Margarite Kapitel 6
von
Lilly
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Benjamin Wiechert
Köln
12.09.1425
Margarite saß vor den Füßen des alten Mannes und sah ihn an. Die Feuerstelle flackerte leicht und tauchte den Raum in eine angenehme Wärme. Max saß am Tisch, einen Becher Wein vor sich und beobachtete die beiden.
„Erzählt Ihr mir noch eine Geschichte?“
Alfons sah lächelnd auf Margarite, dachte kurz nach und fragte dann:“ Willst du wissen, wie ich meine Wunderschöne Laura kennen lernte?“
Neugierig nickte Margarite und legte ihren Kopf auf ihre angewinkelten Knie. Sie lauschte gerne seiner Stimme, es war die eines Erzählers, einwenig rau und doch sanft. In ihr klangen die Jahre des Alters, der Erfahrung und des Wissens zusammen zu seinem nach sich sehnenden Ton. Man musste ihm einfach zuhören, ob man wollte oder nicht.
„Ich verließ meine Familie an meinem siebzehnten Geburtstag um mir die Welt anzusehen. Sie glaubten an keinen meiner Träume, sie machten sich lustig, wenn ich ihnen davon berichtete. Sie glaubten nicht, dass ich es jemals etwas davon tun würde. Doch an diesem Tag, nahm ich meinen Beutel und ging, ohne die vielen Worte des Abschiedes, ich ging einfach. Ich war in Frankreich, Russland, in der Türkei und in Italien.“
Er begann hörbar zu schwärmen:“ Ich sah unzählige hübsche Frauen und wenn ich sage hübsch, dann meine ich wirklich hübsch, einzigartig und natürlich auch wunderschöne Landschaften.“
Margarite musste leise kichern, sie zweifelte, dass er sich überhaupt noch an die Landschaft erinnern konnte.
„Doch dann kam ich nach Spanien. Noch schönere Frauen und noch schönere Landschaften.“
Das kurze Zwinkern, seines rechten Auges, lies sie verstehen.
„Und dort sah ich sie. Sie arbeitete in den Olivenplantagen ihrer Eltern, wo ich zur Ernte eingestellt wurde. Das Licht, der Schmutz auf ihrer Haut, alles passte in diesem Augenblick zusammen. Ich verstand kein Wort von dem was sie sagte und doch wiederum jedes einzelne. Wir verliebten uns sofort. Drei Wochen später heirateten wir und zuerst blieben wir in Spanien und dann, nach einigen Jahren, kehrte ich mit meiner Frau und meiner Tochter Isabelle zurück nach Köln. Überraschte meine Familie, die glaubte schon lange nicht mehr daran das ich lebte und wir blieben hier.“
Alfons Gesicht veränderte sich auf einmal, es verdunkelte sich und die Falten wurden tiefer. Margarite sah auf und blickte Max besorgt an, als sie die Veränderung bemerkte.
„Sie starb vor fünf Jahren an einer Lungenentzündung, doch büßte sie keine Sekunde von ihrer Schönheit und Herzlichkeit ein. Ich fand, das sie mit jedem Tag nur noch schöner wurde.“
„Ihr habt sie wirklich sehr geliebt, nicht wahr?“
„Bei Gott, ja“, nickte er verträumt:“ Seid sie nicht mehr bei mir ist, bin ich nur noch ein halber Mensch. Ich funktioniere nur noch und ich weiß nicht was mich noch am leben hält.“
Margarite seufzte schwer und meinte:“ Vielleicht das Gefühl, für andere noch einwenig da zu sein, zu helfen.“
Sie blickte auf Maxwell, der sofort weg sah. Müde senkte sie ihren Blick und sagte leise:“ Ich hoffe ich finde auch einmal einen Mann, der mich so sehr liebt, wie Ihr Eure Laura.“
„Das werdet Ihr, dessen bin ich mir sicher“, Sagte er völlig überzeugt:“ Ihr müsst nur immer nach vorne blicken, die Zukunft im Auge behalten und die Vergangenheit ruhe lassen, mag sie auch noch so schmerzvoll sein. Denn dann sind Eure Augen offen, für alles schöne auf dieser Welt.“
Sagte er und währenddessen glitten seine Augen über seinen Enkel, der seinen Blick mit tiefen Falten auf der Stirn erwiderte.
Lautes klopfen ließ Margarite erschrocken aufblicken. Max ging zur Tür und öffnete diese einen Spalt. Schnell erkannte er anscheinend, wer sich davor befand und lies den Gast eintreten. Ein großer dünner Mann, mit blonden kurz geschnittenen Haaren und mit sauberer geordneter Kleidung sah sich um Raum um.
