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Kategorien > Trauer > Familie

Mein Vater

von Bone1979

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Mein Vater
- Hansdieter Döbber
* 24.05.1953
+ 29.04.2007

ist Drei Wochen vor der Entscheidung in der Meisterschaft der Fußball Bundesliga gestorben. An einem Sonntag. Wir haben noch zusammen die Sonntagsspiele gesehen und wenige Stunden später haben wir den Notarzt gerufen und sie nahmen ihn mit ins Urban Krankenhaus in Berlin-Kreuzberg.
Zusammen mit meiner Mutter bin ich kurz danach, weil sie noch Sachen für ihn einpackte und einen Anruf von meiner Tante bekam und berichtete das ihr kleiner Bruder wieder einen Anfall hatte, ins Krankenhaus gefahren.
Erst saßen wir in Notaufnahme bis uns jemand in die Intensivstation brachte, wo wir erneut einige Minuten warten mussten. Mit uns warteten Zwei Herren, deren Arbeitskollege gestorben war und der Sachverhalt bezüglich einer Organspende geklärt werden musste.
Meine Mutter glaubte sogar noch meinen Vater lachen gehört zuhaben. Wir haben uns vorgestellt wie mein Vater (ihr Ehemann) in diesen Grünen Kittel auf seinem Bett saß und rumkrakelte er wolle nach Hause.
Dann kam ein Arzt, bat uns mitzukommen und sagte uns gerade heraus mein Vater sei Tod. Ich dachte so bei mir, ob er uns verarschen wollte. Nie und Nimmer hatte ich damit gerechnet das mein Vater Tod ist. Wir hatten zwar kein gutes Verhältnis, es hatte sich jedoch gebessert.
Meine Mutter wollte ihn dann sehen und ich bin mit und als der Arzt die Decke wegnahm bin ich zusammengebrochen. Von da an habe ich Zwei Tage nur noch geweint. Zwar meinte meine Mutter mein Vater hätte Totenflecken gehabt, doch die habe ich gar nicht gesehen. Sie beantragte eine Obduktion in Abstimmung mit dem Arzt. Da mein Vater als die Notärzte (Sanitäter) ihn mitnahmen noch (normal) lebte. Er erklärte ihnen seine Beschwerden. Seit wann er sie hatte, wie stark sie waren, wie oft sie auftraten und machte einen normalen Eindruck.
Dem Arzt zur Folge, erlitt mein Vater bei der Einlieferung in die Notaufnahme einen Herzstillstand und zusätzlich ein Lungenüdem (Wasser in der Luge).
Durch Freunde und Verwandte die sich in der Materie auskennen, hatte er wohl keinerlei Überlebenschance mit Wasser in der Luge. Darum sah mein Vater wohl auch aus wie eine Wasserleiche (laut meiner Mutter).

Ich vermisse ihn. Er hätte sich gefreut das Schalke kein Deutscher Meister geworden ist (ebenso wie ich – Borussia Dortmund). Die Spielweise des VFB Stuttgart hat ihm gefallen, genau wie vom SV Werder Bremen. Mein Vater war Bayern München Fan.
Wir hatten sogar noch vor zu ALBA Berlin (Basketball) und den Reinickdorfer Füchse (Aufsteiger im Handball) gehen. Vor einem Jahr war ich mit ihm beim Football (Berlin Thunder). Außer den Cheerleadern hat ihm der Sport nicht gefallen. Zudem teilten wir unsere Begeisterung für Technik. Im Gegensatz zu meiner Mutter.

Es ist eine schwere Zeit, zumal er keinerlei Rücklagen oder Versicherungen hinterlassen hatte. Zum anderen weil mein Bruder und ich uns nicht von ihm verabschieden konnten, wie das bei einer Krankheit der Fall gewesen wäre.
Andererseits bin ich froh das es bei ihm anscheinend schnell und ohne große Schmerzen ging. Niemand sollte unnötig leiden (ausgenommen die einen oder anderen Kriminellen). Nun müssen wir damit klar kommen. Eine schwere Zeit ist für meine Mutter, meinen Bruder und mich angebrochen.
Alleine der Bürokratieaufwand den der Tod mit sich bringt beschäftigt einen für mehrere Tage. Wir haben gerade mal die Hälfte hinter uns. Die Dicken Brocken warten jedoch noch. Mit jedem Häkchen auf der Liste scheint es mir noch deutlicher zu sein das er weg ist und sich nun mit Gott rum streitet.
Nächsten Monat ist die Bestattung, eine passende Stelle haben wir am Freitag gefunden. Er wird anonym beerdigt, das war sein Wunsch. Alles andere werden wir sehen. Ich lebe nur noch von Tag zu Tag (+ein Tag im voraus).
Ich habe meine Eltern immer für unsterblich gehalten. Nie und Nimmer hätte ich damit gerechnet das mein Vater mit 54 (eigentlich 53) Jahren stirbt. Es seltsam wie der Tod den Blick auf das Leben so radikal und unbarmherzig ändert.
Ich hoffe nur das meine Mutter eines Tages ihre Enkel/in erlebt und sagen kann, genauso warst du auch. So der Vater so der Sohn/Tochter. Zwar liegt dieser Abschnitt noch in weiter Ferne (wenn überhaupt), was nicht ist kann noch werden. Wie sagte mein Vater: Jeder Topf hat den passenden Deckel. Mal sehen ob er recht behält. Auch wenn er immer meinte bloß nie zu heiraten und Kinder in die Welt zusetzen. Leider erlebt er keines von beiden mehr.

