Mein Tag
von
Mark Ganter
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Ich liege in meinem Bett und lasse den vergangenen Tag Revue passieren. Ich denke an die schönen Momente und an die Schlechten. Alles in allem war es doch ganz angenehm.
Aber will ich später in meinem Sterbebett auf ein Leben zurückblicken, das ganz in Ordnung ist? Will ich nicht mehr?
Einige raten mir: Lebe jeden Tag, als sei es dein Letzter.
Ich stelle mir vor mit dieser Einstellung durch den Tag zu gehen, ich gebe (auf möglichst höfliche Weiße) meine Meinung preis, setze mich nicht unter Druck und gehe lieber einmal mehr aus, ich nehme mir spontan frei um einen Tag mit meinen Liebsten zu verbringen und erkenne, dass ich mich auf diese Weiße niemals viel weiterentwickeln werde. Ich werde in dieser beruflichen, geistigen und körperlichen Situation verweilen und mein Leben „genießen“. Doch.. gibt es da draußen nicht vielleicht noch mehr? Einen schöneren Job? Ein schöneres Land? Eine schönere Frau? Mehr Erfüllung?
Ich stelle mir vor wie ich wieder auf mein Leben zurückblicke und erkenne, dass ich nichts geleistet habe außer meinen Spaß zu haben. - Werde ich darauf stolz sein können?
Andere raten mir: Lerne für die Schule, mach dein ABI, studiere und erreiche deine Ziele.
Nun, Ziele, wie kann ich im Alter von 16~22 wissen, was ich im Leben mal machen will? Wie können Andere wissen was gut für mich ist? Ich meine und wenn nun ein „niederer“ Beruf mich mehr erfüllt als Einer mit Studiums-Voraussetzung? Ich nehme an, ich lebe dieses Leben, führe ein geregeltes, gut durch-strukturiertes Leben, gehe regelmäßig ins Fitness-Studio, lerne fleißig, pflege Hin-und-Wieder gesellschaftliche Kontakte und komme so letztendlich zu einem gut-bezahlten Job, einem hohen intellektuellen Standard und Anerkennung für meine Leistungen. Wo ist meine Jugend? Ist das der Beruf den ich ausüben will? Sind diese „Intellektuellen“ mein Niveau? Will ich mein Leben lang auf klaren Schienen fahren?
Ich stelle mir vor wie ich wieder auf mein Leben zurückblicke und erkenne, dass alles was ich erreicht habe, im Grunde das war was ich erreichen sollte, aber nicht unbedingt was ich im Nachhinein gerne getan hätte bzw. wieder tun würde. Ich würde auf ein Leben voller Stress und Druck zurückblicken und würde nun, da ich in Rente bin und mein Leben doch endlich unbeschwert genießen könne gerne länger leben. Ich würde gerne die Dinge tun die man nur als Jugendlicher tun kann. Aber dafür ist es zu spät.
Irgendwie wirken beide Szenarien für mich ziemlich abschreckend. Ich denke nochmal über meinen Tag nach und komme zu dem Schluss, dass ich für meinen eigenen Weg eine Kompromiss zwischen dem was mein Herz will und zwischen dem was mein Kopf will finden muss und das mein Tag eigentlich gar nicht so schlecht war.
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