Meister YUN und das Spiel der Wolken
von
Master of Dreams
1
2
Meister YUN und das Spiel der Wolken !
Der weise Mann erstaunt den König…
(真空地帯)
Eine neu überarbeitete Fassung einer alten Chinesischen Sage von H. G.
Vor langen Jahren, weit vor unserer Zeit, lebte im Lande SCHO ein weiser und gelehrter Mann mit Namen YUN PU TAU. Feinde waren in das Land eingedrungen und brachten große Not über die Menschen. Sie hatten eine Festung unweit der Grenze durch Verrat erobert und zogen von dort aus sengend und mordend durch die angrenzenden Landstriche. Die Festung war sehr schwer zugänglich und zudem noch durch eine riesige Dornenhecke vor Überraschungen geschützt. König WU LING, der Herrscher des Landes SCHO, hatte in drei Jahren drei Angriffe auf diese Festung unternommen - jedoch alle vergeblich!
Als er im Herbst des dritten Jahres wiederum miterleben musste, wie seine Männer elend in der Dornenhecke zu Grunde gingen, sah er mit Bitterkeit und Trauer im Herzen unweit seiner Position einen Mann auf einem kleinen Hügel stehen, der das alles beobachtete und immer wieder den Kopf schüttelte.
Er ließ den Mann zu sich bringen und stellte ihn zur Rede: ,,Was schüttelst du den Kopf, du Narr, während die tapferen Krieger ihr Blut vergießen?'' Der Mann antwortete: ,,Trauer umfängt mein Herz, oh mein König, weil sie so unnütz sterben!'' König WU erwiderte: ,,Das ist nun mal das Los der Soldaten, was kannst DU schon daran ändern, bist du ein Zauberer? Oder etwa doch nur ein Narr, der sich einen Spaß macht?'' Der Mann verbeugte sich respektvoll und erwiderte: ,,Mein Name ist YUN PU TAU und ich bin nur ein einfacher Gelehrter - aber ich denke doch, dass ich das Los Eurer Soldaten etwas glücklicher gestalten kann!'' ,,Wie das?'' Meister Yun sagte nur: ,,Gebt mir 10 Jahre Zeit, oh mein König - und die Festung sei Euer!''
König WU dachte nach und nickte schließlich zustimmend: ,,Nun gut, Meister YUN, morgen in 10 Jahren sehen wir uns wieder. Und wenn Ihr dann Euer Wort nicht halten könnt - lass' ich Euch den Kopf zwischen die Füße legen!!!'' Sprach's und zog mit seinen überlebenden Kriegern ab.
König WU hatte natürlich auch, so wie JEDER weise Herrscher, seine Späher und Melder im ganzen Land verteilt. Einen Trupp besonders vertrauenswürdiger Männer beauftragte er nun eigens, sich NUR um die Angelegenheiten des Meisters YUN zu bekümmern. Diese Männer erstatteten auch jedes Jahr getreulich ihren Bericht an den Hof:
Im ersten Jahr lautete der Bericht: Meister Yun geht durch den Landstrich spazieren, betrachtet die Wolken und macht sich Notizen.
Im zweiten Jahr berichteten sie: Meister Yun bleibt zu Hause und macht mit vielen Helfern Unmengen von feinem Papier.
Im dritten Jahr kam die Meldung: Meister Yun und seine Helfer kleben kleine Tüten - das halbe Papier ist schon verbraucht.
Im vierten Jahr hieß es: Meister Yun schickt seine Helfer aus, um Bambus zu schneiden und er selber geht wieder spazieren.
Der Bericht des fünften Jahres verhieß: Meister Yun und seine vielen Helfer bauen kleine Drachen - das gesamte Papier ist jetzt alle!
Im sechsten Jahr meldeten die Späher: Meister Yun sammelt mit seinen Helfern Flachs und Flechtbinsen und spinnt mit ihnen Unmengen von dünnen, aber festen Schnüren.
Die Botschaft des siebenten Jahren hingegen lautete: Meister Yun unternimmt mit seinen Helfern weite Spaziergänge durch die Wiesen des Landstrichs und erklärt ihnen die verschiedenen Pflanzenarten.
