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Kategorien > Brief > Für das Leben

Liebes Leben

von Ozeane Zeiss

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Du wurdest aus meinem Körper ausgesaugt, liebes Leben, ich habe es gespürt! Ich habe Dich gespürt, liebes Leben, wie Du langsam von oben nach unten durch jede Zelle meines Körpers ausgesaugt wurdest, bis Du mich schließlich verliest, liebes Leben.
Ich fühle mich nun wie eine Hülle. Eine leere Hülle liebes Leben, so fühle ich mich.
Leblos. Pulslos. Atemlos. Wie tot, mein liebes Leben, wie der Tod fühlt es sich an.
Du, mein liebes Leben, bist nichtmehr in mir, weil Du von mir gegangen bist. Aber dennoch bin ich nicht leer, liebes Leben, ich bin gefüllt bis über den Rand bin ich gefüllt mit Schmerz, voll mit Schmerz! Der Schmerz hat Dich, das Leben, ersetzt. Aber er kann Dich nicht ersetzen. Der Tod kann nicht das Leben ersetzen!
Oft spüre ich, wie der Schmerz überquillt, liebes Leben. Ich bin doch nicht groß genug, um so viel Schmerz aufzufangen und in mir zu bewahren. Es überkommt mich, und zerstört mich, bis ich kurzweilig nichts mehr spüre. Das macht es jeden Tag mit mir, liebes Leben! Jeden Tag. Aber es ist schön, kurze Zeit nichts zu spüren, denn in diesem Moment bin ich frei, auch wenn ich diese Freiheit nicht spüren kann: im Nachhinein zu wissen, dass ich kurz frei war, ist schön.
Am schönsten ist es, wenn mich niemand sieht. So habe ich viel Zeit für schmerzlose Existenz, mein liebes Leben. Verstehst du worauf ich hinaus will? Es ist so schön, nichts zu spüren, liebes Leben!
Ich kann nicht mehr essen, nicht mehr schlafen. Jeder Abend endet mit schrecklicher Depression.
Ich will nichtmehr atmen, liebes Leben. Das ist, was ich sagen will!
Denn es tut viel zu sehr weh! Mit jedem Atemzug, den ich mühevoll errichte, atme ich die Wut, den Hass, das Leid, den Schmerz und die Wucht ein, die Du ausatmest, liebes Leben!
Ich muss einatmen, was Du ausatmest. Weil ich die Schuld für deinen Atem trage.
Es ist so schmerzvoll, liebes Leben, ich ertrage es nicht.
Heute bist Du hier, morgen schwindest Du mir wieder, liebes Leben. Aber wo bist du jetzt, in diesem Augenblick? Bist Du bei mir? Sag es mir, denn Ich kann Dich nicht sehen!
Du warnst mich nicht, liebes Leben. Du bist da und doch weg, aber wo bist du jetzt?
Und wo wirst Du sein, wenn ich weg bin?
Mein ganzes Inneres schreit nach Dir. In jeder Sekunde, jeder Stunde, jedes Tages schreit mein Inneres nach Dir, liebes Leben. Doch wer hört mich?
Innerlich schreiend renne ich durch die Menschenmasse, doch niemand kann mich hören!
Aber kannst Du mich hören, liebes Leben? Hörst Du, wie mein Körper nach Dir schreit, von Dämmerung zu Dämmerung, kannst Du es hören?
Siehst Du, wie das Fleisch von meinen Knochen fällt, liebes Leben? Siehst Du, wie mein Fleisch zu Boden fällt?
Ich bin jetzt ausgesaugt, liebes Leben. Ich bin leer. Alles was an mir noch zu sehen ist, ist ein Skelett und eine verlorene Seele.
Die Enttäuschung, die Wut und der Selbsthass entblößen mich.
Nackt, entfleischt und völlig ausgesaugt stehe ich nun vor Dir und schreie, aber Du hörst mich nicht.
Liebes Leben, wieso hörst Du mich nicht?
Ich schreie und dennoch hörst Du mich nicht.
Wo bist Du nur?

Ich bin des Lebens müde, liebes Leben.

Aber ich will nicht tot sein!
Alles was ich will, mein liebes Leben, bist Du. Du allein!

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Kommentare

Ozeane Zeiss schrieb am 2010-11-03 10:31:32:
naja, es sind meine wahren Gefühle.
Verständlich, dass sie Dir zu viel sind, mir sind sie auch zu viel, wie man es hier lesen kann. =)
Ich freu mich, wenn ihr das nicht nachvollziehen könnt! =)
Vielen Dank an Stephanie, für dieses ausführliche Feedback. Personifikation ist ganz richtig, so habe ich die Geschichte auch in die Kategorie "Brief" eingefügt.
Vielen Dank, ich freue mich über weiter Kommentare.
Ozeane <3
chrisii schrieb am 2010-10-29 07:02:09:
ehrlich gesagt, ist mir das ein bisschen zu viel.
aber vom inhaltlichen ist der text echt klasse!

weiter so !
Stephanie P. schrieb am 2010-10-28 17:03:09:
Sehr gelungene Kurzgeschichte. Vor allem dein Ausdruck ist überzeugen.
Ich würde es so deuten, dass die Naricht des Textes ist, dass man sein Leben genießen soll. Egal , wie schwer manchmal einem etwas fällt. Man soll das Leben zu schätzen wissen. Sie personifiziert das Leben als eine Person, die einem manchmal verletzt. Besonders Ihre Emotionen wirken dramatisch. Die retorischen Fragen, rüttelt den Leser wach und regen ihn zum Nachdenken an.Bei diesem Text beschreibt sie die schlechten Seiten des Lebens, welche auch enden sollten, denn immer nach einem tief kommt auch ein hoch.
Ozeane schrieb am 2010-10-24 13:36:18:
Hallo ihr Lieben!
Das ist mein erster Text und es interessiert mich wirklich sehr, was ihr davon haltet!
Ich hoffe ihr könnt mir helfen.
Liebe Grüße,
Ozeane
luis schrieb am 2010-10-23 21:28:39:
wie interpretiert ihr den Text? ich finde ihn sehr interessant, aber weiß nicht was ich sagen soll..
wüsste gerne eure Eindrücke!
Weiter so an die Autorin!

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