In Großer Trauer und einer unermesslichen Traurigkeit.

© by Alexander Döbber

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Kommentare

Lilly schrieb am 2008-12-24 22:51:54:
Hey,
ich habe eben erst gesehen, das du etwas zu meinem Kommentar kommentiert hast. Ich weiß nicht, ob du das lesen wirst aber ich muss dir noch etwas sagen:
Ich finde es ist unglaublich wichtig (und ich weiß wirklich wovon ich rede), das man trotzdem versucht sein Leben zu leben. Das man sich nicht dem Gefühl der unentschlossenheit hingibt weil man glaubt, das man das anderen Schuldig ist. Schuldig ist man nur sich selbst etwas und das ist, sein Leben weiter zu leben, zu existieren und sich immer vor Augen halten, was hätte mein Vater dazu gesagt. Hätte er wirklich gewollt, das ich alles zurückstecke, das ich mich in mich zurückziehe und verlene zu existieren???
Oftmals kommt alles so überraschend, so ungesehen von allen, das es einen den Boden unter den Füßen wegreist. Du fühlst dich so einsam, so leer, das du glaubst, niemals wieder ein normales und bodenständiges Leben führen zu können. Doch glaube mir, das einzige was hilft, ist nach vorne zu blicken, die Zukunft zu sehen, Chancen zu nutzen die man aufgezeigt bekommt und sich sagen, das alles tue ich für ihn, für mich, für meine Zukundt. Auch wenn er immer sagte, heirate nie und bekomme ja keine Kinder, ist es doch das was sie sich heimlich immer wünschen....
Stelle dir selbst kein Bein, nehme sie in die Hand und laufe. Und das einzige was du tun kannst ist, eines Tages deinen Kindern von deinem Vater zu erzählen, damit selbst sie, auch wenn sie ihn nicht kennen, an ihn denken. Das funktioniert, wirklich.

Ich hoffe das ist jetzt nicht zu kitschig, oder melodramatisch, aber so bin ich halt..... :-)

Ganz liebe Grüße
Lilly
Bone1979 schrieb am 2008-04-15 13:30:58:
Danke Lilly für deine Anteilnahme.
Schon komisch wie durch der Tod gewisse Entscheidungen beeinflußt. Wäre mein Vater noch am Leben,
hätte ich ohne groß zu überlegen ein Jobangebot (das es tatsächlich gibt/gab) in einer anderen Stadt
angenommen.
Jetzt hingegen zermartere ich mir einen Schädel, wäge ab, entscheide mich und dann wieder nicht.
Natürlich muss man damit Leben das jemand nicht mehr da ist, den man für unsterblich hielt (oder man
sich mit dem Tod direkt nicht auseinandergesetzt hatte).
Nochmals DANKE.

Mit freundlichen Grüßen
Lilly schrieb am 2008-03-22 17:08:44:
Das tut mir sehr sehr leid, ich kenne solch einen Schmerz und es scheint, als würde alles mit den Tod enden, doch dann lebt man weiter, einfach so, Tag für Tag und weiß gar nicht wie. Man steht auf, meistert seinen Tagesablauf und geht wieder schlafen....
Es ist immer schwer einen Menschen zu verlieren, egal ob man sich sehr Nahe stand oder nicht, es tut immer weh. Er fehlt immer in verschiedenen Momenten, Augenblicke an denen man Schmerzvoll daran erinnert wir, das er einfach nicht mehr da ist.

Ich hoffe es geht dir und deiner Familie jetzt besser und die Hürden wurde gemeistert
Liebe grüße
Lilly

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