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Kategorien > 2. Weltkrieg > Sonstiges

Meine Mutter

von Ercan Erus

Ich hoffte, ich könnte dieses Ereignis komplett aus meinem Leben ausstreichen es wegradieren, es auslöschen. Es ist ein Ereignis von dem man hofft, dass man es nie erlebt hätte. Und doch ist es da. So real wie ich selbst. Und von dem man hofft es verdrängen zu können.
Und hofft, dass sie niemals das Tageslicht erreichen und ihren Schatten auf uns werfen. Etwas, das so schrecklich ist, dass man es für sich allein und ganz tief im Innersten verborgen hält.
Jetzt versinke ich gerade wieder in dieser Erinnerung, gegen die ich mich so wehre.


Es war gerade Januar und der Schnee wütete bereits wieder seit einigen Tagen. Es war auch die Zeit, als der Krieg bereits als entschieden galt und dennoch sehr junge Männer gezogen wurden und mein älterer Bruder sich gegen den Willen meiner Mutter freiwillig meldete. Einige Wochen später bekamen wir die Nachricht, dass mein Bruder für sein Vaterland gefallen war. Ja so nannten es diese Herren "gefallen". Als wäre er gestolpert und dann gefallen. Aber so war es nicht, er war getötet worden. Von diesem Tag an hörte meine Mutter ebenfalls auf zu leben. Was nicht heißen soll, dass sie tot war. Sie war vielleicht psychisch tot, aber nicht physisch. Irgendetwas hatte sich in ihr verändert. Ich erkannte sie noch kaum als meine Mutter. Sie verbrachte Stunden damit, aus dem Fenster zu sehen, obwohl ihre Augen dabei ins Leere blicken zu schienen. Mit dem Tod meines Bruders war auch ich für sie gefallen. Sie beachtete mich nicht. Ich glaube sogar, dass sie nicht mal wusste, dass es mich noch gab. Denn es gab keinen Tag an dem sie nicht jammerte, dass ihr einziger Sohn gefallen wäre.
Sie war so verbittert und voller Zorn, dass ich mich manchmal fragte, ob es auch mir galt. Ob sie es gern hätte, dass ich wirklich tot wäre. Denn tot hatte sie mich ja schon längst geredet. Und wenn ich mit mir sprach und sie irgendwann einmal meine Stimmer vernommen hatte, starrte sie mich dann immer eine Weile an. Und ich erkannte in ihren Augen etwas Verächtliches, das es mir galt und ich erkannte auch, dass sie mich auch tot haben wollte.
Ich machte mir eines Tages einen Spaß und sagte ihr, dass ich auch in den Krieg ziehen würde. Ich fassungslos. Glaubte sie etwa, das ich nicht darunter litt.
Glaubte sie nicht, dass ich jedes Mal erneut starb, wenn sie mich tot sprach.
Sie hatte dass gleichgültig hingenommen das ich in den Krieg ziehen wollte.
Sie versuchte nicht einmal mich davon abzuhalten, wie sie es bei meinem Bruder nächtelang getan hatte. Ich sah die Enttäuschung in ihren Augen, als sie bemerkte, dass ich nicht in den Krieg zog.
Wie ich mich darüber ärgerte, aber vor allem hasste, weil ich den Mut nicht hatte, wirklich in den Krieg zu ziehen.
Wie sehr wollte ich ihr weh tun, doch ich konnte es ja nicht sie war bereits tot.
Wenn Frau Kaufmann nicht da gewesen wäre, hätte, ich selbst irgendwann mal geglaubt dass ich auch tot wäre.
Wie ich mich freute, wenn diese alte und gebrechliche Frau jedes Mal nach dem Kirchenbesuch zu uns kam. Manchmal stand ich am Fenster und sah ihr dabei zu, wie sie mit ernstem Gesicht die zerbombte Kirche betrat. Und ich wartete solange am Fenster bis sie mit einem hoffnungsvollen Gesicht auf unser Haus zukam.
Frau Kaufmann hatte eine zeitlang versucht, meine Mutter davon zu überzeugen, dass ich noch lebte. Doch auch sie gab es irgendwann mal auf.
Meine Mutter bemitleidete sie und sich, weil sie beide ihre Söhne verloren hätten. Es stimmte, dass Frau Kaufmanns Sohn eine Woche bevor er wie mein Bruder in den Krieg ziehen sollte starb. Er war mit meinem Bruder befreundet. Und während mein Bruder für sein Vaterland gefallen war war er von einer Kugel getroffen worden als er Kohle von den Gleisen gesammelt hatte.
Sie tat meiner Mutter leid. Und sie bestand jedes Mal darauf das sie den Sohn von Frau Kaufmann für sie wie ihr eigener Sohn gewesen wäre.
Frau Kaufmann sah dann jedes Mal kopfnickend zu mir und es erfüllte mich mit einem komischen Gefühl zu sehen dass sie mich sah.
