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Kategorien > Fantasy > Fremde Helden

Lichtbringer

von Jeiy

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Es heißt, wenn man verzweifelt ist tut man manchmal etwas, bei dem man sich eigentlich von vornherein sicher sein kann, dass es nicht funktioniert wird. Im Grunde genommen weiß man sogar, dass jeder Versuch sinnlos ist. Und dennoch…So schlau die Menschen auch sein mögen, manchmal tun sie einfach Dinge, die entgegen jeglicher Vernunft stehen. Sie handeln nach ihrem Herzen, ihrem Gefühl und missachten dabei alle Warnungen.
Den Menschen wurde einfach zu viel Verstand und Gefühl auf einmal gegeben, sie sind überladen und damit gefährlicher und unberechenbarer als es je ein Tier sein könnte.
Shiru wusste nicht, warum ihm nun grade dieser Satz in den Sinn kam. Es war schon so lange her, dass er ihn gehört hatte. Er konnte sich noch nicht einmal mehr an die Person erinnern, die diese Worte gesprochen hatte…oder war er es vielleicht sogar selber gewesen?
Die Menschen sind unberechenbarer als die Tiere…
War das denn wirklich so? Immerhin hatte er selbst ja auch etwas völlig Unvorhersehbares getan: Er war hierher gekommen. An den Ort, wo ihn absolut niemand erwartet hätte. Und er war immerhin kein Mensch…zumindest nicht in ihren Augen.
Waren es also wirklich die Menschen, die so unberechenbar waren? Oder war es vielleicht schlicht und ergreifend einfach nur ihr Gefühl der maßlosen Überlegenheit, welches sie dieses denken ließ?
Shiru versuchte die Augen zu öffnen, doch es war zwecklos. Er konnte sich nicht bewegen, noch nicht einmal richtig atmen. Wieder so ein verzweifelter Versuch…
Dabei wusste er doch ganz genau, dass er gefangen war. Gefangen in einem riesigen Eisblock, der entgegen seiner Natur keinerlei Kälte ausstrahlte und durch reine Magie entstanden war. Er war unfähig auch nur einen Finger zu bewegen und dazu verdammt abzuwarten.
Drei Wochen waren inzwischen schon verstrichen, in denen er nichts außer seine eigenen Gedanken gehabt hatte. Drei Wochen…das bedeutete, es könnte jeden Augenblick soweit sein.
Gahea, der Magier, der ihn zuvor auch in diese Eiswand gebannt hatte musste jeden Moment wieder kommen. Er würde kommen und ihn wieder befreien, ja, doch Shiru war sich nicht sicher, ob er sich darüber wirklich freuen konnte.
Denn seine Befreiung würde zwangsläufig wohl noch etwas viel Schlimmeres nach sich ziehen, dessen war er sich sicher.
Warum war er auch nur hierher gekommen?! Er hätte wissen müssen, dass ihm der Clan der Raykaja keinen Glauben schenken würde, egal was er sagte. In ihren Augen war er es, der die Boshaftigkeit dieser Welt verkörperte. Sie alle dachten, dass er das Unheil wäre, welches in naher Zukunft alles Leben auslöschen würde. Sie hielten ihn für die Verkörperung der Finsternis, für den Feind der Menschheit…und für berechenbar.
Wie falsch sie damit doch lagen…
Ein Geräusch ließ Shiru jedoch plötzlich aufhorchen. Es war gedämpft und nur kaum zu vernehmen, doch es war hundertprozentig da. Mit aller Macht versuchte er sich auf dieses Geräusch zu konzentrieren, doch das Eis um ihn herum wirkte wie eine undurchlässige Steinwand. Er konnte nicht einordnen, was er hörte.
Waren es Schritte, Stimmen oder vielleicht noch etwas anderes? Er wusste es nicht und die Unruhe in ihm wuchs mit jeder Sekunde.
Das Geräusch wurde lauter und mit einem Male bemerkte Shiru, dass sich das Eis um ihn herum veränderte. Es verlor an Stärke und Widerstandsfähigkeit. Es wurde wärmer und flüssiger. Es schmolz…und das mit einer übernatürlichen Geschwindigkeit!
Es vergingen keine zehn Minuten, da konnte er schon wieder seine Arme und Beine um ein paar Zentimeter bewegen und es war ein seltsames Gefühl, als er wenig später wieder festen Boden unter sich spüren konnte. Doch bei alledem schien sein Körper noch nicht wirklich mitspielen zu wollen. Seine Beine gaben fast augenblicklich wieder nach und er knickte ein. Sicherlich wäre er vorne über gefallen, wenn ihn nicht jemand aufgefangen hätte. Er spürte, wie er links und rechts an den Armen festgehalten wurde und man musste kein Experte sein, um festzustellen, dass dieser Griff – der vermutlich nicht nur von einer Person stammte - nicht grade freundschaftlich gemeint war.
Bis zu diesem Punkt hatte Shiru seine Augen noch geschlossen gehalten, doch nun wollte er endlich wieder sehen können, was um ihn herum geschah. Er blinzelte und versuchte irgendetwas zu erkennen, aber seine komplette Umgebung schien plötzlich nur noch aus reinem Licht zu bestehen. Er sah noch nicht einmal Konturen oder Umrisse, nur dieses gleißende Licht, welches in seinen Augen brannte, wie ein glühendes Stück Kohle.
„Ich weiß, dass du nichts sehen kannst.“, erklang plötzlich eine raue, von den Jahren geprägte Stimme, nur wenige Meter von Shiru entfernt, „ Das ist der Nebeneffekt meiner Eisbannung. Eine Wirkung, die allerdings nur allzu kurz anhält, wie ich zu meinem Bedauern schon oft feststellen musste. Deine Sehkraft wird wiederkommen, das ist sicher, die Frage ist nur, ob du selbst dann noch am Leben sein wirst.“
Shiru hob den Kopf. Diese Stimme…das konnte nur er sein.
„Gahea. Hat man dir also jetzt befohlen mich endgültig aus dem Weg zu räumen?“, fragte er, wobei er raten musste, in welcher Richtung sich der Magier befand.
„Befohlen? Hah! Mir wird schon seit Jahren nichts mehr befohlen! Mein Wort zählt mittlerweile schon fast genauso viel wie jenes von Lord Khanatar. Und was dich betrifft sind wir schon seit jeher derselben Meinung, ein Befehl wäre demnach vollkommen überflüssig. Nein, der Grund weshalb ich jetzt erst wiederkomme ist, dass unser Anführer höchstpersönlich für deinen Tod verantwortlich sein will. Er will derjenige sein, der die letzte Ausgeburt der Dunkelheit vernichtet, doch da er erst vor wenigen Tagen zurückgekehrt ist, mussten wir dich bis dahin leider noch auf Eis legen.“, antwortete er.
Shiru biss daraufhin die Zähne aufeinander. Es war einfach unglaublich. Weshalb waren sie nur alle so blind?! Sie hatten nichts verstanden, rein gar nichts!
„Anscheinend besitzt der komplette Clan der Raykaja keinen einzigen Funken Verstand! Weder ihr Anführer, noch ihr angeblich so großer Magier!“, sagte Shiru und gab sich dabei keine Mühe seine Wut zu unterdrücken.
Wie konnte sich die gesamte Menschheit nur selbst so sehr missverstehen?
„Du solltest vorsichtiger sein mit dem was du sagst. Du bist nämlich nicht grade in der Position, um Sprüche wie diesen von dir zu lassen, merk dir das!“, sagte Gahea, wobei seine Stimme eindeutig gereizter klang als zuvor.
Shiru antwortete nicht und nach einer kurzen Pause schien der Magier dann das Wort an die Personen zu richten, die Shiru noch immer festhielten.
„Nehmt ihn mit! Aber lasst ihn ja keine Sekunde lang aus den Augen. Ihr wisst ja: Auch ein blinder Wolf kann noch zubeißen…“
Shiru spürte, wie er hochgezogen wurde. Es waren also tatsächlich zwei Menschen gewesen, die ihn aufgefangen hatten. Einer von ihnen schubste ihn nun nach vorne, was für Shirus Beine eine erneute Herausforderung darstellte. Doch sie schienen sich allmählich wieder an ihre eigentliche Funktion erinnert

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Kommentare

Jeiy schrieb am 2008-02-05 19:01:52:
@Sarah
Danke^^ Werd mich darum bemühen auch in Zukunft gute Formulierungen zu benutzen, was wirklich alles andere als einfach ist...
Es freut mich auf jeden fall, dass dir der Beginn dieser Geschichte gefällt!
Mfg
Jeiy
Sarah schrieb am 2008-02-03 20:48:30:
Es heißt, wenn man verzweifelt ist tut man manchmal etwas, bei dem man sich eigentlich von vornherein sicher sein kann, dass es nicht funktioniert wird. Im Grunde genommen weiß man sogar, dass jeder Versuch sinnlos ist. Und dennoch…So schlau die Menschen auch sein mögen, manchmal tun sie einfach Dinge, die entgegen jeglicher Vernunft stehen. Sie handeln nach ihrem Herzen, ihrem Gefühl und missachten dabei alle Warnungen.

Der Teil ist echt genial voll schön... ich bekomme ne Gänsehaut !!!!!!!
Jeiy schrieb am 2007-12-26 18:00:45:
Wieder einmal vielen dank, dass du dir die Zeit genommen hast und meine Geschichte liest! Ich werd versuchen deine Tipss zu berücksichtigen. Vielen Dank auch dafür!
Ich werd den zweiten teil dieses Kapitels auch schon bald reinstellen.
Mfg Jeiy
Anariel schrieb am 2007-12-26 02:50:12:
Huhu Jeiy.

Uhh...sehr spannend.
Das einzige was mich ein ganz klein wenig stört, ist bei den Gesprächen, wenn du hinten dran hängst --fragte er...sagte er...antwortete er---. Ich hoffe du verstehst was ich meine. Bei den meisten reden geht es sowieso aus dem Verlauf hervor, wer was sagt. Kleiner Tipp von mir: Wenns gar nicht anders geht, bau doch dieses irgendwo in der Mitte ein. Oder du machst es, wie ich oft und beschreibst wie die Stimme klingt oder was derjenige, der spricht gerade macht. Beispiel: ---„Anscheinend besitzt der komplette Clan der Raykaja keinen einzigen Funken Verstand! Weder ihr Anführer, noch ihr angeblich so großer Magier!“ Shirus Worte klangen bitter und er machte sich nicht die Mühe seine Wut zu unterdrücken.........

Ansonsten finde ich gar nix zu meckern.
Bin schon auf die Fortsetzung gespannt.

Mit spätnächtlichen Grüßen
Anariel

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