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Kategorien > Alltag > Beobachtung

Menschen 2

von pinkyrose

1

Mal wieder stehe ich in der S-Bahn. Heute ist ein eisiger Tag, es fallen die ersten Schneeflocken.
Trotz dass ich mir meinen extra dicken Schal umgewickelt, Handschuhe angezogen und meine Winterjacke ausgegraben habe, friere ich. Entweder leidet der Fahrer an Vergesslichkeitssyndrom und vergaß die Heizung anzumachen oder sie ist – wie so oft irgendetwas - kaputt.
An den Fensterscheiben zeichnen sich winzigkleine Eissterne ab.
In dem Sitz neben mir telefoniert eine junge Frau, sehr overdressed, bestimmt irgendein hohes Tier, aufgeregt mit ihrem Handy. Plötzlich lacht sie laut und beinahe hysterisch auf. Hoch und ironisch klingt dieses Lachen. Es schallt mir furchtbar in den Ohren bei dieser klirrenden Kälte.
Mit den Zähnen klappernd fummle ich mir meinen kleinen Notizblock aus der Jackentasche mit dem daran angebrachten Stift.
Die S-Bahn hält an. Neben mir wird ein Platz frei und ich lande bei ein paar kichernden Teenagern. Es ist dieses typische Kichern, heranwachsender Mädchen, die einerseits etwas zu verbergen haben, worüber sie lachen, aber andererseits Aufmerksamkeit erregen wollen. Frei nach dem Motto: Ich weiß was, was du nicht weißt.
Ich blättere durch die unzählig vollgekritzelten Seiten in meinem Notizblock. Alles Beobachtungen meiner täglichen Fahrten mit der S-Bahn.
Als ich meinen Blick hebe, sehe ich wie eines der Mädchen in meine Richtung zeigt. Ich fasse mir schon an die Nase, bestimmt ist sie mal wieder knallrot, doch dann bemerke ich, dass sie nicht mich anschaut.
Unauffällig werfe ich einen Blick hinter mich. Da sitzt ein echt süßer Typ, ein paar Reihen weiter, aber für mich wohl etwas zu jung.
Ich sehe wie er etwas nervös auf seinem Platz herumrutscht. Wie es aussieht hat er bemerkt, dass die Mädchen über ihn reden. Doch schließlich ringt er sich zu einem netten Lächeln durch und ich höre aufgeregtes Luft schnappen aus Richtung der Girlsgroup.
Gerade setzte ich meinen Stift an, als die Bahn mit quietschenden Bremsen hält. Ich kratze etwas von der Fensterscheibe frei und sehe, dass wir schon an der nächsten Station sind, als die Mädchen schon wieder aufgeregt kichern.
Genervt, aber doch interessiert, drehe ich meinen Kopf noch einmal um und sehe wie der süße Typ in unsere Richtung kommt.
Die Türen gehen auf.
Der Typ kommt näher. Ein Blick zu den Mädchen, dann ein Lächeln und schließlich ein kleines Lachen.
Er steigt aus. Die Türen schließen sich.
Enttäuschtes Aufstöhnen von den Mädchen.
„Süßes Lächeln, nicht?“, sage ich zu den dreien. Verwirrte Blicke, ich grinse nur in meinen Schal hinein.
Schließlich setze ich ohne weitere Zwischenfälle meinen Stift auf das kleine Blatt Papier:

Das Lachen der Menschen.
Es unterscheidet uns voneinander wie unsere Fingerabdrücke.
Jeder macht es anders, jeder fühlt es anders.
Ob klein, groß, leise, laut, hoch oder tief, ehrlich oder gekünstelt…
Es macht uns aus.

Die U-Bahn hält und die kichernde Mädchenbande steigt aus. Dafür setzt sich ein verliebtes Pärchen zu mir. Sie tauschen zärtliche Küsse aus und man kann sehen wie viel sie einander bedeuten. Fast blättere ich um. Aber das ist eine andere Geschichte.
Er flüstert seiner Freundin etwas ins Ohr, worauf sie ein verliebtes und ehrliches Lachen von sich gibt. Es hört sich schön an, hat irgendwas zauberhaftes an sich.

Jedes Lachen hört sich anders an.
Doch jedes ist auf seine ganz eigene Art und Weise wunderschön.
(An dieser Stelle sei angemerkt, dass Lachen zudem noch gesund ist!)
Was denke ich eigentlich, wenn ich lache?…
Nichts. Mein Kopf ist frei und leer.
Für einen kurzen Moment können wir alle unsere Sorgen vergessen.
Wieso lachen wir dann nicht alle mehr?
Es ist so einfach und doch so schwer…

Ich höre hinter mir ein belustigtes, aber nettes Lachen. Stirnrunzelnd drehe ich mich um.
Da sitzt ein Mann, mit ganz vielen Lachfalten um die Augen. Am liebsten hätte ich sie gezählt.
„Sie haben wohl ein Fable fürs Leutebeobachten, oder? Und ich dachte schon ich bin der einzige auf der Welt, der so was macht! Möchten sie wissen über was ich schon alles geschrieben habe? Einmal zum Beispiel habe ich über die verschiedenen Weisen geschrieben, wie die Leute sich schnäuzen…“
Zuerst ist mein Blick verwirrt. Doch dann hellen sich meine Augen auf.
Ich lache aus vollem Hals.

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Kommentare

Lexa schrieb am 2006-10-21 15:22:06:
Das ist mal eine hübsche Geschichte nach meinem Geschmack, wirklich gut beobachtet, das Leben.
Ja, es ist so einfach ein Lächeln zu verschenken, warum fällt es so vielen so schwer, vielleicht , weil sie noch keins bekommen haben. LG Lexa
christoph schlüter schrieb am 2006-10-18 01:27:03:
Gewohnt gut. Du solltest wirklich eine kleine Kurzgeschichtensammlung zum Thema "Menschen" anlegen.
Du bist in der Tat eine wirklich gute Beobachterin. Klasse. Das machst Du sehr gut.

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