Men in black
von
Veronica Wallner
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Süßer Geruch stieg mir in die Nase. Ich schlug die Augen auf und der Geruch verschwand. Dafür stieg nun Übelkeit in mir auf, als ich mich aufrichtete und mich um blickte. Blut überall war Blut und Leichen. Ich stützte mich an der Wand ab um nicht umzukippen und schloss noch einmal die Augen, aber als ich sie wieder öffnete, waren das Blut und die Leichen noch immer da. Ich schmeckte Blut an meinen Lippen, aber mein Aussehen passte nicht zum Rest des Raums.
„Was war passiert?“, fragte ich mich. Ich erinnerte mich, dass wir hier eine Konferenz hatten. Es war ziemlich langweilig, den wir fünfzehn trafen uns fast jeden Monat um über das Geschehen im Betrieb zu diskutieren und da kam nicht viel zusammen. Dann hat Sandra beim Schälen ihres Apfels sich in den Finger geschnitten und ab da? Das nächste was ich wusste, war mein Aufwachen hier an der Wand. Und dreizehn von uns waren tot, nur Paul und ich waren noch am Leben. Aber wo ich beinahe unverletzt war, hatte Paul nicht so viel Glück gehabt, er lag mit offener Kehle wenige Meter von mir entfernt und rang röchelnd nach Luft. Ich eilte zu ihm hinüber. Seine braunen Augen blickten ins Leere, aber er hatte mich kommen hören und wich so weit vor mir zurück, wie es ihm möglich war. Darum ließ ich von ihm ab. Paul bäumte sich unter einem Hustenanfall auf und spuckte Blut. Dann erschlaffte sein Körper und ich wusste, dass er tot war.
Panik stieg in mir auf und ich betrachtete noch einmal meinen Körper, aber außer der aufgesprungenen Lippe hatte ich keine Verletzungen. Ich wirbelte herum, als in meinem Rücken die Tür aufging und wich zur Wand zurück, aus Angst es könnte der Mörder sein. Ich stolperte über einen am Boden liegenden Stuhl und blieb in einer Blutlache sitzen.
Fünf Männer kamen herein. Die vordersten vier kannte ich nicht, aber mit ihren dunklen Anzügen, den bleiche Gesichtern und den ernsten Minen erinnerten sie mich an den Film „Men in black“. Der fünfte war Ronald, mein Freund seit fast drei Monaten.
Er zog mich hoch – mir war nicht einmal aufgefallen, dass ich noch am Boden saß – und trieb mich ganz zur Wand. Erneut stieg mir der süße Geruch von Blut in die Nase, denn unweit von uns entfernt lehnte Markus Leiche an der Wand. Roland stellte sich schützend vor mich, während die „Men in black“ die Toten im Raum beäugten und Paul mit einem silbernen Dolch enthaupteten. Mein Magen rebellierte, als Blut aus dem abgetrennten Rumpf floss und ich begann am ganzen Körper zu zittern. Ronald hielt mich schützend fest und beobachtete jede ihrer Bewegung der vier Männer, die mit ihm herein gekommen waren.
Dann trat der, der Paul den Kopf abgeschnitten hatten auf uns zu. Er blieb vor uns stehen und erst als er sprach, merkte ich, dass sie eigentlich eine Frau war: „Tritt zur Seite Roland.“
Als er sich nicht von der Stelle rührte, wandte sich auch die anderen drei – die wirklich Männer waren – uns zu.
„Weg von ihr.“, wiederholte die Frau mit den kurz geschworenen schwarzen Haaren ruhig: „Du siehst was sie angestellt hat, sie hat gegen das Gesetz verstoßen.“ Ich folgte ihrer Handbewegung mit den Augen und schüttelte den Kopf. „Niemals, so etwas würde ich nie tun.“ Aber mir war es als hätte sie mich mit ihren Worten in eiskaltes Wasser gestoßen und ich nahm alles in dem Raum deutlicher wahr. Der Tisch, der genau in der Hälfte gebrochen war und auf dem die Kopflose Leiche von Sandra lag. Aber wo bei Paul der Kopf fein säuberlich abgetrennt worden war, sah Sandras Leiche so aus, als hätte jemand ihr einfach den Kopf von den Schultern gerissen. Der Kopf selbst lag am Boden, das blutige Gesicht blickte zur Decke hoch und ein Teil der Wirbelsäule ragte aus dem Zerfetzten Hals hervor. Mir wurde erneut schlecht. Überall lagen umgekippte Stühle und Leichen, die nicht weniger schlimm zugerichtet waren als die von ihr. Nein zu so etwas hätte ich doch nie die Fähigkeit es zu machen.