Und so ging es jeden Tag. Meine Mutter beklagte den Tod ihrer Söhne auch dessen, der noch lebte. Ich hielt es einfach nicht mehr aus.
Als ich Frau Kaufmann wieder in die Kirche gehen sah folgte ich ihr.
Als ich Kirche betrat, konnte ich Frau Kaufmann nicht finden, bis ich in den Schutzkeller ging. Ich wusste nicht, was ich denken sollte, als ich Frau Kaufmann sah wie sie ihren verstorbenen Sohn in den Armen hielt.
Hatte sie uns alle nicht glauben lassen dass ihr Sohn von einer Kugel getroffen worden war. Ihr Sohn sah mich und machte sich von seiner Mutter los und auch sie sah mich jetzt. Ich sah wie ihr Gesicht bleich wurde vor Angst. Sie rührten sich nicht. Ich ging zu ihnen und Frau Kaufmann eilte mir jetzt entgegen und ergriff meinen Arm und drückte ihn fest, zu fest für meinen Geschmack. Ich konnte den Schrecken in ihren Augen sehen.
Erst drohte sie, dann flehte sie mich an. Jetzt verstand ich alles oder zumindest glaubte ich zu verstehen.
Frau Kaufmann hatte wie meine Mutter ihren Sohn tot geredet, um ihn vor dem Krieg zu bewahren. Sie hielt ihn hier versteckt. Jetzt wurde mir klar, warum sie jeden Tag in diese Kirche ging.
Frau Kaufmann streichelte weinend und flehend mein Gesicht. Und jetzt kam ihr Sohn und redete gut auf seine Mutter ein. Sie flehte abermals niemandem ein Wort darüber zu erzählen. Und ich versprach es, denn schließlich hatte ich nichts dagegen, dass sie ihren Sohn hier versteckte und uns glauben ließ, dass ihr Sohn ebenfalls tot wäre. Ihr Sohn kniete vor ihr nieder und jetzt küsste er ihre Hände und netzte sie mit den Tränen eines aufrichtigen Sohnes. Er flehte seine Mutter an sie solle aufhören zu weinen, denn es würde ihm in der Seele weh tun, seine Mutter so zu sehen.
Er wünschte, er wäre lieber Tot, als dass er seine Mutter so zieht. Frau Kaufmann, ganz ergriffen von den Worten ihres toten Sohnes, wandte sich von mir ab und umarmte heftig ihren Sohn, liebkoste ihn zärtlich wie es Mutter gelegentlich zu tun pflegen.
Ich versprach ihnen nochmals, dass ich niemandem etwas davon erzählen würde und ging wieder nach Hause. Ich traf meine Mutter am Fenster. Ich setzte mich betrübt an den Tisch, fragte mich, ob es überhaupt eine Bedeutung hätte, dass ich lebte.
Je länger ich da saß und darüber nachdachte desto stärker wurde der Wunsch in mir in den Krieg zu ziehen.
Wie ich sie dafür hasste, dass ich jetzt selbst den Wunsch verspürte zu sterben.
Warum hörte sie nicht endlich auf damit. Warum übersah sie mich. Warum übersah sie das sie noch einen Sohn hatte der lebte und sie brauchte.
Als Frau Kaufmann aus der Kirche kommen sah, fing sie wieder an, ihrer beider Leid zu beklagen.
Ich weiß nicht mehr was da in mir vorging als ich aufstand und ihr sagte, dass Frau Kaufmann ihren Sohn nur tot gesprochen hätte. Es ist komisch, nach all der Zeit hatte meine Mutter zum ersten mal wieder meine Stimme vernommen.
Ich sagte ihr, dass Frau Kaufmann ihren Sohn in der Kirche verstecken würde.
Ich sah, wie ihre Augen aufflammten. Ich weiß nicht warum ich ihr das sagte.
Hatte ich die Chance erkannt ihr weh zu tun? Es stimmte, ich wollte ihr weh tun.
Meine Mutter ging weg vom Fenster ohne ein Wort zu sagen.
Am nächsten Tag stand meine Mutter schon wieder am Fenster und sah hinaus. Ihre Augen leuchteten plötzlich und ihre Haltung änderte sich und es kam mir vor als würde das Leben zu ihr zurückkehren. Ihre Gesichtzüge wurden weicher und ich erkannte ein Lächeln in ihrem Gesicht, wie ich es gesehen hatte, als noch mein Bruder noch lebte.
Mein ganzer Körper zuckte, als ich das Gewitter von Maschinengewehrschüssen vernahm. Ein Schauer und eine Vorahnung beschlich mich, als ich zum Fenster lief. Mein Herz stockte und ich hatte vor Angst die Luft angehalten.
Als ich am Fenster stand sah ich ein paar Uniformierte Männer mit Maschinengewehren aus der Kirche heraustreten.
Ich glaubte, meine Beine würden jetzt mein Gewicht nicht mehr halten können und ich würde ohnmächtig, doch sie hielten mich.
Meine Mutter sah mich innig und lächelnd an.
Sie sagte, dass ihr Sohn endlich heimgekehrt wäre und streichelte mir dabei übers Kopf.



