Mexicobra
von
Schattenschalk
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Er lag da, auf der Pritsche und kaute auf einem Zahnstocher herum. Unrasiert, ein dreckiges Tank-Top, Militärhose und Kampfstiefel. Auf seinem Kopf wucherte eine verwuschelte Frisur. Insgeheim beneidete ich ihn um seinen gestählten Körper. Er musste überhaupt nichts dafür tun. Wenn ich nur einen Pfannkuchen ansah, wuchs mir eine Fettschicht. Rinco war unser Panzerkommandant. Ein echt fieser Drecksack. Wir hatten ihn erst seit einer Woche und schon hassten wir ihn wie die Pest. Außer mir gab es noch den Richtschützen, Malcom Towers. Ein stiller Denker, mit der Lizens zum schweigen. Dann war da noch der junge Luke Spizzel. Luke war noch sehr jung. Gerade erst 18. Aber er war ein Navigationsgenie. Darum war er so früh in den Einsatz geschickt worden. Er sah sich einige Minuten topographische Karten an. Dann konnte er einen schnelleren und sichereren Kurs berechnen, als es der Bordcomputer tat. Der Kleine hatte echt was drauf. Aber er war viel zu schüchtern. Meine Wenigkeit hört auf den Namen, Dobbson. William Dobbson, kurz Bill oder Dobbie. Ich bin der Kommunikationsoffizier. Meine Aufgabe besteht darin, meinen Kameraden miese Nachrichten an den Kopf zu werfen, die ich vorher vom Oberkommando an den Kopf geworfen bekomme. Wir waren also mitten in der Texanischen Wüste. Unser einfacher Auftrag bestand darin, den T-112 Panzer nach Fort Grandel zu bringen. Und weil gleich noch die neuartigen Straßenketten getestet werden sollten, durften wir das langsame Monster 660 Meilen über Landstraßen bewegen. Zudem war die Klimaanlage kaputt und es wurde sehr schnell so heiß, im Panzer, dass wir uns die Finger verbrannten, wenn wir die Kontrollen bedienten. Nun saßen wir fest. Das Getriebe hatte den Geist aufgegeben und wir standen knapp fünf Meilen vor der mexikanischen Grenze. Über Funk benachrichtigte ich das HQ.
"Grollender Donner an Himmelsfestung! Wir sitzen in Planquadrat 9 fest. Unsere schwere Lady hat einen kaputten Stöckel. Ich wiederhole. Planqadrat 9. Gebrochener Stöckel. Grollender Donner Ende."
Das umschrieb ziemlich eindeutig unsere Situation. Diese Codesprache musste ich mir innerhalb von einem Wochenende einhämmern.
Dann kam die Antwort. "Hier Himmelsfestung. Wir können ihnen im Augenblick keinen Schuhmacher Schicken, grollender Donner. Versuchen sie, wenn möglich, schwere Lady zu tarnen, oder an einen sicheren Ort zu bringen. Wir können ihnen frühestens übermorgen Hilfe senden. Himmelsfestung Ende."
Ich erklärte die Situation meinem Captain. Rinco nahm es erstaunlich gelassen.
"Scheiß drauf, Kleiner! Wir lassen die Kiste hier stehen, machen ein Vorhängeschloss dran und suchen uns ein Hotel."
"Aber Sir", beschwerte ich mich. "Schwere Lady steht direkt am Straßenrand."
"Was soll denn passieren, Kleiner? Meinst du, die Los Lobos kommen und klauen die Reifen? Das ist ein 55 Tonnen schwerer Panzer, kein Chevie Impala. Los jetzt! Sammle Windelkacker und Jesus ein."
Jesus war Malcom Towers. Der farbige Schütze war ein gläubiger Christ und versuchte ständig alle zu retten. Das ging Rinco wirklich auf die Nerven. Windelkacker war der junge Luke. Ach ja. Ich war übrigens Tigger. Keine Ahnung, warum er mich so nannte. Aber wenn man es sich nicht mit ihm verscherzen wollte, ließ man es sich einfach gefallen. So war das eben bei der Army. Hätte ich doch besser auf meinen Dad gehört und wäre zur Navy gegangen. Dann wäre ich vielleicht auf einer einsamen Insel, mit lauter halbnackten Hula-Mädchen, exotischen Cocktails und Riesenkrebs zum Frühstück.
