Maine
von
Michael Behofsics
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Einsam fuhr der 1968er Plymouth Roadrunner, auf einem Highway außerhalb von Portland, Maine. Die Straßen waren nass und rutschig.
Alec Pearse war, im Gegensatz zu vielen anderen Fahrern seines Alters, ein von Haus aus vorsichtiger Fahrer. Aber er reduzierte die Geschwindigkeit dennoch auf 40 Meilen in der Stunde. Auch wenn kein anderes Auto weit und breit zu sehen war, war es doch möglich einen Unfall zu Bauen. Alecs Vater sagte oft: „Wenn du einen Unfall verursachst, und du noch heil aus dem demolierten wagen kommst, dann trete ich dir für jede Beule, für jeden Kratzer, für jede gebrochene Achse, für jedes demolierte Fenster und für jeden Rückspiegel einmal mit meinen Stiefeln in den Arsch.“
Und das wollte Alec nun wirklich nicht. Sein Vater war ein Marine, und ein sehr stolzer noch dazu. Er war liebevoll, aber er übertrieb es mit der strenge manchmal. George hieß er, und war Ausbilder. Er war einer der Männer die Soldaten für Vietnam ausbildeten. „Bald haben wir Charlie besiegt.“ Sagte er oft.
Aus dem Autoradio tönte Bob Dylans: Rainy Day Woman.
“Scheißwetter!” sagte Alec „und du musst natürlich unbedingt bei so einem Wetter nach Bangor fahren!“ er richtete sich den Rückspiegel so, das er sich selbst ansehen konnte während er das sagte.
„Du Idiot.“
Es wurde langsam dunkel, und bei der Geschwindigkeit und dieser rutschigen Straße, würde es noch eine ganze Weile dauern bis er in Bangor war.
>Verdammt noch mal wieso tu ich das eigentlich<. Alec drehte den Rückspiegel wieder in die richtige Position.
Ein Jingle verriet, dass im Radio jetzt die Verkehrsnachrichten kamen.
Alec drehte die Lautstärke etwas Hoch.
Eine angenehme Männerstimme ertönte: „Guten Abend hier ist Carl Hessler, RMTN.
Die Road I 22 von Waterville nach Newport wurde eben Freigegeben. Sie war aufgrund eines schrecklichen Unfalls für Mehr als 24 Stunden gesperrt. Die Polizei wollte keine näheren Angaben zum Unfallhergang veröffentlichen. Bekannt ist jedoch das ein 68er Plymouth Roadrunner gefunden wurde. Der Wagen war wahrscheinlich mit extrem hoher Geschwindigkeit aus der Bahn geworfen worden und hatte sich mehrmals überschlagen.
Dies lässt sich aus dem Zustand des Wagens schließen, dessen Teile noch 3 Meilen entfernt gefunden wurden. Des weiteren war das Dach beinahe völlig abgerissen. Der Fahrer Alec Pearse.........“
Alec bekam einen Riesenschreck und stellte das Radio noch lauter.
„............. hat den Unfall schwer verletzt überlebt, erlag seinen Verletzungen jedoch heute Morgen. Des weiteren müssen sich Verkehrsteilnehmer in Ellsworth..........“
Alec schaltete das Radio ab und hielt am Straßenrand.
„Kann es denn so einen Zufall geben?“ Seine Hände zitterten. Er zog sich eine Zigarette aus dem Päckchen um sich zu beruhigen.
Nachdem er die Zigarette geraucht und sich beruhigt hatte, stieg er wieder ins Auto.
>Natürlich ist es ein Zufall< dachte Alec >schließlich bin ich hier und fahre.<
Nach etwa einer Meile sah Alec jemanden neben der Straße stehen. Ein junger Mann, nur ein bisschen älter als er selbst, vielleicht Dreiundzwanzig oder Vierundzwanzig Jahre alt.
Er überlegte kurz ob Alec den Tramper mitnehmen sollte. Nach kurzem Zögern hielt er an und kurbelte das Beifahrerfenster runter.
„Wo soll’s denn hingehen fremder?“ fragte Alec.
„Nach Bangor, können sie mich ein stück mitnehmen?“
„Kein Problem da will ich auch hin. Spring rein fremder.“
Kaum war der junge Mann eingestiegen, überkam Alec ein seltsames Gefühl. Er hatte noch nie einen Anhalter mitgenommen. „Mein Name ist Jake.“ Sagte der junge Mann.
„Alec. Und woher kommst du Jake?“
„New York.“
„New York? Na das ist ja ein ganzes Stück weit weg.“
Jake lachte kurz. „Das kannst du laut sagen, ich bin auch schon eine ganze Weile unterwegs.“
„Und was willst du in Bangor?“ wollte Alec wissen.