„Sie hat nichts von dem Gesetz gewusst.“, antwortete Roland, der sich zu der Frau umgedreht hatte, mich jedoch noch immer mit seinen Armen und seinem Rücken von den anderen abschirmte.
„Unwissenheit schützt nicht.“, unterbrach der größte der Männer ihn.
„Sie hatte nicht einmal gewusst, dass sie für Menschen gefährlich sein kann, dass sie eine von uns ist. Ihre Verwandlung war ein Versehen meinerseits und ich bin noch nicht dazu gekommen, es ihr schonend beizubringen.“
Ich hatte keine Ahnung, was Roland mit dieser Aussage meinte, aber mir war bewusst, dass er die Schuld auf sich selbst schob.
„Du nimmst sie also in Schutz.“, fragte die Frau, ihre Stimme war so emotionslos wie die Ansagen am Bahnhof.
Mein Freund nickte langsam. „Ja das tue ich, Nora.“
„Das hier war gegen das Gesetz und jemand muss dafür bestraft werden. Bist du sicher, das du die Konsequenzen tragen willst.“
Roland nickte erneut, nun zögernder dennoch bestimmt. „Ich bin ihr Schaffer und habe versäumt, sie darüber auf zu klären. Wenn die Schuld jemanden trifft, dann mich allein.“
Mir schien es als husche ein Schatten über Noras Gesicht, dann fing sie sich wieder: „Wenn das so ist...du kennst unsere Strafen und das Gesetz macht auch nicht vor meinem Bruder halt.“
Roland seufzt und strafte den Rücken. „Jetzt?“ Seine Frage war kaum mehr als ein Lufthauch.
Die Frau nickte.
Jetzt wandte sich mein Freund das erste mal an mich: „Tut mir Leid, dass du es auf diese Weise erfahren musstest, was ich aus dir gemacht habe. Aber Nora oder einer der anderen wird dir schon beibringen, wie du diese neue Existenz kontrollieren kannst.“ Damit trat er zur Seite.
Ich verstand den Sinn hinter seinen Worten einfach nicht, aber ich kam auch nicht mehr dazu ihn zu fragen. Einer der Männer kam auf mich zu und zog mich beiseite. Er hielt mich mit dem Gesicht zu seiner Brust an sich gedrückt, so das ich nichts mehr sah. Aber ich brauchte nichts sehen um zu wissen, dass sie Roland nun dafür bestraften, was ich angeblich getan hatte. Keiner von ihnen machte irgendwelche verdächtigen Geräusche, weder die drei in Schwarz noch mein Freund.
Nur wenige Sekunden später war es vorbei. Der Mann ließ mich los und ich wirbelte herum. Roland hatte keine sichtbaren Verletzungen, aber er lag reglos am Boden und ich wusste, dass er ebenso tot war, wie Markus, Paul und alle anderen meiner früheren Arbeitskollegen. Tränen stiegen mir in die Augen und ich wollte zu ihm hin laufen. Nora hielt mich zurück und zog mich mit sanfter Gewalt aus dem Raum.
Als wir auf dem Gang waren, nahm der Mann, der mich festgehalten hatte, etwas aus seiner Tasche und ging allein zurück in Raum mit den vielen Leichen.
„Warte noch bis wir weg sind.“, meinte der größte von ihnen.
Wir verließen das Gebäude über die Feuertreppe. Ich setzte gerade meinen Fuß auf die letzte Stufe, als über uns eine Explosion zu hören war, die Gläser des Konferenzzimmers zerbrachen und eine Stichflamme daraus heraus schoss. Ich war die einzige die bei diesem Geschehen zusammen zuckte, alle anderen schienen es nicht einmal zu merken.
„So“, begann Nora als wir alle am
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