Liebe mit Behinderung
von
Mary
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Ein Wort vorab:
Diese Geschichte liegt mir sehr am Herzen, weil sie ein Thema behandelt das in meinen Augen in der Gesellschaft immer noch ein Tabuthema ist:
Der Umgang mit Behinderte und Behindertenliebe.
Ich habe versucht diese Geschichte als "leichte Kost" zu schreiben, aber mit einem ernsten Hintergedanken.
So viel vorab, viel Spaß beim lesen! ^^
Liebe mit Behinderung
1. Teil
Ich rannte. Es war bereits halb 10 Uhr. Um 10 würde der Vortrag über die Romantische Malerei beginnen. Und die letzte U-Bahn würde gleich losfahren. Ohne mich, wenn ich Pech hatte. Und gleich am dritten Tag. Das durfte doch nicht wahr sein. Schwer atmend stürzte ich die Stufen hinab und bog um die Ecke. Die Bahn stand noch da. Gott sei Dank!, betete ich im Stillen und lief auf Bahn zu. Schnell stieg ich ein und wenige Sekunden später fuhren wir los. Es waren nicht viele Leute, gerade genug um alle Sitzplätze zu füllen. Ich durchquerte den Waggon und stieß schließlich auf einen noch freien Platz im Gang. Erfreut setzte ich mich und begann die vorbeiziehende Dunkelheit zu betrachten. Ich fand sie wunderschön und wünschte mir, dass es tatsächlich Dunkelheit wäre und keine Wände. Ich hatte das Bedürfnis sie zu berühren. Sie war faszinierend und geheimnisvoll. Wie die Kunst selbst. In jedem Gemälde steckten Geheimnisse. Die tiefsten Gedanken, Wünsche, Ängste und Hoffnungen. Und das machte sie so mitreißend, spannend und unermesslich schön. Deshalb hatte ich Kunstgeschichte gewählt. Ich wollte auch die Hintergründe der Bilder erfahren. Etwas über den Menschen erfahren, der so etwas erschaffen hatte.
Wohlig seufzend lehnte ich mich zurück.
Wir hielten. Noch fünf Stationen. Dann musste ich aussteigen. Ich hatte immer noch die Augen geschlossen, da hörte ich es quietschen. Etwas verwirrt öffnete ich sie wieder. Und erschrak leicht.
Neben mir hatte sich ein Rollstuhlfahrer platziert. Ein Unwohlsein machte sich in mir breit. Ich hoffte, dass er bald wieder ausstieg. Es gefiel mir nicht hier zu sitzen und wollte weg. Aber das wäre zu auffällig gewesen. Ich wollte nicht, dass der Mann sich dachte, dass ich jetzt wegen ihm ging. Also blieb ich sitzen und betrachtete gründlich auf den Boden. Ich sah mir das Pünktchenmuster genau an und versuchte herauszufinden, ob es irgendwie Kunst sein könnte.
Nein, nein das konnte ich nicht machen! Dem fiel das bestimmt auf das ich so krampfhaft auf den Boden glotzte! So starrte ich wieder mühevoll in die Dunkelheit.
Die Augen des Rollstuhlfahrers huschten in meine Richtung. Entsetzt versuchte ich darüber hinweg zusehen. Gott, war das peinlich! Er seufzte leise. Das hatte ich gehört. Ich hoffte, dass er mich wieder ignorieren würde. Er tat es. Ein innerer Jubelschrei entfuhr mir. Wir hielten wieder. Steig aus!, hoffte ich. Steig BITTE aus! Er tat es nicht. Eine ältere Frau stieg ein. Ich erlaubte mir, den Rollstuhlfahrer ganz kurz anzusehen.
Ich erschrak.
Die Dame ging ächzend in ein anderes Abteil. Wir waren wieder allein.
Verbissen begann ich wieder die Dunkelheit anzusehen.
Keine Gedanken an den Rollstuhlfahrer!, mahnte ich mich. Ich dachte an Eiscreme und Caspar David Friedrich. Mein Lieblingseis ist Haselnuss mit kleinen Krokantstückchen. Mein Lieblingsgemälde von Friedrich ist “Der Wanderer über dem Nebelmeer“. Ich liebe es, wenn die Kälte die Zunge betäubt und die Krokantstückchen zwischen den Zähnen krachen. Ich mag die Atmosphäre des Bildes, die so herrlich leicht und gleichzeitig bedrückend war.
Ich versank in die Gedanken. Doch nicht lange. Es raschelte und ich sah auf. Der Rollstuhlfahrer hatte Papiere herausgeholt und betrachtete sie nun. Ein neuer Gedanke kam mir. Was, wenn er…?
Entgeistert verkrampfte ich mich wieder und versuchte an Friedrich zu denken.
“Würden Sie bitte endlich damit aufhören?”
Erschrocken drehte ich mich zu ihm. “Wie bitte?” stammelte ich leise und durcheinander.
“Sie sollen damit aufhören.”
“M-mit was denn?” piepte ich.
“Sich damit abzumühen, mich zu ignorieren.”
Ein kurzes Schweigen. Ich sah ihn an. Er hatte ein schmales Gesicht und blonde, strähnige Haare. Eine viereckige Brille und einen genervten, strengen Blick, den ich sonst nur von Lehrern kenne. Und er war jung. Vielleicht nur ein paar Jahre älter als ich.
“Tut mir leid.” hauchte ich und begann wieder den Boden zu begutachten.
“Sie tun es schon wieder.” knurrte er. Ich richtete mich wieder auf und spürte das ich zitterte. Es war mir so verdammt unangenehm. Es war als würde man von den Eltern ausgeschimpft werden.
Röte brannte in meinem Gesicht.
“Ich bitte Sie. Ist es tatsächlich so schlimm neben mir zu sitzen? Falls Sie nämlich es noch nicht bemerkt haben: Ich bin ein Mensch.” Und nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: “Nur meine Beine wollen nicht, in Ordnung?” Ich nickte und versuchte eine Stelle zu finden, auf die ich unbehelligt starren konnte. Mürrisch nahm er die Blätter in die Hand und begann wieder zulegen.
Eigentlich hatte er Recht. Er war ein Mensch. Ein normaler Mensch. Nur seine Beine funktionierten nicht.
Auf einmal schämte ich mich. Ich schämte mich fürchterlich, so mit ihm umgegangen zu sein. Er hatte vollkommen Recht. Er war ein ganz normaler Mensch, nur mit einer Einschränkung und ich hatte ihn so menschenverachtend behandelt.
Ich hatte das Bedürfnis mich richtig zu entschuldigen.
Ich machte den Mund auf, doch es kam kein Laut über meine Lippen.
Ich konnte nicht. Ich traute mich nicht. Ich hatte anscheinend nicht den Mumm mich bei einem Behinderten zu entschuldigen. Gott, schämte ich mich! Das konnte doch nicht wahr sein!
Dieser Mann war behindert, er kann nicht laufen. Ok.
Aber: Du hast ihn mit deiner ignorierenden Art beleidigt und jetzt traust du dich nicht mal dich zu entschuldigen? Was bist du denn für eine? Hat man dich nicht besser erzogen?
- Der Kerl ist nicht normal, er kann nicht laufen! -
Für dich ist er vielleicht nicht normal, für viele andere schon. Hast du dran mal gedacht? An seine Freunde und seine Familie? Glaubst du, dass sie ihn DESWEGEN haben hängen lassen? Glaubst du das tatsächlich?! Mädchen, was hast du eigentlich für ein Problem?
- Ich weiß nicht, wie ich mit ihm umgehen soll. -
“Es tut mir leid.”
Der Rollstuhlfahrer sah auf.
Ich versuchte zu lächeln. Wahrscheinlich war es ein schiefes Lächeln, dass ein wenig gequält aussah. Aber ich strengte mich an.
“Amilia Elroy.” Ich hielt ihm etwas zögerlich meine Hand hin. Er sah mich prüfend an. Was hat er denn?, dachte ich panisch. Ich zitterte immer noch.
Plötzlich grinste er.
“Henrik Medley. Aber die meisten sagen einfach nur Henry zu mir.” Er hatte einen angenehm, kräftigen Händedruck. Dann wandte er ich wieder den Papieren zu.
Was nun?, dachte ich. Wollen wir jetzt nicht mehr reden? War’s das etwa? Ich wartete auf den Anfang eines Gesprächs, denn ich mochte diese angespannt schweigende Situation nicht. Da fiel mein Auge auf die Blätter. Ich nahm meinen Mut zusammen.
“Was liest du den da?”
Oh Gott,
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Kommentare
Lena schrieb am 2010-12-08 18:11:55:
Schreib diese Geschichte bitte weiter, ja? Es wär total schön wenn du es machen würdest ! BITTE :D du bist ECHT gut. LG
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