„Weiß ich noch nicht, eigentlich hab ich kein Konkretes Ziel, auf Jeden fall werde ich mich ausruhen.“
„Wieso bist du aus New York weggegangen? Muss doch toll sein in so einer großen Stadt.“
Jake sah aus dem Fenster. „Drück doch mal ein bisschen aufs Gas, ich will Heute noch nach Bangor.“
Die Art wie er das sagte, machte Alec nervös.
„Hör mal, ich will keinen Unfall verursachen, die Straßen sind nass und...“
„Fahr schneller!“ sagte Jake jetzt schärfer.
Alec sah ihn an. Jakes Blick war durchdringend und Alec dachte sogar dass er auf irgendeine Art böse war. Das pure Böse.
Für den Bruchteil einer Sekunde erschien es Alec so, als würde er nicht mehr in das Gesicht eines Menschen blicken, sondern in das Antlitz des Teufels persönlich. Er glaubte erkennen zu können, das dieses jugendliche Gesicht sich zu einer schrecklichen augenlosen Fratze verzerrte.
Die Radiodurchsage von vorhin fiel ihm wieder ein.
„Na los fahr schneller hab ich gesagt.“
„Naja ich schätze ein bisschen schneller kann ich schon fahren.“
Alec beschleunigte auf 60 Meilen in der Stunde. Ihm wurde immer unwohler.
Das Gefühl verflog so schnell wie es gekommen war. Langsam genoss Alec das Gefühl schneller voran zu kommen.
„Na komm schon. Die Kiste hat doch sicher noch mehr auf dem Kasten als schlappe 60. Los, zeig mir was du drauf hast.“ Sagte Jake während er das Fenster herunter kurbelte.
Ein überwältigendes Hochgefühl überfiel Alec. Unwillkürlich drückte er den Fuß stärker aufs Gaspedal. Er beschleunigte auf Siebzig, Neunzig , Einhundertzwanzig Meilen in der Stunde.
Das Adrenalin dass ihm durch den Körper schoss, trieb ihm Schweiß auf die Stirn.
Jake steckte den Kopf zum Fenster hinaus und jauchzte vor Vergnügen, als der Wagen auf knapp Einhundertsechzig Meilen beschleunigte.
Manchmal fühlte Alec sogar ein kurzes Ruckeln, wenn die Reifen des Plymouth durchdrehten, aber es war ihm egal. Der Geschwindigkeitsrausch ließ einfach nicht nach.
„So mag ich das!! Warum nicht gleich so!!.“ rief Jake. Alec griff in seine Brusttasche um sich eine Zigarette zu nehmen.
Jake griff ans Lenkrad. „Du musst sie doch anzünden, ich lenke in der Zwischenzeit.“
Wieder glaubte Alec im Gesicht des Trampers eine Veränderung wahr zu nehmen, nein, diesmal war er sogar sicher eine augenlose Fratze zu erkennen. Und sein Mund verzog sich zu einem Bösen Grinsen. Er konnte es genau erkennen, die Haut verdunkelte sich schlagartig und die Haare wurden zu Maden, die aus zahlreichen rissen und Löchern im Schädel hervor krochen.
Plötzlich wurde es unerträglich heiß im Wagen.
Jake ließ den Wagen langsam in Schlangenlinien fahren.
Alec war wie gelähmt. Er sah zu wie der 68er Plymouth gegen die Leitplanke der Gegenfahrbahn prallte. Funken sprühten und ein Metallisches kreischen war zu vernehmen.
Gewaltsam wurde das Lenkrad von diesem Ungeheuer nach rechts gerissen. Die Reifen Blockierten als der Wagen quer über die Fahrbahn stand. Alecs Herz übersprang einen Takt, als er Jakes Lachen und Kreischen vernahm. So stellte sich Alec die Chöre der Hölle vor. Es hörte sich an wie ein mehrstimmiges Babykreischen, unterlegt mit dem Röhren eines Elchs und dem Brüllen von tausend Bären.
Alec
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Kommentare
christoph schlüter schrieb am 2006-10-10 21:57:39:
Endlich mal wieder ein Vertreter der harten Linie.
Deine Vorliebe für King ist hier unverkennbar, fast scheint es mir als sei deine Story quasi als Huldigung an den Godfather of Horror verfasst worden. Nicht umsonst spielt sie wohl in Bangor/Maine. Ist dir echt gut gelungen. Dein Stil gefällt mir. Liest sich echt gut. Das einzige, was mich ein wenig stört, ist das mich diese Story ein wenig zu sehr an "Riding e Bullet" erinnert. Vielleicht kämen deine Stories noch besser, wenn du dich etwas mehr von deinen Vorbildern lösen würdest und ihnen etwas mehr Originalität verleihen würdest. Du scheinst doch genug Ideen und Begabung zu haben, nutz es doch!
Würde mich jedenfalls freuen, noch mehr von dir zu lesen. Weiter so.
Coils schrieb am 2006-10-10 13:07:54:
Du schreibst echt fesselnd, genau wie bei Deiner "Albtraum" Story. Gefällt mir Dein Stil, weitermachen bitte...
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