Mein Herzallerliebster
von
Haemo_globin
Käthe saß am Tisch. Ihre Hand war zittrig vor Kälte und Alter. In ihrem Herzen verspürte sie eine dunkle Leere. Der Wind peitschte an die Fenster. Der Herbst hatte Einzug gehalten. Sie starrte auf das Stück Fleisch auf ihrem Teller.
Ach Theo, dachte sie, wie schön war alles! All die Jahre voll Kummer und Sorgen, Freude
und Spaß. Wir haben immer zusammen gehalten, durch dick und dünn. Und jetzt sitze ich hier alleine und der Winter kommt. Und auch in meinem Herzen hält der Winter Einzug. Wie traurig doch alles ist.
Die Flamme der Kerze flackerte. Käthe hatte sich herausgeputzt und trug ihr schönstes Kleid. Hatte mit ihrem wertvollsten Geschirr und Besteck den Tisch gedeckt, doch das wunderbare Stück Fleisch auf Ihrem Teller schien ihr nicht zu schmecken.
Sie war alt. war im letzten Monat 70 Jahre geworden. Was für ein wunderbares Fest. Theo und sie hatten gelacht und getanzt. Er hat ein kleines Gasthaus gemietet und alle Freunde und Verwandte waren erschienen um mit ihnen zu feiern. Sie waren nicht mehr die jüngsten als sie sich damals vor 35 Jahren kennenlernten.
Aber es war Liebe vom ersten Moment an und hatte nun bis zum letzten Moment gehalten.
Sie hatten viele schwere Zeiten erlebt, waren nie reich gewesen. Aber eins stand in all dieser Zeit immer im Mittelpunkt: die Gemeinsamkeit - ihre Liebe zueinander.
Sie kannten sich nur kurz und haben bald geheiratet, weil sie wussten, dass der andere genau der richtige war.
Sie schnitt ein stück vom Fleisch und aß es. Ihr Blick wanderte zur Kerze. Jedes Licht verlischt einmal, und doch ging alles viel zu schnell.
Theo, was soll ich noch ohne Dich tun? Die Wohnung ist so still, so leer. Nichts rührt sich.
Oft hatte ihr Mann Ideen gehabt, hat in Wohnung und Garten gebastelt und geschraubt.
Manchmal saß er auch stundenlang vor dem PC um sich durch das Internet zu wühlen. Oder er saß einfach nur da und lass ein Buch, während sie strickte und Musik hörte.
Sie nahm noch einen Bissen vom Fleisch und spülte mit einem Schluck Wein hinunter.
Natürlich war nicht immer alles harmonisch. Wie sollte es auch, sie waren beide zwei ausgeprägte Persönlichkeiten. So manches mal wurde über die Zubereitung einer einfachen Pasta gestritten. Und doch liebten Sie sich und fanden immer wieder einen Schlussstrich zu dem ganzen Gezänk.
Das Essen war nur noch lauwarm. Sie warf einen blick auf Ihr Hochzeitsfoto, das auf dem Fernseher stand. Es war alles so schön, dachte sie wehmütig.
Sie hatten oft von der kommenden Situation geredet, aber keiner von beiden wollte es wirklich wahr haben, dass der Tod sie scheiden würde. Sie hatten damals schon Pläne geschmiedet, dass sie nur gemeinsam sterben wollten. In jungen Jahren sicherlich eine absurde Idee, weil beide sich sicherlich trotz aller Liebe einen neuen Partner gesucht hätten.
Aber je älter sie wurden, desto mehr wünschten sie sich auf ewig zusammen zu sein.
Sie nahm noch einen großen Schluck vom Wein.
Als sie heut morgen aus dem Badezimmer kam, lag er auf der Couch. Die decke bis zum Hals gezogen.
"Geht's dir nicht gut, Schatz?"
"Doch, meine Liebe, setz dich einen Moment"
"Theo?! Bedrückt dich was?"
Er nahm ihre Hand und führte sie zu seinem Herz.
"Du bist mir das liebste auf der Welt. Das wollte ich dir nur sagen. Ich fühl mich heute irgendwie so müde und schwach."
"Soll ich dir einen Tee machen?"
"Nein, nein, bleib bei mir. Es ist noch so früh und du bist schon so schön. Wie eine Blume im Morgentau." Er sah sie an. "Weißt du noch was wir damals für eine verrückte Idee hatten um ewig zusammen zu sein?"
Käthe schluckte und nickte.
"Versprich mir, ich möchte nie von dir getrennt sein. Ich liebe Dich, Käthe. Und ich habe es auch immer getan, in all den Jahren."
"Oh Theo, ich dich auch! Aber jetzt denk nicht so wirres Zeug. Lass uns frühstücken und dann ein bisschen im Garten das Laub zusammen rechen."
"Ja, du hast recht! Machen wir uns heute einen schönen Tag. Ich ruh mich nur noch ein bisschen aus" Er ließ ihre Hand los und Käthe ging wieder ins Bad.
Als sie wieder kam, war Theo tot.
Tränen liefen ihr beim Gedanken an den heutigen Morgen übers Gesicht. "Mein Theo, mein lieber Theo."
Sie nahm noch einen kräftigen schluck vom Wein, aß noch drei Bissen vom Fleisch und legte Messer und Gabel zur Seite.
Sie sah auf ihr Kleid und entdeckte dort einen kleinen Blutfleck. Sie wollte in die Küche gehen und ihn auswaschen, aber sie fühlte sich zu schwach.
Ihre Gedanken wanderten weiter zum vergangenen Vormittag.
Als junge Frau liebe Käthe es, sich mit Theo zu necken. Und liebevoll biss sie ihn das ein oder andere mal in die Rippen. Irgendwann kamen sie dadurch auf den Gedanken woher wohl der Spruch "ich hab dich zum Fressen gern" stamme würde.
"Wahrscheinlich muss man einen Menschen so sehr lieben, das man ihn am liebsten mit Haut und Haar in sich aufnehmen würde. Weil man sich so nahe ist."
Damals beschlossen sie, mehr im Spaß als im Ernst, beim Tod des einen müsste der andere sein Herz essen um nie mehr getrennt zu sein. Natürlich war die makaber, aber irgendwie fanden sie es auch außerordentlich romantisch auf diese Art vereint zu sein.
Und so hatte Käthe dem toten Theo an diesem Morgen um 10.00 Uhr, das große Küchenmesser in die Brust gerammt um ihm das Herz heraus zu schneiden.
Leider musste sie nach kurzer Zeit feststellen, dass dies eine unglaubliche Schweinerei war und die Couch in kürzester Zeit mit Blut getränkt wurde. Ihr wurde schlecht.
Sie dachte an all die schöne Zeit mit Theo, an ihr wildes Leben und sie wusste, es würde keinen schönen Tag mehr ohne ihn geben. Und außerdem, auch wenn sie sein Herz essen würde, bestünde da nicht die Gefahr, dass dieses auf Grund der Verdauung am nächsten Tag sein Ende im Klo finden würde?
Nein, das wollte sie nicht! Sie hatte Theo ihr Wort gegeben, Nie mehr getrennt. So beschloss sie kurzer Hand sich umzuziehen und zur Apotheke zu radeln. Aber nicht nur zu einer. Sie klapperte 4 Apotheken ab und in jeder kaufte sie eine Maxipackung Schlaftabletten.
Daheim machte sie sich wieder mit elektrischem Sägemesser, Gartenschere und Hammer bei ihrem Liebsten ans Werk. Die Rippen zu brechen um ans Herz zu kommen bereitete ihr die meisten Probleme und so schlug sie letztendlich wie irr mit dem Hammer auf seinen Brustkorb ein. Und als alles noch nichts nutzte, knackte sie die Knochen mit der kleinen Gartenschere durch.
Und da lag es dann, ganz still und unschuldig und alles voller Blut. Das Herz ihres Liebsten. Sie schnitt das Organ herhaus, wusch es und wickelte es in Frischhaltefolie.
Der Nachmittag war vergangen. All dies war ziemlich zeitaufwendig. Und da lag immer noch der tote leere Theo auf der blutverschmierten Couch.
Sie holte seine Bettdecke aus dem Schlafzimmer und deckte ihn bis zum Kinn zu.
"Theo, welche Bürde hast du mir das auferlegt? Aber lieber bin ich tot, als einen Moment ohne Dich." Und Käthe küsste den kalten Körper auf die Stirn.
Sie briet das Herz nach einem alten Hausrezept für Kalbsherz. Zusammen mit ein bisschen Gemüse und Kartoffeln in Butter geschwenkt. Zwischenzeitlich beseitigte sie die gröbsten Spuren ihres Tuns um sich dann zu waschen, kleiden und den Tisch zu decken.
Käthe sah zur Couch hinüber.
"Geliebter Theo, auf das wir uns in einem neuen Leben wiedertreffen!"
Sie trank den Wein und nahm jede Menge der Schlaftabletten zu sich. Und noch an diesem Abend versagte auch Käthes einsames Herz.
Die Polizei fand die zwei Leichen nach 5 Tagen. Sie konnten sich zu erst nicht erklären, wie es zu diesem außerordentlich grausamen Mord kommen konnte.
Kommentare
von früher..... schrieb am 2007-09-07 17:42:50:
das passt richtig zu dir, aber is echt ne schöne, bizzare story.
Mach weiter so.................
CogitoErgoSummi schrieb am 2006-03-12 08:31:31:
grausam, makaber, z.t. echt widerlich und ekelhaft - ABER: die geschichte ist zum sterben schön !!
gemessen am symbolgehalt hätte ich sie allerdings
"Das letzte Abendmahl"
genannt..... schön, glauben zu können, dass es diese eine, diese wahre und echte liebe noch gibt. wenn ich sowas lese, kann auch ich daran festhalten.
super, wirklich - obwohl mir viele textstellen nicht 100%% gefallen....!
elena03@gmx.de schrieb:
Hallo. Ich finde deine Geschichte irgendwie komisch. In der Realitöt würde das - glaube ich - niemand machen. Denn wenn Käthe Theo geliebt hat, würde sie seine Leiche nicht so zerstückeln, oder? Und wo sie am Anfang dieses Fleisch gegessen hat, war das schon Theos Herz?
battle-e@gmx.de schrieb:
Also ich finde die Geschichte ganz hut sie ist zwar einwenig absurt aber das macht sie auch erst lesens werd
gut geschrieben find ich
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