Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Alltag > Nachdenkliches

Mein kleiner König

von Nathalie Mosblech

"Jolay!" Die freudige Stimme des kleinen Jungen schallte über den Flur bis
zu mir und ließ mich in meinem Schritt inne halten. Das Geräusch kleiner
tappender Füße auf dem Boden und als ich mich umwand, sein lachendes
Gesicht.
"Ich habe gewusst das ich dich heute treffe." Meinte er und blieb lachend
vor mir stehen. Auch ich lächelte ein wenig.
"Woher weist du nur so was immer Nio."
Er lachte und hob die Arme.
"Gib mir einen Kuss" forderte er und ich schloss ihn in die Arme und küsste
ihn auf die Stirn. Sein schmächtiger Körper drückte sich fest gegen meinen
und ich spürte seine schwachen Arme, wie sie fest meinen Rücken umschlossen.
"Hast du Zeit für mich Jolay?" fragte er nachdem ich in losgelassen hatte
und er mich voller Vorfreude ansah. Ich dachte an die Lehrerin die auf mich
wartete, an die Arbeit die zu tun war und an all die anderen Dinge, die ich
zu erledigen hatte.
"Natürlich Nio."
Er lachte vor Freude und fasste meine Hand.
"Sag was wir tun Jolay! Sag was wir tun werden!"
Und ich lächelte leicht, weil ich wusste was er hören wollte.
"Wir könnten in den Zoo gehen und den Fischen das neuste aus dem
Wassergarten erzählen, von der fließenden Mutter und den drei Nebelkindern.
Danach denke ich, sollten wir unter der Brücke am Fluss einen Kranz aus
Blumen flechten, für die tanzenden Vögel auf den Dächern und was meinst du
sollten wir dann tun?"
Seine kleine bleiche Hand drückte die meine ganz fest, als er die Augen
schloss.
"Wir sollten den Hunden sagen das es regnen wird und den Katzen das die
Sonne scheint und dann sollten wir im Regen über das Schilf in die Sonne
laufen und dem alten Eichhörnchen im Park dein altes Brot geben."
Ich lächelte.
"Ja das sollten wir tun Nio." Langsamen Schrittes gingen wir den Gang
entlang und ich betrachtete die kleine Gestalt neben mir. Die hellen Haare
und die großen blauen Augen und diese Freude in ihnen, diese Freude die
niemand erklären konnte und wieder einmal war ich ratlos, ratlos über ihn.
"Wir sind König und Königin in unserem Reich." Sagte er und schaute mich an
und ich war erstaunt wie ernst seine Augen schauen konnten, so alt und weise
wie die Welt und dann nickte ich.
"Ja das können wir sein."
Und er lächelte wieder und das Sonnenlicht schien in seinen Augen zu tanzen
und selbst im Schatten nicht davon zu weichen. Wir schwiegen und gingen den
Gang hinab und bald kam die große Tür in Sicht und wir wurden langsamer.
Schließlich waren wir angekommen und ich blieb stehen, spürte wie seine
kleine Hand sich von meiner löste, als er einen Schritt zurück tat.
"Das alles machen wir und noch viel mehr, nicht wahr Jolay?"
Und die Lüge kam mir wie selbstverständlich über die Lippen.
"Ja das werden wir tun Nio......irgendwann."
Und er nickte und ich trat an die Tür als seine fröhliche Stimme mich
abermals zum einhalten zwang.
"Ich werde meinen Engel von dir grüßen Jolay und ihm sagen das er auf dich
aufpassen soll, wenn du am Fluss mit den Blumen spielst, oder im Wind mit
den Bäumen singst."
Und ich nickte nur und drehte mich nicht um, weil ich nicht wollte das er
sieht wie mein Gesicht traurig wurde.
"Bis morgen mein Nio." Sagte ich leise.
"Ich werde dich vermissen Jolay." Und schließlich drehte ich mich doch um
und ich werde nie diesen Anblick vergessen. Ein schmächtiger kleiner Junge,
blass und schwach, mit Augen die leuchten. Ich sah ihn da stehen und
erkannte das auch in seinen Augen eine ruhige Trauer lag, doch das Lächeln
auf seinem Gesicht war echt und so schaffte auch ich es noch einmal zu
lächeln, für ihn.
"Ich dich auch Nio." Und heute klang es wie ein Leb wohl. Mit Nachdruck fiel
die Tür des Krankenhauses in ihr Schloss. Langsam ging ich den gepflasterten
Weg entlang, durch die von Bäumen gesäumte Straße und mir war zum weinen zu
mute und ich wusste selber nicht warum und ich wünschte mir, wünschte von
ganzen Herzen das Nios Engel zu ihm sprechen würde, wünschte ihm das sein
Engel das tat was kein Arzt und keine Medizin der Welt mehr tun konnte. Ich
wünschte mir das Nio gesund würde....ganz gleich wie unmöglich es war und
begriff im selben Moment, dass es nie so sein würde. Morgen würde ich wieder
hin gehen, würde ins Krankenhaus gehen um ein wenig zur Hand zu gehen und
ich würde Nio treffen, den kleinen Jungen der dieser Welt entwichen war in
seine eigene Zauberwelt und der doch so viel mehr verstand, als Worte sagen
können und endlich wusste ich was ich wirklich wünschte, nicht Heilung und
auch nicht ein Wunder, denn das war nicht möglich, ich wünschte mir einfach
das Nios Engel kommen möge und ihn mitnehmen in eine Welt die so viel besser
ist als diese und in der er nicht nur im Traum seine eigenen Wunder erleben
kann. Ich tat viel an diesem Tag, ging zu meiner Lehrerin und tat all die
Arbeit die ich tun musste und der nächste Morgen kam schnell und schon als
ich die Tür zum Krankenhaus öffnete wusste ich das etwas fehlte, etwas war
gegangen und würde nie mehr zurück kommen und die Welt war ein bisschen
trauriger geworden. Das Zimmer der Schwestern war nicht weit entfernt und
aus der Distanz hörte ich sie reden.
"Wie sollen wir das nur der kleinen Jolay sagen....ich glaube sie hatte ihn
sehr gern."
Und ich blieb stehen drehte mich um und ging und wusste, dass ich nicht
wieder kommen würde. Denn es war leer geworden und im selben Moment wusste
ich, dass ich immer nur gekommen war um ihn lachen zu sehen. Er war nur ein
kleiner Junge gewesen und ich hatte ihn noch nicht einmal lange gekannt und
doch war er ein König gewesen. Mein kleiner König seiner ganz eigenen Welt.
An diesem Tag ging ich nicht zu meiner Lehrerin, ich tat keine Arbeiten und
nichts was ich tun sollte. Ich ging in den Zoo und erzählte mit den Fischen,
ich tanzte mit den Bäumen und erklärte den Tieren wie das Wetter wird und
unten am Fluss unter der Brücke flocht ich Blumenkränze für die tanzenden
Vögel, ich lief im Regen durch das Schilf in die Sonne und machte mich auf
den Weg nach Hause. Ich sprach kein Wort, den ganzen Tag und als ich anfing
mein trockenes Brot zusammen zu suchen für das alte Eichhörnchen im Park
begann ich zu weinen.