„Benjamin.“
Alfons erhob sich von seinem Stuhl und schien überrascht zu sein.
„Großvater“, sagte dieser atemlos und umarmte ihn flüchtig. Er wirkte gehetzt, Schweiß stand auf seiner Stirn und sein Kopf war hochrot angelaufen. Etwas schien ihn zu beunruhigen.
„Ich dachte du bist mit deinem Vater in Kiel.“
Margarite erhob sich unbemerkt vom Boden und trat in den dunkleren Hintergrund.
„Ich kam vorgestern zurück und wie ich meine, zur richtigen Zeit.“
Er wandte sich an seinen Cousin und erklärte sein plötzliches erscheinen:“ Er ist hier, Max!“
Margarite trat erschrocken etwas aus dem dunkel heraus und ahnte was nun geschehen würde. Ihr wurde übel und schwindelig.
„Wer ist hier?“
Fragte sein Großvater und Max antwortete ihm, mit monoton klingender Stimme:“ Johann von Kelstern.“
Hastig lehnte sich Margarite an die Wand, denn ihre Knie wurden mit einemmal weich.
Benjamin erblickte sie aufgrund ihres Schreckensseufzers und wusste von den Erzählungen seines Cousins, wer sie war. Denn bei ihm war er gewesen, als sie sich um ihn fürchtete.
Er nahm Max beiseite und sprach leise mit ihm, etwas entfernt von den beiden anderen Zuhörern:“ Es ist schlimmer als wir dachten.“
Maximilian legte seine Stirn in Falten und bis seinen Kiefer so fest auf einander, dass man die Muskeln im Gesicht und am Hals sehen konnte.
„Die Grafschaft Bärenbach existiert nicht mehr und das, meine ich in jeglicher Hinsicht.“
„Was?“
Er gab sich zwar Mühe leise zu sprechen, doch Margarite hörte es. Benjamin sah unangenehm berührt beiseite und flüsterte in Max Ohr:“ Nichts existiert mehr, wirklich rein gar nichts. Verstehst du was ich dir sagen will?“
Maxwell nickte ausdruckslos.
„Was geht hier vor sich?“
Sie wurde ungeduldig und blickte die beiden Männer durchdringend an. Max rieb sich müde durchs Gesicht und hatte keine Ahnung wie er das Margarite erklären sollte.
„Bitte, was ist geschehen?“
Sie begann fast verzweifelt zu flehen.
„Margarite“, begann er vorsichtig:“ Setz dich, bitte.“
Ganz langsam, als würde sie sich auf einen stacheligen Stuhl setzen müssen, nahm sie platz. Er sah zu seinem Cousin und fragte noch einmal nach, er konnte, oder wollte es nicht glauben:“ Bist du dir wirklich Sicher?“
Dieser nickte stumm.
„Bei Gott, was habe ich getan?“
„Max“, ihre Stimme war dünn, brach fast durch als sie seinen Namen nannte.
Langsam ging er vor ihr in die Hocke und sah ihr fest in die Augen. Wie sollte er beginnen, was sollte er nur tun? Er wollte ihr nicht wehtun, das Gefühl der Schuld nicht auf ihre Schultern abladen.
„Lass mich, Cousin.“
Der Krieger wirkte auf einmal so hilflos, er nickte ihm dankend zu und trat beiseite.
„Es gab ein Unglück“, begann er vorsichtig und ging vor ihr in die Knie:“ Ritter von Kelstern kehrte nach Bärenbach zurück.“
Entsetzt sah sie den jungen Mann vor sich an und dann zu Max, dessen Stirn an der Wand lehnte. Er hatte seine Augen geschlossen und seine ganzen Gesichtszüge waren angespannt, so als würden sie jeden Augenblick explodieren.
„Ihr…, Ihr seid der letzte Nachkomme der Grafenfamilie Bärenbach.“
Sie wurde bleich, ihr Hals begann zu schmerzen und ihr Kopf fürchterlich zu pochen.
„Das…, das ist
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Kommentare
Moonwish schrieb am 2008-04-15 13:42:43:
Oh, das ist so toll!
Deine Story ist einfach super!
LG,
Moonwish
MAndy schrieb am 2007-06-20 21:52:40:
Das ist ja soooooooooooooooo traurig und gut!
Kommen die beiden zusammen??? Ja oder???
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