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Kategorien > Gedichte > Natur

Meine Welt

von Worm

1

Die rot flammende Morgensonne
Entzündet den noch jungen Tag
Küsst mir wach die trägen Sinne
Mit dem ersten Wimpernschlag

Mein Wald erstrahlt im Morgenlicht
So unbeschreiblich elegant
Kleidet er sich nur für mich
In grell leuchtendes Blattgewand

Blaues Gras liebkost mein Bein
Schnupp´re an tiefroten Blüten
Wand´re durch den bunten Hain
Werd´ ihn bis zum Tod behüten

Wie ich durch den Zauber schreite
Vorbei an Pflanz´ und Kreatur
Trägt´s den Blick mir in die Weite
Auf all die Wunder der Natur

Farbenreiche Wasserspiele
Erfüllen mich mit warmer Freud´
Ja, ich lebe, weil ich fühle!
In dieser mir gegeb´nen Zeit

Violette Nebelschwaden
Tauchen aus der Wolkenschar
Weben einen Lebensfaden
In mein schillernd blondes Haar

Kühle Winde zärtlich wiegen
In Gold getauchte Tannen
Über ihnen Regenbögen
Die die Wälder überspannen

Tiefschwarz schimmern kräft´ge Rösser
Sonnengeküsst, so frei und wild
Spiegeln sich verzerrt im Wasser
Malend ein wundersames Bild

Heb´ mein Haupt und blicke hoch
Ins orange Himmelszelt
Das aufgeschlagen wie ein Buch
Von Fried´ und Demut mir erzählt

Über mir am Himmel fliegen
Schwärme bunt schillernder Wesen
Die das Wolkendach durchpflügen
Sich von jeder Fessel lösen

Ein weißer Falke prescht hervor
Kraftvoll schlagend mit den Flügeln
Ein Stückchen fordernder Natur
Keine Macht schafft´s, ihn zu zügeln

Ein Schrei der Ungebundenheit
Bricht hervor aus seiner Kehl´
So trägt´s hinfort, ewiglich weit
Seine stolze Freiheitsseel´

Ich fühle mich dazu gebor´n
Um mich diesem Wald zu widmen
Als meines schlichten Daseins Kern
Lässt er meine Seele atmen

Wo die Erde unter Qualen
Hügel, Berg und Fluss gebar
Wärmen mich sanft Sonnenstrahlen
Fühl´ mich meinen Wurzeln nah

Ich bin alles, ich bin nichts
Der Schöpfung einzigartig Kind
Ein kleiner Teil des Gleichgewichts
Ein Samenkorn im Zeitenwind

Bin ich denn wicht´ger als ein Stein
Der träge dort im Flussbett liegt?
Gleichheit spricht aus jedem Sein
Wenn uns des Schöpfers Waage wiegt

Im Getrieb´ des Weltgescheh´ns
Sind wir alle winz´ge Räder
In eng verwob´ner Existenz
Sind wir Gegner und Brüder

Farbengeschwängert explodiert
Ein dunkler Stern im Abendlicht
Schnuppen fallen auf die Erd´
Regnen mir magisch in´s Gesicht

Aus den Wolkentieren fallen
Erste, schwere Regentropfen
Die, bald in mächt´gen Schwallen
Trommelnd auf die Erde klopfen

Wie die Tränen eines Gottes
Der allen Schmerz der Welt beweint
Und Lebendiges wie Totes
In seiner Traurigkeit vereint

Liebkost das Nass die Erdenhaut
Wind und Sturme nun erwachen
Aufbauschend das Erdenblut
In den Flüssen und den Bächen

Die herabstürzenden Massen
Gnädig Luft und Boden tränken
Wurzeln, Stamm und Blatt benässen
Ihnen Kraft zum Wachsen schenken

Die eis´ge Luft, scheinbar erbost
Schüttelt wild der Bäume Kronen
Es grollt der Donner und es tost
Auf blitzdurchstoch´nen Wolkenbühnen

Des Sturmes Schwester ist die Still´
Welche die höchsten Gipfel wiegt
Auch innewohnt verborg´ner Quell´
Die tief unter der Erde liegt

In diese Ruhe tauch´ ich ein
Wenn einst die Lebenskraft versiegt
Und es mich so, nackt und allein
Zurück in Mutters Schoße trägt

Es ebbt das Farbenmeer zurück
Dämmerung umarmt die Wälder
Eine magische Musik
Durchklingt blutrote Weizenfelder

Ein roter Mond ist nun erwacht
Das Sonnenrad beginnt, zu sinken
Um für die Ankunft der Nacht
In gold´nem Wasser zu ertrinken

Dunkelheit kriecht in mein Reich
Raubt dem Lichte seine Farben
Hässliches wird Schönem gleich
Schatten füllt der Erde Narben

Er wurzelt tief in mir, mein Hain
Er ist so schön und doch so wahr
Besinne mich, kehr´ in mich ein
Eines werd´ ich mir gewahr

Alles kommt und alles geht
Verkenne nie des Atems Wert!
Das Rad sich langsam weiterdreht
Bis sich der Lebensglanz entfärbt

Ob du blühst oder verwelkst
Du bist Teil des Großen Ganzen
Nur die heil´ge Schöpfung selbst
Zieht für dich des Daseins Grenzen

Sie ist die Kraft, die Leben nährt
Bestimmt, dass es auch sterben muss
Sie ist die Stimm´, die Weisheit lehrt
„Erkenne, alles ist im Fluß!“

Das Flüstern schleicht sich an mein Ohr
Erzählt mir von dem Geist der Bäume
Eine and´re Welt öffnet ihr Tor
Lockt mich in das Tal das Träume

Im Reich der knospenden Gedanken
Selt´ne Geistesblumen blüh´n
Die an meinen Träumen ranken
In saft´gem traumgebor´nem Grün

Das Traumgeheimnis Sehnsucht schürt
Nach in mir verborg´nen Wegen
Ob es mich wohl dahin führt
Wo ein Mensch beginnt, zu fliegen?

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Kommentare

lexa schrieb am 2006-09-12 13:37:20:
Möchte Dir einmal ein tiefempfundenes, warmes Danke für Deine genialen Gedichte sagen. Sie berühren mich alle sehr, so verschieden sie auch sein mögen. Zu Tränen gerührt, himmelhochjauchzend - zu Tode betrübt; einfach nur schön. Und das ist maßlos untertrieben. Behüte diese Gabe wohl!

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