Margarite Kapittel -1-
von
Lilly
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Annabelle von Bärenbach
( *20. September 1387 - +10. März 1415 )
Bärenbach am Rhein
12. März.1415
Der mahnende Rücken ihres Vaters, auf den sie während der Prozession blickte, strafte sie schweigen. Ihre Augen brannten, alles an ihr war müde und schwer. Die laute Stimme ihres Vaters hallte noch immer in ihren Ohren:“ Hör auf um deine Mutter zu heulen, traure lieber um deinen Bruder, den sie mit sich genommen hat.“
Und wieder erinnerte sie sich an die lange Nacht in der ihre Mutter den Stammeshalter zu Welt brachte und in der sie qualvoll starb. Immer wieder sah sie das viele Blut und hört ihr bitterliches weinen. Nur wenige Stunden nach ihr starb auch er, er folgte seiner Mutter.
Es war kalt und es hatte geregnet. Doch sie spürte von außen nichts, in ihr drin war es kältester Winter.
Ihr Vater war viel zu wütend um traurig zu sein. Annabelle von Bärenbach hatte es zu Lebzeiten nur ein einziges Mal geschafft ein Kind zur Welt zu bringen, das diese auch nicht wieder verließ. Doch war dies nur eine Tochter, all die anderen starben Stunden oder Tage später. Umso mehr schenkte sie ihrem einzigen Kind liebe. Und jetzt war Margarite ganz allein und wusste, dass die einzige Liebe die ihr jemals zustand, gerade begraben wurde.
Mit gesenktem Haupt stand sie neben dem noch offenen Grab und bekam von der Rede des Geistlichen nichts mit. Sie traute sich nicht eine Träne zu weinen, doch in ihrem Inneren ertrank sie fast.
Sie war gerade einmal neun Jahre alt, unwissend und naiv, ein Kind nun mal. Doch vor ihrem Vater hatte sie immer schon angst gehabt. Seine große Statue, die laute Stimme und seine Schläge dem ungeliebten Kind gegenüber, machten es ihr ein leichtes ihn zu hassen. Aber dass er ihr verbat zu trauern, konnte sie einfach nicht verstehen. Ihr war bewusst dass er seine Frau nicht liebte, das er sie nur wegen einem Packt mit ihrem Vater zu der seinen erklärte, sie war jung aber keineswegs dumm, stand ihr doch das Trauern zu.
Der Sarg wurde herabgelassen und sie hörte die anderen Anwesenden schluchzen. Keinem glaubte sie die Tränen. Skeptisch blickte sie sich um und schwor sich niemanden mehr ein Wort zu glauben. Alle waren sie falsch und froh endlich von dieser unfähigen Frau befreit zu sein. Keiner zollte ihr auch nur einen hauch Respekt, da der Wunsch einen Erben zu haben, die ganze Familie einnahm.
Margarite nahm sich in diesen Sekunden, als der Geistliche das Grab segnete, selbst ein Versprechen ab: Sie würde niemals das seelenloses Weib eines Mannes sein und ihm Kinder gebären, bis sie daran zu Grunde geht. Sie würde niemals zulassen, dass man aus ihr ein Zuchttier machte.
Mit diesem Versprechen sah sie ihren Vater an, der ihren Blick einfing und seine Stirn in falten legte, als er diesen zu deuten versuchte. Er erschrak einwenig, denn so hatte ihn noch nie ein Mensch angesehen, herausfordernd. Schnell fing er sich wieder, schnaufte verärgert durch die Nase und sah wieder nach vorne. War sie doch nur ein dummes kleines Kind, deren Trauer zu weit ging.
Margarite hatte keine Ahnung welchen Feind sie sich machte, und sie glaubte auch nicht dass es die Möglichkeit gäbe ihn noch mehr zu hassen. Doch nur zwei Wochen, nach dem Tot seiner Frau, verheiratete er sich erneut: Mareike Wohlfahrt, die Tochter eines reichen Tuchhändlers aus Köln. Gerade einmal 18 Jahre alt. Dumm und hübsch, und besessen von ihrem neuen Leben, in dem Margarite nur störte.
Margarite von Bärenbach
Bärenbach
20. August.1425
Die unbeschreibliche Hitze in diesem Sommer machte allen zu schaffen. Ihre Bluse klebte an ihrem Körper und der Schweiß lief ihre Beine herab. Müde wusch sie ihre Stirn mit ihrem Handrücken ab und hinterließ eine spur Erde auf ihrer Haut. Die Hacke schlug leicht in den trockenen Boden am Grab ihrer Mutter. Nur ein schlichtes steinernes Kreuz mit dem Namen darauf, zeigte ihr wo sie begraben lag. Zu selten durfte sie es bepflanzen, oftmals tat sie es einfach heimlich. Ihre Stiefmutter, wie sie Mareike nennen musste, verbat es ihr. Was solle es bringen, das Grab einer Toten zu pflegen, während die anderen Gärten vertrocknen, sagte sie immer. Margarite schwieg lieber wenn sie so abfällig von ihrer Mutter sprach, denn sie kannte die Reaktion ihres Vaters, wenn ihre Stiefmutter sich beschwerte.
Er schien diese Frau wirklich zu lieben, wahrscheinlich weil sie ihm drei Söhne schenkte, zu dem ihre Mutter nicht imstande war.
Seit dem Begräbnis, hielt sie sich von allem Fern. Sie nahm an keinem Fest teil, aß nicht mit ihnen am Tisch und redete kaum ein Wort.
Ihre Brüder waren fürchterlich verwöhnt und eigensinnig. Sie stritten ständig, schlugen sich und ärgerten ihre ältere Schwester. Sie fanden schnell heraus welchen schlechten Stand sie in der Familie hatte und nutzten dies bei jeder Gelegenheit aus.
Margarites Familie waren nun andere. Die Köchen Mathilde, ihre Tochter Lauren und der Stallmeister Wolf. Sie alle halfen ihr zu überleben und nicht den Verstand zu verlieren.
Endlich war sie fertig und goss ausgiebig Wasser auf die Margariten. Es war die liebste Pflanze ihrer Mutter und ihre Namensgeberin.
Mühsam versuchte sie sich an ihr Gesicht und ihr warmes lächeln zu erinnern, doch nur schemenhaft tauchte es ab und zu vor ihr auf. Aber das Blut und ihre Tränen, waren immer noch klar und deutlich jede Nacht da.
„Margarite, dein Vater sucht dich. Er ist ziemlich wütend weil er dich nicht finden kann.“
Mathilde kam atemlos auf sie zu und half ihr beim Aufstehen.
„Wenn er mich kennen würde, wüsste er wo er nach mir suchen muss.“
Hastig rieb sie in dem Gesicht ihres Schützlings und fluchte:“ Kind, was tust du nur immer, das du dich jedes Mal so fürchterlich einsaust?“
Jetzt nahm sie sogar ihre tadellose Schürze zur Hilfe, doch der Grundfleck auf ihrer Stirn wurde nur verteilt, nicht entfernt.
„Keine Zeit. Los geh, du weißt er wartet nicht gerne.“
Etwas unsanft schob Mathilde Margarite Richtung Burg und blieb einwenig ängstlich zurück.
Sie fand ihn in seinem kleinen Arbeitszimmer. Er saß am Tisch und las gerade einen Brief. Noch nie sah sie seine Gesichtszüge so entspannt. Er konnte sie gar nicht gehört haben, denn die Tür stand weit offen als sie davor stehen blieb, doch er meinte, ohne von den Zeilen aufzublicken:“ Komm herein und verschließe die Tür.“
Unbehagen machte sich in ihr breit, doch sie gehorchte. Langsam kam sie auf ihn zu und blieb aber im sicheren Abstand zu ihm stehen. Es schien eine Ewigkeit zu dauern bis er ihn fertig gelesen hatte und endlich aufblickte. Zum ersten Mal sah er
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Kommentare
Susel schrieb am 2007-08-05 13:41:54:
Ich fange jetzt gerade an deine Geschichte zu lesen, habe mich auf diese Seite veriert und bin direklt bei dir gelandet.
Das was ich bis jetzt gelesen habe ist wirklich beeindruckend und ich hoffe, dass es natürlich so weiter geht. Ich liebe historische Geschichten und deine ist wirklich gut umgesetzt!
Die Kritiken die du bekommen hast, sind ja durchgehend super ( ich habe einige vorher gelesen um zu wissen, ob es Sinn mach, mit deiner Geschichte zu beginnen und ich wurde nicht enttäuscht)
Na dann bin ich jetzt einmal gespannt wie es weiter geht.....
Mit so einer guten Geschichte, verbringt man doch gerne einen sonnigen Sonntag.
Liebe Grüße
Susel
Marie schrieb am 2007-06-20 21:48:39:
Das ist wirklich gut geschrieben und fantastisch formuliert....
Ich bin gespannt wie es weiter geht!
Nadja schrieb am 2007-06-20 21:39:50:
Wau, einfach toll - ich muss sofort die Fortsetzung lesen..... AUF AUF, ans Werk:-))
Emily schrieb am 2007-03-22 19:17:03:
Die geschichte ist einfach klasse muss ich mal neidlos zugeben:-)
und jetzt schnell ein fortsetztung bitte^^
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