E.Erus


25.02.02

Kommentare

conny schrieb am 2009-05-20 10:09:04:
sei deiner mom nicht boese. sie ist zutiefst traumatisiert worden durch dieses erlebnis, ihren sohn verloren zu haben. es gibt traumaspezifische behandlungen, wie z.b. emdr, um sie wieder auf normalen leven zu bringen (ca. 10 sitzungen dauert das).... LEBT endlich zusammen und LEIDET nicht mehr zusammen!
michael schrieb am 2007-10-20 15:37:06:
ich find die geschichte irgendiwe verwirrend da man das nicht nachvollziehen kann damit meine ich das ende.du solltest die geschichte neu bearbeiten und ich würd mich freuen wenn du noch mehr deiner geschichten hier setztzum lesen ,denn deine stil gefällt mir.
Ich schrieb am 2007-10-14 22:15:33:
Ich versteh das Ende auch nich wirklich ô.O
holy shit schrieb am 2006-09-27 16:28:46:
you wrote a nice story. thank you i used it with the subject german. we should read five stories to
complete our reading map.
Emma schrieb am 2006-08-09 23:54:49:
Tolle Geschichte!
Obwohl man ab dem Zeitpunkt wo der "tote" Sohn wieder auftauchte, weiß, wies weitergehen wird, hatte ich letztendlich dann trotzdem Gänsehaut!
Nur weiter so! :)
lali et jenny.. schrieb am 2006-05-12 14:25:52:
hey nami uind benni..ich finde euch ziemlich cooooll...bitte schriebt mir mal..ok`` und hhey deine geschichte ist nicht gerade glaubwürdig..aber sie hilft uns bei unserem vorgrarg
yassinmashi@yahoo.de schrieb:
Hallo ich habe gerade deine Geschte gelesen und wie ich die deine Geschte gelesen habe kamen mir die Tränen und ich musst weinen weil deine Mutter sehr gut verstehen das sie sehr viel geweihn hat und ist gut mir leid das dein Bruder nicht mehr lebt musst für dich sehr schwer sein wenn der Bruder beim zweiten Weltkrieg ums Leben kommt Lebe in Frieden
dein mitfühlener Yassin
schneider.benni@web.de schrieb:
viele rechtschreibfehler.. und bei dem text kann ich echt nich weinen .. is komisch dass zu glauben villeicht überarbeitest du denn text nochmal ordentlich.. naja ich geb dir ne 2-
Nami schrieb:
versteh das ende irgendwie gar nicht, aber sonst ganz okay.

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