Liebe und andere Kuriositäten [1 u. 2]
von
Oliver Wilczek
1
2
So, da des die erste Story von mir hier ist, würde ich mich freuen, wenn ihr euch die Zeit nehmt, sie zu lesen. Tipps und Kritik sind erwünscht :) Und jetzt viel Spaß.
---
1
Freitag, 8. Juli 2011. 13:00, Gymnasium Stein
Mal wieder neigt sich eine langweilige Schulwoche ihrem Ende zu. Es ist einer dieser Tage, an denen man alles tun oder auch lassen kann - außer man muss in der Schule sitzen. So müssen ich und 22 andere Leute, die bereits alle eifrig Pläne fürs kommende Wochenende schmieden, lediglich noch 10 Minuten dieser Biologiestunde durchstehen. Ökologie mit Herrn Scharl - es gibt wohl kaum ein Schulfach, das besser für einen Freitag geeignet ist. Sehr faszinierend und wichtig für das Abitur - sollte man es denn schreiben wollen. Außerdem liegt der Raum auf der Nordseite des Schulgebäudes und dazu noch im Keller - gibt es etwas Schöneres bei Außentemperaturen von 30°C und mehr? Es steht auch nichts mehr an, Schulaufgaben im Juli sind ja beinahe eine Zumutung für uns Schüler. Vom Unterricht will ich nur sagen: Die meisten Lehrer haben es aufgegeben - besser für alle Beteiligten, wie ich finde.
Da unser Lehrer anscheinend eine hochinteressante Diskussion mit unserer Klassenprima führt, wollen wir die beiden nicht weiter stören und widmen uns den Dingen, für die die dritte Reihe in der 10c bekannt ist: Den Abfluss, der eigentlich für Bio- und Chemieübungen gut ist, mit Papier und anderen Kleinteilen vollzustopfen. Während des gesamten Schuljahres hatten wir diese Methode perfektioniert und wunderten uns sogar gelegentlich über die kleinen Gewächse, die wir dort drin gewissermaßen "züchteten". Dass wir im Unterricht nicht aufpassen, kann uns keiner vorwerfen: Gegen unser Ökosystem Abfluss kann Herr Scharl mit den faszinierenden Wäldern und Seen einpacken. Praktische Anwendung von Unterrichtsstoff ist oft(mals) doch lustiger, als man denkt. Zumindest lenkt sie vom trockenen Stoff ab.
Außerdem ist man trotz des Handyverbots immer mit der Außenwelt und auch den Klassenkameraden verbunden. Nicht selten machen SMSen a la "In 5 Monaten ist Weihnachten" die Runde oder man bekommt gelegentlich einen Smiley von jemandem geschickt. Auch ich bemerke gelegentlich den Vibrationsalarm meines Handys, doch die Nachricht kam heute mal nicht aus unserer Klasse. Genaugenommen nicht mal von unserer Schule. Nachdem ich also relativ unsanft aus meinem Halbschlaf geweckt wurde, leise vor mich hin fluchend mein Handy hervorgekramt hatte und mich gleichzeitig vergewisserte, dass die Diskussion über Ernährung noch nicht vorüber war, konnte ich nun die SMS lesen:
Hey :)
wann wollen wir uns dann heute treffen? Und vor allem wo? :)
Ich freu mich schon voll ;)
bis nachher
Lisa
"Wer ist denn Lisa?" Leicht erschrocken hob ich den Kopf, doch statt der erwarteten Kritik an meiner Aufmerksamkeit von Herrn Scharl bemerkte ich lediglich, dass auch Hendrik ziemlich neugierig auf das Display meines Handys blickte. "Kennste nicht." Diese Aussage genügte im Normalfall, damit das Interesse von Bob wieder zurück zu Domis Smartphone oder unserem Abfluss ging. Den Spitznamen (Bob) hatte er sich selbst zuzuschreiben: Hendrik hatte sich vor einigen Monaten Dreadlocks machen lassen, dazu kam noch seine eher ruhige Art und eine rot-gelb-grüne Mütze, die er wohl aufgrund der hohen Temperaturen zuhause gelassen hatte. Manche sagen, er schlafe mit offenen Augen - doch das stimmt nicht. Er ist hellwach und hat immer eine schlagkräftige Antwort auf eine Frage parat - jüngstes Beispiel sein geschickter Auftritt in der Englisch-Show bei unserem allseits verhassten Herrn Bärnreuther: Die Frage kam brummend und leicht kreischend von unserem Lehrer, und Hendrik stand da und meint daraufhin eiskalt: "Jaah..." Am Ende hatte er sich doch noch auf eine relativ gute Note, eine 5-, retten können. Ich sage deshalb relativ, weil unser Englischlehrer oftmals aus seiner aktuellen Laune heraus Noten verteilt. Pauschal kann man sagen, eine Bärnreuther-Note ist eine normale Zensur + 2.