Im achten Jahr berichteten die Boten: Meister Yun und seine Helfer lassen von zwei bestimmten Hügeln, unweit der Festung, die Drachen des fünften Jahres steigen - es sei ein regelrechter WETTKAMPF entbrannt.
Im neunten Jahr sahen die Beobachter nichts von Meister Yun. Es hieß: Meister Yun sei zu Hause, widme sich seinem Weibe und den schönen Künsten.
Auch im zehnten Jahr wussten die Späher nichts anderes zu berichten: Meister YUN macht nichts!!!
König WU nahm nun zornentbrannt eine Armee seiner besten Krieger und begab sich wiederum zur Festung - die 10 Jahre waren um! Am Morgen nach Ablauf der Frist beschied er Meister Yun zu sich und herrschte ihn an: ,,Schau her, hier bin ich! Auch der Scharfrichter ist selbstverständlich mitgekommen!!!''
Meister Yun bezeugte kniefällig seinen Respekt vor dem Gesetz und erwiderte gesenkten Hauptes: ,,Ich bin untröstlich, Euer Majestät, dass der Scharfrichter nichts zu tun bekommen wird - aber meine Helfer sind gerade dabei, das trockene Gras dieses Sommers, welches am Fuße der Dornenhecke so üppig wuchs, anzuzünden! Wenn Ihr Euren Männern bitte den Angriffsbefehl geben wolltet, so bin ich sicher, dass die Festung noch VOR Sonnenuntergang Euer sein wird!''
Während König WU LING diesem Ansinnen nachkam, erstattete Meister Yun Pu Tau Bericht: Zuerst beobachtete ich die Wolken, um in Erfahrung zu bringen, zu welcher Zeit welche Winde vorherrschten. Danach wurde Papier hergestellt und die eine Hälfte wurde zu Tüten verarbeitet. Im vierten Jahr wurde der Bambus geschnitten, während ich die Beobachtungen der ersten Jahre wiederholte, um zu sehen, ob sich etwas verändert hatte. Als ich im siebenten Jahr durch die Wiesen zog und noch mal nach den Wolken sah, sammelten meine Helfer, während ich dozierte, unbemerkt Grassamen ein. Diesen Samen tat ich in die Tüten des dritten Jahres, hingen selbige an die Drachen des fünften, beleint mit den Schnüren des sechsten Jahres. Im achten Jahr nun ließ ich die ganzen Drachen steigen. Die besten Startplätze erkannte ich aus den Beobachtungen des ersten und des vierten Jahres. Die Drachen nun verfingen sich beim Niedergehen in der Dornenhecke - und der Samen wurde gesät! Im neunten Jahr waren die Feinde noch aufmerksam und mähten das Gras unter der Hecke nieder. Diese Aufmerksamkeit ließ aber im zehnten Jahre nach, so dass Eure Soldaten nun die Feinde niederringen können - weil es KEINE Hecke mehr gibt!
So halfen meine bescheidenen Kenntnisse der Natur mir dabei, mein gegebenes Wort zu halten, Euch zu einem Sieg über unsere Feinde - und den ehrenwerten Scharfrichter um seine Arbeit zu bringen." Sprach's und verbeugte sich erneut respektvoll.
König WU war hocherfreut, pries die Weisheit des Meisters YUN über alle Maßen und wollte ihn mit Ämtern und Ehrungen überhäufen. Er nötigte ihn sogar, mit ihm zu kommen, um sein Erster Ratgeber zu werden. Meister Yun aber wollte von alledem nichts wissen: ,,Euer Majestät können jederzeit meines Rates und meiner Hilfe gewiss sein, aber lasst mich bitte hier.'' Auf die Frage nach dem WARUM ist folgende Antwort überliefert: ,,Euer Majestät bescheidener Diener hat Gefallen am Spiel der Wolken über den Bergen gefunden - und diese kann man leider nicht mitnehmen.''
Ende
Ich hoffe ihr hatte ein wenig Spaß an der kleinen Geschichte euer
1
2
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen