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Kategorien > Fantasy > Fremde Helden

Lichtbringer III

von Jeiy

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Als Shiru wieder zu sich kam, fiel ihm als erstes dieser unglaublich starke Geruch auf. Es roch vermodert, nass, nach Menschen und teilweise sogar nach Verwesung. Es war ein Geruch, der nur auf einen Ort zutreffen konnte.
Flackernd öffnete er die Augen und fand sich augenblicklich auf dunklen, kalten Steinen wieder, die vermutlich ebenso alt wie auch dreckig waren.
Shiru konnte die drei Steinwände und die vierte, lediglich aus Eisenstangen bestehende Wand klar und deutlich erkennen und das, obwohl die gesamte Umgebung nur von einer einzigen Kerze erhellt wurde, die sich zudem noch außerhalb der Zelle in gut zehn Metern Entfernung befand.
Besserer Geruchsinn und Nachtsicht…das waren wohl nur zwei der Eigenschaften, die sich gründlich verändert haben mussten.
Shiru hob den Kopf leicht an. Aus dem Augenwinkel heraus konnte er sich nun selber sehen – oder besser das, was er ganze zwei Jahre lang einmal gewesen war. Ein Wolf.
Das silberne, fast schon weiße Fell war an einigen Stellen von Dreck verklebt und die vier langen Beine lagen ausgestreckt auf einer Seite.
Shiru seufzte, was jedoch eher wie ein erschöpftes Knurren klang.
Wieder im Körper eines Wolfes gefangen zu sein war nicht das, was er sich erhofft hatte. All das war nur wegen diesem Amulett passiert…nur, weil er der Einzige war, der es benutzen konnte, befand er sich nun erneut in dieser Gestalt.
Der Lichtbringer reagierte nur auf die Inferi, ja, aber eben nur auf menschliche Inferi! Das hatten ihm die Magier von damals mehr als nur einmal verdeutlicht. Er musste ein Mensch sein um ihn benutzen zu können…er musste wieder einer werden.
Ja…
Shirus Wolfsohren zuckten. Er musste sich irgendwie wieder zurückverwandeln. Gahea war mit Sicherheit nicht der einzige Magier, der zu einem solchen Zauber imstande war. Es musste einfach irgendwo noch jemanden geben, der ihm helfen würde! Irgendeinen Magier musste es noch geben, der nicht auf der Seite der Raykaja stand.
Und genau diesen Magier musste er suchen und finden…und das so schnell wie möglich. Ihm blieb nicht mehr viel Zeit, das spürte er. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis diese Welt so sehr von Dunkelheit vergiftet sein würde, dass selbst der Lichtbringer ihr nicht mehr helfen könnte.
Er musste sich beeilen! Aber erst einmal musste er irgendwie aus diesem Verlies entkommen und zwar bevor Khanatar und Gahea bemerkten, das er wieder zu sich gekommen war!
Er versuchte aufzustehen, rief dabei jedoch lediglich brennende Schmerzen hervor, die scheinbar seinen gesamten Körper betrafen.
Wieder entfuhr seiner Kehle ein leises Knurren.
Dass die Schmerzen der Verwandlung noch immer so stark sein würden, hatte er nicht erwartet.
Vor vier Jahren hatte sich diese Magie immerhin auch nicht so schmerzvoll auf ihn ausgewirkt, bei Weitem nicht, weder die Verwandlung selbst noch die darauf folgenden Schmerzen.
Gaheas Magie schien anders zu sein als die der Inferi-Magier. Völlig anders. Gnadenloser…
Aber Schmerzen durften nicht der Grund sein, weshalb er versagte!
Noch einmal spannte er all seine Muskeln an, stemmte sich auf seine Vorderläufe und zog dann auch die beiden hinteren Beine nach. Ein Zittern durchlief seinen Körper und es war unverhältnismäßig schwer stehen zu bleiben, aber immerhin konnte er überhaupt stehen. Es war ein seltsames Gefühl die Welt plötzlich wieder aus dieser Sicht zu sehen. Vor Allem, da er vor zwei Jahren noch der festen Überzeugung gewesen war, das dies niemals wieder vorkommen würde.
Nun, aber wie es schien war das Schicksal schlicht und ergreifend nicht so berechenbar, wie es viele dachten.
Es war ungreifbar, für Menschen wie auch für die Tiere und er konnte nur hoffen, dass es dieses Mal auf seiner Seite stehen würde…
Shiru warf einen Blick in den dunklen Gang hinter den eisernen Stangen seiner Zelle, doch bis auf die tanzenden Flammen der einsamen Kerze konnte er keine Bewegung ausmachen. Dort war also niemand.
Außerdem verriet ihm seine Nase, dass sich auch in den anderen Zellen keine weiteren Gefangenen befanden. Der Geruch von Menschen war zwar vorhanden, aber er war alt, viel zu alt. Das bedeutete, er war alleine.
Zumindest noch…
Lange konnte dies bestimmt nicht mehr so bleiben, denn die Wachen dieses Verlieses würden ihn mit Sicherheit nicht allzu lange unbeaufsichtigt lassen.
Er musste schnellstmöglich einen Ausweg finden, denn er war sich todsicher, dass Khanatar ihn bewachen ließ. Er würde nicht mehr lange ungestört bleiben und wenn die Wachen erst einmal bemerkt hätten, dass er wieder zu sich gekommen war, würde sein Leben sehr schnell ein Ende finden, das war mehr als klar.
Khanatar brannte sicherlich schon darauf den letzten der Inferi endgültig von der Liste der Lebenden zu streichen…
Shiru schüttelte den Kopf und verwarf diesen Gedanken damit jedoch sofort wieder.
Vorsichtig trat er an das Gitter heran, wobei ihm das Koordinieren seiner vier langen Beine noch nicht ganz leicht fiel. An dieses Gefühl musste er sich scheinbar auch erst wieder allmählich gewöhnen.
Sofort stellte er fest, dass der Abstand der Gitterstäbe zu klein war, um sich hindurchzwängen zu können. Dieser Fluchtweg war ihm also auf jeden Fall verwehrt und auch an den Rändern und Kanten der massiven Steinwände befand sich keine Lücke, die groß genug für einen Wolf gewesen wäre.
Sich frei zu graben war auch unmöglich, da der Boden dieses Verlieses mindestens genauso hart war, wie die Felsen eines Gebirges und ein Fenster, durch das er hätte fliehen können, gab es nicht.
Saß er etwa wirklich in der Falle?
Shiru überkam plötzlich eine unglaublich große Nervosität. Er begann damit in der grade mal etwa zweimal zwei Meter großen Zelle umherzulaufen, ohne dabei jedoch ein ersichtliches Ziel zu haben.
Das Gefühl der Gefangenschaft machte ihn innerlich wilder und wilder und aus den langsamen, vorsichtigen Schritten wurde allmählich ein hektischer Trab, der keinerlei Rücksicht auf die immer noch vorhandenen Schmerzen nahm.
Shiru wusste zwar, dass diese Reaktion nur ein Instinkt der Wölfe war, doch er konnte sich selber trotzdem nicht länger unter Kontrolle halten. Alles in ihm schrie förmlich nach Freiheit und plötzlich entfloh seiner Kehle ein lautes, lang gezogenes Jaulen, dessen aufgebrachter und wütender Klang durch das ganze Verlies hallte. Zu spät bemerkte er, dass das wohl das Dümmste gewesen war, was er hätte tun können.
Es dauerte nicht lange, da waren auch schon Schritte zu hören, die schnell auf ihn zukamen.
Shiru wich bis zu der hinteren Wand seiner Zelle zurück.
Diese verdammten Instinkte! Er hatte sie auch schon vor vier Jahren nicht wirklich unter Kontrolle gehabt und jetzt, jetzt würden sie vermutlich sogar sein Todesurteil werden!
Befand sich das Schicksal denn wirklich immer nur auf der Seite der Raykaja?!
Shiru senkte seinen Kopf etwas und starrte in den dunklen Gang hinter den Eisenstangen, aus dem das Geräusch der hallenden Schritte kam.
Wenn das Khanatar, Gahea oder möglicherweise sogar beide waren, wäre eine Flucht

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Kommentare

Anariel schrieb am 2008-01-05 00:15:34:
-lach- Nun dieses Kompliment vom treuen Fan kann ich auch an dich senden. Was mich übrigens auch sehr freut.-grins-
Ich mag Deine Schreibe sehr, hast schon großes Talent und wenn ich da ein wenig helfen kann, dann mach ich das gerne. Bin ja selbst über jeden Tipp und jede Anregung und aufmerksam machen auf kleine Fehler bzw dieverse Verschreiber, auch sehr froh.

Hmm...ja aus der Sicht eines Wolfes oder generell der eines Tieres zu schreiben macht unheimlichen Spaß. Kenn ich selber.
Nun denn, wie gesagt, ich warte gespannt auf die Fortsetzung.

Mit liebem nächtlichem Gruß
Anariel
Jeiy schrieb am 2008-01-04 17:52:32:
Hi Anariel,
du bist ja mittlerweile schon ein richtig treuer Fan geworden ^^ das freut mich! Diese Geschichte werd ich auf jeden Fall weiterschreiben, allein schon, weil es mir gefällt aus der Sicht eines Wolfes zu schreiben. Ich hoffe, dass du auch weiterhin die Lust dazu findest weiter zu lesen. Deine Tipss sind immer willkommen!
Mfg
Jeiy
Anariel schrieb am 2008-01-04 14:34:52:
Uii, das wird ja richtig toll.
Und eine gute Idee deinen Helden aus seiner ersten Zwickmühle so einigermasen zu befreien. Schön spannend gehalten und ja ich bin schon sehr darauf gespannt, wies weitergeht.

Das einzige was ich zum Anmerken hätte ist, dass du eventuell Shirus Zerissenheit zwischen menschlichem Denken und Tierischen Instinkten ein wenig mehr hervorbringen könntest.
Ansonsten ein gelungener Teil Deiner Wolfsgeschichte.

Es grüßt
Anariel

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