Nachdem wir den Panzer unter einem Tarnnetzt versteckt hatten und es noch zusätzlich mit Büschen versahen, könnte man den Eindruck gewinnen, dass da ein großer Hügel neben der Straße war. Allerdings nur, wenn man zügig vorbei fuhr und nicht genau hinsah. Es war nahezu erfrischend durch die Wüste zu laufen, nachdem wir dem stickigen Panzer entkommen waren. Luke sprang jedesmal wie eine Gazelle, wenn er eine Schlange, einen Skorpion, oder eine große Spinne sah. Hier wimmelte es von den Viechern. Alle fünf Minuten gab er quiekende Laute von sich und wechselte die Straßenseite.
"Verdammt, Windelkacker! Kannst du dich nicht einmal wie ein Mann benehmen? Du hast schwere Kampfstiefel an. Da könnte nicht einmal eine Klapperschlange durchbeißen."
Da war Rinco noch richtig nett.
"Es ist eine Phobie, Captain", verteidigte ich Luke. "Für solche Angstzustände kann man nichts."
Ich erntete einen scharfen Blick von Rinco.
"Wenn die kleine Memme nicht bald erwachsen wird, kann ich ihn nicht gebrauchen. Nicht in meinem Panzer."
So trotteten wir gut zwei Stunden nebeneinander her. Dann kamen wir in die kleine, mexikanische Grenzsiedlung. Hier gab es alles, was Rinco zum überleben brauchte. Eine Bar und ein Hotel. Aber dummerweise keinen Mechaniker. Ich hatte Hunger und Durst. Wir vier liefen, wie Pistoleros, die Hauptstraße entlang. Jede Sekunde davon standen wir unter unverhohlener Beobachtung. Jeder musterte uns. Luke wurde immer kleiner, unter den prüfenden Blicken. Rinco ging gelassen weiter und warf düstere Blicke um sich. Ich unterhielt mich mit Towers und lenkte mich somit von diesem widerlichen Gefühl, gemustert zu werden, ab. Wir gingen direkt in die Bar. Und ja, liebe Leser. Es war genau so, wie man sich eine verlauste Bar, in einer mexikanischen Grenzstadt vorstellt. Schmierig, versifft, verqualmt, dunkel und so voller Gesetzloser Hombres, dass man nicht lange lebte, wenn man nicht die Klappe hielt. Wir schwangen uns, übertrieben gelassen, an einen freien Tisch. Der schmierige Wirt kam angestolpert. Zu uns Gringos waren sie sehr freundlich. Amerikaner geizen nicht mit dem Trinkgeld. Der Wirt schob einen Kugelbauch vor sich her. Seine einstmals weiße Schürze sah wie ein modernes Kunstwerk aus. Sämtliche Lebensmittelreste waren vertreten. Ich glaubte auch ein knappes Dutzend Popel gezählt zu haben. Eine zerquetschte Fliege zuckte noch ein wenig. Ihr zerstörter Körper war in die Schürze eingearbeitet.
"Was darf ich ihnen bringen, Seniores?"
Wir bestellten uns kaltes Bier und die Spezialtät des Hauses.
Was immer es auch war. Wir aßen es. Ich fand Erbsen, rote Bohnen, Rindfleischstücke und getrockneten Chili. Den Rest konnte ich nicht definieren. Es schmeckte nicht schlecht. Nur ein wenig nach alten Socken.
Nach dem Essen saßen wir schweigend am Tisch und tranken unser Bier. Irgendwie hatten wir alle Angst, Rincos Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. Seine aggressive Dominanz schien sich zwischen jedes freundliche Denken zu schieben und machte ein Wohlfühlen unmöglich. Irgendwann reichte es mir. Ich war entschlossen, den Status Quo zu brechen.
"Wie sieht es aus, Freunde. Lust auf eine Runde Billard?" Fragte ich in die Runde. Towers nickte und stand auf um sich einen Queue zu holen. Luke sah eingeschüchtert zu Rinco, der ihn gar nicht beachtete.
"Komm schon, Luke", ermutigte ich ihn.
Der Junge grinste und kam mit mir. Jetzt fehlte nur noch Rinco.
"Soll ich ihnen auch einen Platz frei
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Kommentare
Gimliy schrieb am 2008-11-17 12:53:20:
Fett! Das ist eine echte Abenteuergeschichte die alles beinhaltet, was man für Action braucht!
lg: Gimliy
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