immerhin als einer der mächtigsten Flüche überhaupt.“
Überrascht blickte Tihrak auf. Lucifer wusste von dem Fluch? Aber wie war das möglich? Man konnte die schwarzen Linien auf seinem rechten Arm doch noch immer nicht sehen!
„Ah! Halte mich bitte nicht für so stümperhaft, Tihrak!“, sagte Lucifer daraufhin und Tihrak schalt sich dafür schon wieder vergessen zu haben, dass der Herr der Hölle auch Gedanken lesen konnte.
„Ich weiß so einiges über dich…über dich und auch über die gesamte Welt! Mir bleibt nichts verborgen…“, sagte Lucifer.
Er drehte sich von Tihrak weg und ging dann auf den thronähnlichen Stuhl am Ende des Raumes zu, wobei das Wort ’gehen’ nicht ganz zutreffend war. Er schwebte vielmehr, den Boden schien er gar nicht wirklich zu berühren.
Nachdem er Platz genommen und seine gigantischen Schwingen etwas aufgefächert hatte winkte er auch Tihrak zu sich, der dieser Aufforderung allerdings nur zögernd Folge leistete. Das Schwert der Finsternis war inzwischen wieder verschwunden – obwohl Tihrak noch immer dessen Verlangen nach Blut spüren konnte – und auch der Fluch ließ allmählich wieder nach, lockerte seinen kalten, festen Griff und ließ Tihrak mit der Gewissheit zurück, dass der nächste Kampf noch anstrengender werden würde…
„Also gut“, begann Lucifer dann wieder, „Du suchst nach der Kristallblume, um deinen Fluch zu heilen, richtig?“
Tihrak nickte. Natürlich…darüber wusste er sicher auch alles…
„Ja…“
„Dabei weißt du weder, was die Kristallblume eigentlich ist, noch wo sie zu finden ist und ob sie dir überhaupt helfen könnte, oder? Eine ziemlich vage Suche, findest du nicht?“
„Ich…mir bleibt keine andere Wahl. Es gibt keinen anderen Weg diesen Fluch zu heilen.“, erklärte Tihrak. Aber er fragte sich, was das alles eigentlich sollte? Lucifer wusste das doch mit Sicherheit schon längst!
„Doch, es gibt einen anderen Weg…einen, der viel einfacher und sicherer ist.“, sagte Lucifer daraufhin und Tihrak konnte nicht verhindern ihn mehr als fragend anzusehen.
„Ich verstehe nicht ganz…was für ein Weg soll das sein?“, fragte er daher.
Er konnte sich nicht vorstellen was genauso mächtig wie die Kristallblume sein sollte, und noch dazu einfacher und sicherer? Was sollte das sein?
„Ja, das ist typisch für euch irdische Dämonen…dabei steht die Lösung doch direkt vor dir.“, sagte Lucifer und wieder schlich sich dieses kalte, schlicht und ergreifend böse Lächeln auf sein Gesicht.
„Ich, Tihrak, ich könnte diesen Fluch einfach von dir nehmen! Ich könnte dich heilen, ohne, dass du irgendwen anderes aufsuchen und um Hilfe anflehen müsstest. Es wäre für mich ein Leichtes und genau genommen ist das auch der Grund, weshalb ich dich überhaupt zu mir gerufen habe…“
Tihrak fehlten die Worte. Lucifer, der Herrscher der Hölle, wollte ihm helfen? Er mischte sich in das irdische Leben ein, nur um seinen Fluch zu heilen? War das möglich?
„Haha, nein…oh nein, so einfach ist das auch wieder nicht, Tihrak. Ich kann und werde dir bei deinem Fluch – Problem helfen, das stimmt schon, aber…nicht einfach so. Ich verlange eine kleine Gegenleistung dafür…nichts wirklich Schwieriges, das kann ich dir versichern, aber wenn du meine Hilfe annehmen solltest, wirst du das für mich erledigen müssen. Sieh es einfach als eine art Tauschgeschäft an: Du hilfst mir und ich helfe dir…fairer geht es nicht.“
Ein Tauschgeschäft? Nun wurde Tihrak wieder etwas misstrauischer. Das konnte vieles bedeuten…
„Was ist das für eine…Gegenleistung?“, fragte er
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