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Kategorien > Kurzgeschichte > Jugend

Maskenball

von Meluse

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Maskenball

Mit einem Ausdruck von Leere in ihrem Blick steht sie vor dem Spiegel. Er ist vollkommen beschlagen. Sie hat erst vor kurzem die Dusche abgestellt. Ihren Bademantel trägt sie schon, der Kragen ist etwas nass von ihrem Haar, doch es ist nicht kalt. Die Heizung arbeitet ja.
Mit einer langsamen Handbewegung wischt sie das Glas sauber und erblickt die Spiegelung der Fliesen, deren Zwischenräume eine Reinigung nötig haben. Daneben sieht sie ihr Gesicht, die Haut ist noch etwas gerötet und die Haare hängen schlaff, in nassen Strähnen herab. Beim Ausatmen beschlägt sich das Glas wieder. Dieses Mal macht sie sich nicht die Mühe es abzuwischen.
Heute ist Maskenball und sie braucht nicht in den Spiegel zu schauen um ihr Kostüm anzulegen, sie kennt es in und auswendig.
Es dauert nicht lange, bis das schwarze Kleid zugeschnürt ist. Das Korsett macht es schwer zu atmen, doch sie bekommt es kaum noch mit. Nur wenn sie es auszieht spürt sie die Erleichterung um ihre Talje, aber sonst nicht. Auch auf den Stöckelschuhen, mit den langen, dünnen Absätzen, kann sie perfekt laufen. Es ist wirklich nicht einfach und nicht jeder beherrscht es gut. Die meisten taumeln ungeschickt hin und her, als wären sie aus Gummi. Aber sie kann es. Wenn man zu einem Maskenball geht muss man es können.
Nur eine halbe Stunde braucht sie um fertig zu werden, dann kann man sie schon die Straße hinunterlaufen sehen und das Klackern ihre Absätze in der Stille der Nacht vernehmen. Wie ein Schatten huscht sie durch die Gassen, schnell und ohne anzuhalten. Niemand ist draußen, daran ist sie gewöhnt, es ist nie jemand da.
Dann steht sie vor der Tür des Hauses, in dem der Ball heute stattfindet. Es ist unscheinbar normal, aus den Fenstern leuchtet kein Licht, als würden die Bewohner schlafen. Sogar der große Hund, der vor der Haustür angekettet ist, schlummert ruhig in seinen eigenen Träumen. Sie braucht nicht zu klopfen, der Eingang ist immer unverschlossen. Sie weiß, dass sie vom Flur aus, direkt in den Keller gehen muss, dort, hinter einer alten Tür, findet der Ball statt. Als sie diese Tür öffnet erblickt sie alle. Sie tragen ihre Masken und Kleider, tanzen sich geschmeidig durch den Saal, im Takt zu einer anführenden, lauten Musik, die ihr so wohl bekannt ist. Sie betritt den Raum, schließt die Tür und stellt sich zu den Wartenden. Der warme Duft gebratener Hähnchen kitzelt an ihrer Nase. Volle Weinflaschen stehen graziös auf den Tischen. Bedienstete verteilen Gläser.
Irgendwann wird man immer zum Tanzen aufgefordert, aber bei dem nächsten Fest zieht man sich eine neue Maske an und wird nicht mehr erkannt. Sie tauscht ihre Masken nicht oft, sie mag ihr Kostüm, doch die anderen erinnern sich trotzdem nicht an sie.
An diesem Tag ist etwas anders. Niemand kommt ihr mit hochmütigen Schritten entgegen. Alle schwirren nur wie Reflektionen an ihr vorbei. Die Gruppe der Wartenden wird kleiner. Einer nach dem Anderen betreten sie die Tanzfläche und verlieren sich im gleichmäßigen Rhythmus der Musik.
Eine Stunde vergeht, dann zwei. Keiner scheint sie bemerkt zu haben. Unentschlossen kämpft sie mit dem Wunsch zu gehen und dem Verlangen zu bleiben und vielleicht doch noch eine Chance zu bekommen, zu zeigen was sie kann. Sie ist doch eine der besten Tänzerinnen! Warum kümmert es niemanden? Geht es bei einem Ball nicht um das Tanzen?
Langsam werden ihre Beine des Stehens müde. Die ersten Gäste verlassen den Saal. Sie wartet, wartet, wartet. Die Musikanten spielen die Stücke nun schon zum zweiten Mal, an diesem Abend. Der warme Duft gebratenen Fleisches ist längst verflogen. Die festlich geschmückte Platte wird von Bediensteten abräumt.
Und sie geht, als die Musikanten die Instrumente beiseite legen. Sie geht langsam, in der Hoffnung jemand würde sie bemerken, aber nichts geschieht. So läuft sie die leere Straße nach Hause zurück. Sie kann sich nicht erklären, warum man sie nicht aufgefordert hat. War es ihr Kostüm? Soll sie sich ein Neues besorgen? Sie ist doch die beste Tänzerin. Auch wenn man es auch den ersten Blick nicht sieht, ist sie es trotzdem. Oder war dies der Grund?

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Kommentare

Lara Ralfs schrieb am 2007-11-15 18:49:32:
wow! die geschichte ist richtig schön geschrieben!! und dein stil ist genial. hast du mal daran gedacht an einen verlag zu schicken?
Darktear schrieb am 2007-09-08 21:06:56:
eine sehr schöne geschichte..
Lg
Dark
Andenova schrieb am 2007-09-06 19:20:28:
Wow, wirklich schöne Geschichte
doyce schrieb am 2007-08-31 17:16:54:
danke für dein kommentar, eigentlich möchte ich deine frage nicht so gerne beantworten, weil ich möchte, dass
die verschieden möglichkeiten des alters der person eher offen bleiben, aber du hast wirklich ein sehr nettes
und langes kommentar geschrieben, daher würde ich es unhöflich finden, dir nicht zu antworten, ich bin 15.
lg doyce
audrey schrieb am 2007-08-28 15:35:42:
wunderbar
doyce schrieb am 2007-08-22 15:47:09:
die geschichte ist wirklich schön. während man sie liest fällt man gedanklich in sie rein, bis man dann fertig ist
mit lesen. außerdem verspürt man den dringenden wunsch, dass doch noch jemand sie zum tanzen auffordert.
dann, wenn man das ende liest, regt die geschichte richtig zum nachdenken an! WIRKLICH, Eine richtig GUTE GESCHICHTE !! Doyce
Meluse schrieb am 2007-08-18 12:09:26:
Danke schön....
Traumfänger schrieb am 2007-08-17 13:56:32:
Eine schöne Geschichte.

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