Menschen
von
pinkyrose
1
Ich stehe in der U-Bahn. Versuche mich so gut es geht an der Haltestange der überfüllten Bahn festzuhalten.
Es ist Sommer. Überall schwitzende Leute. Es riecht ekelhaft nach Schweiß. Auch die geöffneten Fenster können nichts dagegen tun.
Neben mir ein Mann. Ziemlich übergewichtig. Ich mustere ihn von oben bis unten. Er schwitzt wie ein Irrer. Sieht aus, als hätte man ihm einen Eimer Wasser über den Kopf geleert. Und dabei röchelt er auch noch.
Sehe wie die Leute sich angeekelt von ihm abwenden. Mindestens drei Leute hätten um ihn herum noch Platz.
Mühsam kramt er ein Stofftaschentuch aus seiner Hosentasche. Röchelt dabei noch mehr. Noch mehr angeekelte Blicke.
Er tupft sich seine Halbglatze ab, von wo der Schweiß schon in Bächen herunterläuft. Als er es wieder in seine Tasche stopfen will, fällt es ihm runter. Ich mache ihm etwas Platz. Trete dabei einem anderen versehentlich auf den Fuß. Entschuldige mich höflich. „Mensch, können sie nicht aufpassen, Sie Trampel?“, bekomme ich an den Kopf geworfen.
Wende mich wieder ab. Der Mann hat sein Taschentuch inzwischen wieder weggepackt. Stehe wieder direkt neben ihm. Als einzige in der ganzen Bahn. Die anderen halten alle ihren Abstand zu ihm.
Sein schweißiger Geruch dringt mir in die Nase. Ich kräusele unauffällig die Nase etwas und mustere sein Gesicht.
Breit, fleischig. Große Nase, kleine Augen. Kein unbedingt schöner Anblick.
Mein Blick schweift über die anderen Leute in der Bahn. Sehe eine hübsche junge Frau mit langen braunen Haaren. Die Männer gaffen sie an. Fehlen nur noch die aufgeklappten Münder.
Die Bahn hält. Jemand stolpert und rempelt mich an. Ich verliere mein Gleichgewicht und falle gegen die hübsche junge Frau. Entschuldige mich höflich, wie ich es bei der anderen Person schon zuvor getan habe.
Von ihr bekomme ich nur einen verächtlichen Blick und „Mensch, Sie sind aber auch ungeschickt! Fast wären sie auf meine neuen Schuhe getreten! Die waren teuer!“
Als ich mich wieder umdrehe, sehe ich, wie der Mann, dessen Schweißperlen die Sonne reflektieren, mich freundlich anlächelt. Der erste nette Blick heute.
„Machen Sie sich nichts draus. So was krieg ich dauernd zu hören“, sagt er. Keinesfalls von Selbstmitleid triefend. Eher von Mitleid mit den anderen Leuten.
An der nächsten Station steige ich aus. Noch einmal habe ich mich zu dem Mann umgedreht. Hat mir kurz lächelnd zu gewunken.
Vor mich hinlachend mache ich mich auf den Weg nach Hause.
Was sind wir eigentlich für Menschen? Haben Vorurteile gegen Menschen, die nicht dem heutigen Schönheitsideal entsprechen. Dabei hatte dieser Mann doch Recht. Mit den anderen Leuten sollte man Mitleid haben. Die sich hinter einer Maske verstecken, alles dafür tun perfekt zu sein.
Vielleicht sieht er nicht toll aus, hat Übergewicht, aber er hat eine Seele.
Die Frau, wunderhübsch, alle schauen sie an. Doch was bringt ihr das, wenn sie keine Seele hat? Versteckt hinter ihrer Maske.
Zu dumm, dass ihm keiner zuhört.
1
Kommentare
christoph schlüter schrieb am 2006-10-09 23:27:47:
Gefällt mir sehr. Toll wiedergegeben, beinahe gleichnishaft. Super geschildert. Tja, so sind wir Menschen. Leider kann sich niemand wirklich von derartigen Verhaltensweisen freisprechen.
Jeder hat in irgendeiner Form eine art vobn Vorurteilen oder Voraburteilen. Leider. Daher um so nötiger, das man diesen menschlichen Charakterzug bewußter macht, was Dir ehrlich klasse gelungen ist.
Gruß, Chris.
pinkyrose schrieb am 2006-07-22 10:59:02:
wow, dankeschön. ehrlichgesagt war ich beim abschicken nicht hundertpro überzeugt von der geschichte, aber
ich dachte, ich lass es mal drauf ankommen ;)
freu mich, dass es euch gefällt und ich werd versuchen mir auch die kritik natürlich zu herzen zu nehmen ;)
vlg pinky
Heather schrieb am 2006-07-20 22:49:18:
Oh wie recht du nur hast.... ich hasse diese oberflächliche Welt einfach nur, in der man nur wenn man schön ist akzeptiert wird. Genau aus diesem Grund glaube ich nicht an die Liebe, weil sie nur an irgendwelchen Oberflächlichkeiten fest gemacht ist.
Du bist die erste die über das Thema schreibt und ich bin stolz, dass es noch menschen gibt die so denken wie ich. die Geschichte finde ich einfach nur genial und du hast es auf den Punkt gebracht.... auf der Erde laufen so viele Wesen rum, aber niemand schaut in die Seele eines Menschen..... Mach bitte weiter so.
Leanyka schrieb am 2006-07-20 22:05:38:
Die Aussage der Geschichte ist sehr gut, nur liest sie sich leider noch etwas abgehackt. Manche Sätze vielleicht noch etwas mehr miteinander verbinden, ist dann flüssiger ;-)
lieben Gruß,
Leanyka
Kommentar hinzufügen