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Kategorien > Kurzgeschichte > Einsamkeit

Merkwürdige Dinge sind geschähen

von Alexander de Wiljes

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Merkwürdige Dinge sind geschähen
1. Teil
„Gott verdammt, diese dunstige Straße, dieser staubig verschwommene Nachmittag. Ich atme die Stille ein, wie niemals zuvor. Da ist ein Gefühl, dass mir nur noch diese eine Zigarette bleibt. So liege ich wach, und warte darauf, dass du aus der Morgendämmerung kommst. Oh vielleicht kann ich es mit dir teilen. Ich bemühe mich, so dass ich es kann. Du bist nicht allein, du, einsame Frau; du hast es vergessen, aber ich erinnere mich. Merkwürdige, ja sehr merkwürdige Dinge sind geschähen, ich weiß. Ich bin nicht allein, einsame Frau, ich vergaß, aber nun erinnere ich mich. Merkwürdige Dinge sind geschähen – ich weiß.
Ich träume manchmal von einem Ort, wo rauch die Luft erfüllt, wenn ich wach liege und davon träume wie du in die Morgendämmerung gehst. Ich kann mich nicht verändern, aber wer willst du, dass ich bin. Ich bin derselbe, wie willst du mich haben. Du bist nicht allein, kleine traurige Miss, du vergast, aber ich erinnere mich.
Merkwürdige dinge sind geschähen, ich weiß.“,
fuhr es Dave durch den Kopf, als er dalag – in der Sonne, und die Augen geöffnet hielt. Er erwachte wieder und schaute sich verwundert um. Am Rand einer staubigen Straße fand er sich plötzlich wieder. Die Sonne viel auf ihn nieder, nichts schützte ihn, kein Baum, der hätte Schatten spenden können war weit und breit zu sehen, nur die Trostlosigkeit einer einsamen Steppe, die sich in eine Wüste zu verwandeln schien. Der Boden links und rechts des Weges war, zerrissen und brüchig. Eine kleine Rinne auf der rechten Seite schien von einem kleinen Fluss zu sprechen, der sich hier einst seinen Weg gebahnt hatte. Doch das war jetzt unvorstellbar. Dave spürte wie die Zigarette an seinen trockenen Lippen klebte. Als er versuchte sie zwischen Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand zu nehmen, geleitete er an ihr entlang und verbrannte sich dabei die Fingerkuppen. Aus Frust schmiss er sie der Wüste entgegen. Langsam stand er auf und klopfte sich dabei den Staub von den Kleidern. Nachdem er sich in voller Länge aufgehieft hatte verharrte er einige Sekunden regungslos. Sein Kopf schmerzte, die Hitze wirkte auf ihn, plötzlich spürte er wie die Sonnenstrahlen in die Haut bissen. Kleine flimmernde Sterne schwirrten am oberen Rand seines Sichtfeldes. Mit tiefen Atemzügen röchelte er, erst heftig, dann immer ruhiger und schmeckte dabei den Staub auf seiner Zunge, der sich mit dem Speichel zu einer schlammigen Masse verbunden hatte. Erst wollte er spucken, doch die eklige Flüssigkeit in seinem Mund war ihm doch zu kostbar. Mit seiner linken Rückhand wischte er sich über die Stirn, die voller Schweiß war. Auf einmal war alles wieder so fern. In seinem Traum war zwar alles verschwommen und schemenhaft, doch es schien ihm wirklicher als das was er um sich erblickte. In der Wüste ist jedes Leben fremd. Nur Trotz und Widerstandskraft können ihr entgegenstehen. Niemand liebt die Wüste, auch wenn er sie sucht oder gar seine Heimat nennt. Der Kopf als unerträgliche Last auf seinen Schultern, benebelt in Trance und dunkler Trunkenheit versuchte Dave einen ersten Schritt zu machen. Geht er nun vor oder zurück? Weiß er es?
Monoton, bedeutungslose, brennende Verzweiflung und ein Rauschen zwischen den Ohren. Alles betäubt durch Alkohol, kein Weg nach vorne, kein Weg zurück. Er sieht sich nicht, nicht mehr, nicht wieder.
