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Kategorien > Anekdoten > Erfunden oder erlebt?

Lost in paradise!

von Kalinka Kaprisnaja

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Lost in paradise!

Moskau. 1980. Russland war noch Teil der UdSSR. Auf den Straßen sah man weder westliche Autos noch bunte Leuchtreklame. Es herrschte Mangelwirtschaft. Und die Moskauer trugen stets eine Einkaufstasche spazieren - jederzeit bereit, sich hinter einer Menschenschlange für Defizitwaren einzureihen...

Schlotternd vor Kälte stand ich mitten im Winter auf dem Roten Platz - ich war dort mit einer Gruppe von Bekannten aus dem Flugzeug verabredet - wir wollten ins Lenin-Mausoleum.
Doch bei Minus 15 Grad in kurzer Lederjacke, Minirock und Pumps wartet man auf niemanden, noch nicht einmal auf Lenin!

Ich ließ meinen Blick kreisen – wo war der nächste warme Ort? Meine Augen hefteten sich auf das Kaufhof „Gum“! Nicht, dass ich erwartet hätte, dass Energieexporteur Russland seine Kaufhäuser übermäßig beheizte. Aber die vielen Leute dort und ihr Stimmengewirr erzeugten mit Sicherheit heiße Luft...

Ich fand wunderbare Geschäfte – ein wahres Paradies in zwei Stockwerken angeordnet. Von oben betrachtete ich den Menschenauflauf, in dem ich tatsächlich die Kegelschwestern aus dem Flugzeug entdeckte. Was machten die denn hier? Die konnten doch gar kein Russisch! Und verschwanden gerade in einem winzigen Juwelierladen....

Ich eilte die Treppe hinunter: Wo war denn jetzt das Juweliergeschäft? Mein Orientierungssinn sagte „links“! Fehlanzeige. Aber eigentlich ist das mit meinem Orientierungssinn so eine Sache. Er hatte mich noch nie richtig geleitet, warum sollte er heute? Also weiter nach rechts.

Da war zwar ein Schmuckladen, aber nicht der, den ich von oben gesehen hatte. Außerdem so voll, ich konnte noch nicht einmal von außen erkennen, welche Menschentraube sich um Artikelnummer-, Zahl- oder Abholtheke gebildet hatte.

Also weitersuchen! Dreimal durchkämmte ich das komplette Gebäude. Ich fand weder den gesuchten Laden noch die Frauengruppe. Ich war reif für den „Ausgang“! Zumindest näherte ich mich der Tür, durch die ich hereingekommen war. Allerdings drängte mich der Menschenstrom in die entgegengesetzte Richtung – nach drinnen! Panik ergriff mich...

Da sah ich einen jungen Mann eine Seitentüre öffnen. Ich ließ mich auf allen Viere fallen und folgte in dieser Körperhaltung der Richtung des kühlen Luftzugs! Nie werde ich das Gesicht vergessen, als ich mich vor ihm aufrichtete, mich an ihm vorbei durch die Türe zwängte, noch ein „Spasibo“ (Danke) zurief und dann in Richtung wärmender Metrostation davonrannte...

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Kommentare

Lara Ralfs schrieb am 2008-04-06 18:32:53:
wow, DAS gesicht hätt ich auch gerne gesehen^^
aber du hast nen schönen stil bei diesen anekdoten. locker und angenehm lesbar

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