"Sag schon." - und das Grinsen in seinem Gesicht wurde breiter. "Meine Geliebte!", antwortete ich mit einer deutlichen Spur von Sarkasmus. Er verstand offensichtlich, dass er von mir so schnell nichts erfahren würde, und widmete sich wieder dem Abfluss. Lisa war eine gute Freundin von mir, mit der ich an diesem Abend verabredet war. Nachdem sie in unsere Nachbarstadt Fürth - oder wie ich sie auch gern nenne, Westvorstadt - gezogen ist, als ich noch in der Grundschule war, verloren wir uns zunächst aus den Augen. Inzwischen, gut sechs Jahre danach, fanden wir uns wieder und treffen uns öfters mal, um etwas zu unternehmen.
Ein Klingeln riss mich aus meinen Gedanken. Kaum zu glauben, aber auch dieser Schultag hatte ein Ende, ich konnte aufstehen und einfach gehen. Während ich langsam zu meinem Fahrrad ging, beantwortete ich Lisas SMS, sie solle ungefähr um 15:30 bei mir sein.
2
Freitag, 8.Juli 2011. 15:28, vor meiner Haustür
„Glaubst du ernsthaft der ist daheim?“ „Der ist daheim – er geht bloß nicht ran wenn ich ihn anrufe.“ Georgy und Alex, zwei Freunde von mir, waren mit dem Fahrrad zu meinem Haus unterwegs. Dafür, dass ich Alex´ Anrufe nicht beantworte habe ich einen ziemlich guten Grund: Gelegentlich kam er auf die, für ihn witzige Idee, mich mit Telefonstreichen von dem abzuhalten, was ich gerade mache – sei es im Urlaub, zuhause und anderswo. Um diese zu unterbinden, ging ich einfach nicht ans Telefon, es sei denn ich bin im Ausland – Rache ist süss.
„Und wieso?“ „Vielleicht hat er sein Handy liegenlassen... können wir ihn ja gleich selbst fragen.“ Sie fuhren langsamer und wollten gerade in einen Seitenweg abbiegen, um an der Hintertür zu klopfen. Verständlich, denn wer sitzt schon bei einem solch schönen Wetter im Haus, wenn er eine Terasse mit Garten hat? Doch plötzlich rief Alex: „Stopp! Bleib mal kurz stehen!“ Georgy bremste ab und meinte: „Was denn? Nehmen wir heute doch mal den Eingang für normale Leute?“ „Pssst! Komm her und sieh dir das mal an!“ „Oh nein, nicht schon wieder...“
Wenn es um Frauen geht, verhält es sich bei Alex folgendermaßen: Er flir... halt stopp, er versucht, mit jedem halbwegs gutaussehenden Mädchen zu flirten. Anders gesagt steht er wohl am Anfang der Pubertät. Nun gut, die einen haben es früher, die anderen später – aber bei den meisten geht es nach einer gewissen Zeit vorbei. Nicht so bei ihm, er ist seit gut drei Jahren dauerhaft geil. Was ein Grund ist, warum ich eher ungern etwas mit ihm unternehme – keine zehn Minuten bevor er nicht einem armen Mädchen den Tag versaut und ich so tun muss, als ob ich ihn nicht kenne.
Diesmal hatte er sich eine hübsche kleine Blondine ausgesucht, allerdings blieb er vorerst in der Beobachterposition. Georgy versuchte, ihn von seinem Vorhaben abzubringen und ihn zu beruhigen: „Alex, tu's nicht. Sie ist zwar ganz schön hübsch, aber du bekommst sowieso wieder nur eine Abfuhr, inklusive Backpfeife. Das willst du doch bestimmt
1
2
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen