Marktplatz
von
Arpi
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Marktplatz
Ich stand auf dem Marktplatz. Dunkle Wolken flohen über den Himmel und der Wind entriss den Bäumen ihr Blätterkleid.
Einsam stand ich da, unter der alten Eiche, noch durchnässt vom letzten Regenschauer, zitterte, doch blieb stehen.
Menschen hasteten an mir vorbei. Eilig. Gestreßt. Niemand sah mich, niemand bemerkte mich, niemand bemerkte auch nur irgend etwas.
Ein alter Mann humpelte über die nassen Pflastersteine entlang, rutschte aus und fiel. Niemand half ihm. Dreckig und nass kam er schließlich wieder auf die Beine nur um eilig weiter zu humpeln. Eile.
Eine junge Frau hetzte über den Platz. Schreckte Tauben auf. Flügelschläge wie Musik. Ratten der Lüfte.
Sie verschwand und die Tauben kehrten zurück.
Dann, ein junges Paar. Verliebt. Leuchtende Augen. Sie sah so glücklich aus, und er so froh. Der Ausdruck ihrer glücklichen Gesichter brannte sich für immer in mein Gedächtnis. Vor allem das ihre, denn es stand in seltsamen Kontrast zu ihren düsteren Augen.
Sie war anders, etwas besonderes.
Aber auch sie verschwanden.
Eine Gruppe Touristen kam über den Platz. Nur Augen für die Kirche. Dämliches zerfallenes Gebäude! Nistplatz der Tauben, Heimat der Obdachlosen.
Sie gingen. Zum Glück. Die Zeit verrann so unaufhaltsam wie Wasser. Es wurde dunkler und immer weniger Menschen eilten über den Marktplatz.
Hier und da noch ein später Kunde, hin und wieder mal ein Penner. Prostituierte kamen und gingen.
Drogenabhängige. In de Nische der Kirche fand mit letzter Kraft eine Alkoholleiche eine Bleibe für die Nacht.
Dann kam lange niemand. Dann das Mädchen, welches ich so glücklich mit jenem Jungen gesehen hatte.
Das Lachen war von ihrem Gesicht verschwunden. Langsam ging sie über den Platz. Ihre Augen waren so dunkel, so voll von Schmerz und Trauer.
Ich wollte meinen Beobachtungsposten verlassen, zu ihr hingehen, doch ich konnte nicht. Ich konnte den schützenden Schatten der alten Eiche nicht verlassen. Wasser tropfte von meinen Haaren.
Sie blieb stehen. Mitten auf dem Platz. Blickte hoch. Dunkle Wolkendecke. Die Decke dieser Nacht. Doch plötzlich riss sie. Gab den Blick auf den Mond frei. Vollmond.
Wie Federn einer Decke senkte sich sanft das Mondlicht auf uns herab.
Und unter diesem Licht begann sie sich aufzulösen. Zerfiel. Erst ihre Kleidung, dann ihre Haut, dann fielen die Sehnen und Muskel zu Boden.
In ihren Schatten, verschwanden.
Blut floss aus ihr raus und ihre Knochen hinab. Dann wurden ihre Knochen zu Staub und sie war verschwunden.
Die Decke schloss sich wieder. Kein Licht mehr.
Die ganze Zeit über hatte ich unter meinem Baum gestanden und nun sank ich zu Boden und hielt mir die Augen zu.
Das durfte nicht passieren. nein. Nein. NEIN!
Schnell atmend wachte ich auf. Sie war weg! Nein. Ich blickte mich um, realisierte wo ich war. Nein. Sie war nicht weg.
Ich kämpfte mich aus dem Bett und ging ins Schlachthaus nebenan. Dort, im Kühlraum hing bleich und unversehrt ihre Leiche.
Meine Liebe, sie würde mich nie verlassen. Und der Anblick ihrer bleichen Schönheit brannte sich in mein Gedächtnis und verschmolz mit dem Bild ihres glücklichen Gesicht.
Ich kann das Mädchen jetzt und das Mädchen damals auf dem Platz nicht mehr unterscheiden.
Der einzige Unterschied für mich ist die Temperatur ihrer Haut. Damals war sie warm.
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Kommentare
Veronica Wallner schrieb am 2009-11-06 20:14:25:
wow düster, finde ich genial, mach weiter so
Lg Veronica
benni_justice@gmx.de schrieb am 2008-01-26 21:33:30:
Wow, ne tolle Story. Nur der erste Teil ist recht amateurhaft und klischeehaft geschrieben. Der zweite Teil, der ein bisschen ins makaber/düstere geht ist genial!
Wenn du die erste Hälfte etwas aufpolierst, wird diese Kurzgeschichte noch sehr gut!
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