Luft und Feuer
von
aroma151
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Er war schon immer etwas anders gewesen, als die anderen Jungs aus ihrer Klasse. Das merkte niemand außer ihr.
Sie mochte ihn von dem Tag an, als er bei der Türe hereinkam und von der Lehrerein vorgestellt wurde, als neuer Mitschüler. Ab diesem Tag fühlte sie sich angezogen von ihm. Sie war unkonzentriert im Unterricht und verträumt in ihrer Freizeit. Obwohl sie bis jetzt kaum mit ihm gesprochen hat und er wahrscheinlich nicht mal ihren Namen kannte, mochte sie ihn.
Seine Eltern und er kamen aus der Ukraine. Aus welchem Grund sie hier waren, wusste sie nicht, sie wusste nur, dass sie schon länger hier wohnten.
Tag für Tag warf sie ihm heimlich Blicke zu. Wenn er mal wieder unkonzentriert in sein Heft kritzelte oder aus dem Fenster starrte, so wie sie es auch immer macht wenn ihr langweilig ist. Und es machte ihr nicht mal was aus, dass er sie nicht bemerkte. Es reichte ihr ihn nur anzusehen dürfen und vor sich hin zu träumen.
Und jetzt, jetzt stand sie vor ihm nur er und sie. Wie es dazu gekommen war, wusste sie nicht mehr. Darüber konnte sie im Moment auch wirklich nicht nachdenken. Er saß auf einer niedrigen, rissigen Mauer. Es war Abend. Er trug einen braunen, dünnen Pulli, seine Lederjacke hatte er ausgezogen.
„Bist du dir sicher, dass der Treffpunkt hier ist?“, fragte er, während er sich eine Zigarette anzündete.
„J-Ja, äh ich meine nein, ich weiß es nicht sicher. Ich glaube schon, also vielleicht.“
Wo der Treffpunkt war, wusste sie wirklich nicht. Auf jeden Fall, nicht hier, so wie es aussah. Aber sie war wie versteinert, festgewachsen am Boden.
Er schaute auf zu ihr, eine Augenbraue hochgezogen. Andere Jungs würden lächeln, weil sie so nervös war, oder es niedlich finden. Er lächelte nicht. Er fand es anscheinend auch nicht niedlich, so wie er jetzt dreinblickte.
„Ich will nicht zu spät kommen“, sagte er.
„Natürlich nicht“, sagte sie. „Ich ja auch nicht.“
Der Treffpunkt wurde ihnen zigtausendmal erklärt und aufgeschrieben. Aber sie hatte anscheinend nicht zugehört, er auch nicht.
So verweilten sie beide an Ort und Stelle. Der Himmel war immer noch blau, obwohl es schon sieben Uhr war. Es roch nach feuchten Ahornblättern und nach Zigarettenrauch. Es war leise. Nicht still, sondern sanft leise.
„Was hast du denn für eine Sportart ausgesuch-äh ausgewählt?“ fragte sie ihn in die Stille hinein.
Er schaute zu Boden, schon die ganze Zeit. Auch als sie ihn fragte, hob er den Kopf nicht. Doch nach einer kleinen Ewigkeit rührte er sich. Er drückte die Zigarette auf der Mauer aus.
„Ich habe gar keine ausgesucht.“ antwortete er.
„Was? Echt? Wir mussten doch eine aussuchen. Was machst du denn dann die ganze Sportwoche?“
Sie war überrascht. Schon die ganze Zeit hoffte sie, dass er dasselbe machte wie sie. Obwohl die Chance dazu nicht sehr groß war, denn sie hatte Reiten ausgewählt, schon vor Monaten.
Er zuckte mit den Schultern. „Werde wohl wo eingeteilt“
„Wie heißt du noch mal?“, fragte er plötzlich. Er fragte sie. Nicht sie ihn sondern er sie.
Für einen ganz, ganz kurzen Moment fiel ihr ihr eigener Name nicht mehr ein. Aber wirklich nur ganz kurz.
„Ich bin Nana. Also eigentlich Nanette aber ich mag den Namen nicht. Darum nennen mich auch alle Nana. Sogar die Lehrer. Zumindest meistens.“ sprudelte es aus ihr heraus. Er zeigte Interesse an ihr. Oh Gott.
„Nana…“, er lächelte ein winziges, mikroskopischkleines Mini-Lächeln. Aber Nana sah es ganz genau. Das allererste Lächeln, dass sie von ihm sah. Noch dazu nur für sie alleine.
„Meinen Namen kennst du wahrscheinlich schon.“
>>JAAAAAA<< wollte sie schreien.
„Ja.“, sagte sie. „Dima“
„Soll ich dir was verraten?“ fragte er.
>>Oh Gott, verrate mir alles über dich, bitte<<
Sie nickte erwartungsvoll.
Doch dann klingelte ihr Handy. Verdammt! Verdammt! Hektisch kramte sie es aus ihrer Tasche. Mistding. Mistding.
„Ja?“, meldete sie sich. „Ja….vor der Schule. Was, wann? ….ok,…ok bis später.“
„Wir sind falsch. Komm wir müssen uns beeilen.“, sagte sie zu ihm, sah ihn aber nicht direkt dabei an. Dann lief sie los, mit schönen Gefühlen im Bauch. Sie fühlte sich auf einmal so frei und stark.
Er zögerte, stand aber auf und folgte Nana, die schon fast in der Dämmerung verschwunden war.
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