Kommentare

KINBERLY OXFORD schrieb am 2010-06-03 18:22:50:
WOW ICH FING AN ZU WEINEN, WEIL ES MICH SEHR BERÜHRT HAT
ICH KAN NUR SAGEN WOW
WIE BIST DU DRAUF GEKOMMEN SO ETWAS LIEBEVOLLES ZU SCHREIBEN
ALSO WENN ES DA EINE WAHL GEBE WÜRDE ICH DICH NATÜRLICH WÄHLEN
DANKE FÜR DIESE BERÜHRENDE GESCHICHTE !!!!!!
Janina schrieb am 2009-05-16 11:26:50:
Eine sehr berührende Geschichte.
Mich würde interessieren, was dich dazu bewegt hat, diese Geschichte zu schreiben...
Grüße,
Janina
mustafa_42.swk@hotmail.com schrieb am 2009-02-22 16:49:32:
sehr cool echt super
cryptic misery schrieb am 2007-04-08 19:38:01:
So wunderschön das ich anfing zu weinen...
Maya schrieb am 2006-08-04 10:39:23:
Wirklch sehr schön geschrieben, da könnten einem fast die Tränen kommen!
www.namenlos_mm@gmx.de schrieb:
coole Geschichte
www.namenlos_mm@gmx.de schrieb:
coole Geschichte
dstoelzel@web.de schrieb:
Sehr ergreifend;schöne Wiederholungen("Ich tat...")
e@gal.de schrieb:
SUPER!
ug@gaha.de schrieb:
... einfach unbeschreiblich... genial... bin echt sprachlos (:
nothing_else_right_now@yahoo.de schrieb:
Gänsehaut...
usa schrieb:
sehr schön!

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.