Die Erinnerung an eine Flasche Whisky kam wieder, so schmerzhaft, brutal und schonungslos, das die Taubheit der Empfindung weicht.
Fremde, Ferne und Dämmerung fühlte er in sich. All das wirkte auf ihn ein – viel auf ihn nieder und er schaute sich um, doch fand er nichts, dass ihn zu einer Erinnerung hätte verleiten können. Schweiß lief ihm Nacken und Rücken hinunter. Dave fühlte sich losgerissen, fern von jeder erdenklichen Wahrheit. Der Alkohol ließ seine Gedanken schweifend und träge mit seiner Umgebung verschmelzen. Von keinem Gedanken den er in seinen Kopf modellierte, konnte er die Bedeutung erkennen, sie waren unklar und verschwommen, als gehörten sie nicht zu ihm, als hätte er sie ungewollt, aus fremder Hand übernommen und sich zu eigen gemacht, dabei hatte er all sein Früher scheinbar vergessen.
Einen Fuß nach dem anderen zog er schlürfend über den trockenen, harten Boden unter seinen Solen. Eine Spur verfolgte ihn, verriet wo er herkam. Man sah sie dort, wo er im Graben gelegen hatte plötzlich abrechen, doch nach einer kurzen Pause führten sie unbeholfen und schwach weiter, bis sie direkt an seinen Schatten schlossen. Was lag hinter ihm, das er so fürchtete? Er konnte seiner Einsamkeit nicht entfliehen, hier spürte er sie sogar in jeder Faser seines Körpers.
Er dachte an das zurück, was er nun sein früheres Leben nannte. Was sind all die Kleinigkeiten die einen in dieser fernen, so weit entfernten Welt doch ausmachen, wenn man hier alleine, in der Wüste ist? All das Geld, alle Freunde, Familie und Geschichte spielen auf einmal keine Rolle mehr. Und sie? Sie war es die er mit seinen Blicken suchte, wenn er sich wieder einmal hektisch umdrehte, von dem Gefühl übermannt, die Antwort die er suche könne hinter ihm liegen. Doch dann wusste er es wieder, von hier aus gab es kein zurück mehr. Die öde Steppe die ihn umgab, war zuflucht, halt und der Ort an dem er nicht sein wollte. Wie als wäre ein unsichtbares Seil um in gelegt, das stürmisch und gefühllos an ihm zerrte, stolperte er Schritt für Schritt voran, schwankend und unsicher wie eine hinterher gezogene Dose.
Dave spürte nur noch den Talg in seinen Mund. Mit der Zunge durchforstete er alle Winkel seines Rachens, doch überall verspürte er nur dieselbe unwirkliche Lähmung. Alles war ihm egal und als hätte ihn dieser Gedanke erst jetzt erreicht schüttelte er seinen Kopf in einer Geste der Ablehnung, mit einem Lächeln, das so verzagt und höhnisch wirkte, wie das eines zum Tode verurteilten auf dem Weg zum Schafott.
Sein Zustand wurde unerträglich. Außer dem Weg gab es keinen Orientierungspunkt – verloren im Staub. Das wässrige Flimmern über dem heißen Sand breitet sich über die endlose Landschaft aus. Nicht einen einzigen Hügel konnte Dave erkennen. Die Verzerrung breitete sich über allem was er sah aus. Es hat etwas von einem stillen großen Teich, der durch unendlich viele Steine gebrochen wird und keine Ruhe mehr findet. Dave blieb stehen, schloss die Augen. Langsam fasste er in seine Tasche und holte eine zerknautschte Kippe hervor. Die Augen immer noch geschlossen zündete er sie sich mit einem Streichholz an. Doch die Hitze des kurz aufflammenden kleinen Stäbchens schien ihm das Gesicht völlig zu versenken. Tief atmete er den ersten Zug ein und ließ das Streichholz mit einer unbestimmten Wut einfach fallen. Er sah es nicht, doch er wusste, dass es noch immer brannte. Es würde immer schwächer werden und sich selbst verzehren. Aus irgendeinem Grund gefiel ihm dieser Gedanke, auch wenn er begann,

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