Mike
von
Siriel
1
2
Leben, gesteuert von jemandem, der beschlossen hatte, ihm, Mike, ein Leben zu schenken? Ein Leben.
War er allein? War er einer von tausenden?
Der Sand rieselte durch seine nackten Zehen, kleine Krebse flohen vor ihm. Am Horizont türmten sich Wolken auf. Ein Sturm zog heran. Ein gutes Wetter für sein Vorhaben. Mike schmunzelte.
Er war kein Sandkorn. Er war auch keine Muschel. Er war er. Er war…etwas. Seltsam? Verrückt? Er wusste es nicht. Er wollte es nicht wissen.
Gott, dachte er. Gott ist ein seltsamer Name. Zeus? Atlas? Gabriel? Diabolus? Pater? Titel. Titel einer Aufgabe. Menschliche Gedanken.
Er war noch nicht so weit. Vielleicht in tausend Jahren. Vielleicht in Millionen, in der Luft schwebend, vielleicht verloren in der Welt, vielleicht wiedergeboren in sich selbst, vielleicht – und endlich? – tot. Vielleicht schreiend, vielleicht lachend, vielleicht mordend, raubend, sündend. Vielleicht glaubend, vielleicht liebend. Vielleicht irgendwann, würde er sie finden. Sie. Denn Gott war kein Mann. Er war auch keine Frau. Er war kein einzelnes Wesen. Er war alles, alles oder nichts. Irgendwann, irgendwo, irgendwie, würde er es begreifen. Begreifen. Gott war der Sand, der ihn berieselte, die Luft, die ihn peitschte, der Regen, der ihn nässte, das Meer, das ihn täubte, der Durst, der ihn trieb. Das Leben, das ihn hielt, der Tod, der ihm entsagte. Er selbst.
Hell leuchtend im Widerschein des Mondes überquerte er den Strand, auf der Suche nach Sünde. Er war durstig.
Hölle?
Ja, was war das?
Der Durst. Das Leben. Gott. Der Sand. Die Zeit. Er selbst.
Blut.
Alles andre…war egal. Gleichgültig, vergessen, vernichtet.
Mike. Ein Name. Ein Wesen. Nichts mehr.
*~*
Eine spontane OneShot. Ich hoffe sie regt zum denken an.
Anmerken möchte ich noch: Ich habe Anne Rice nie gelesen. Meine Freunde meinten, es gäbe Parallelen, deswegen erwähne ich das hier. Ich will keine Nacherzählungen schreiben, es gibt nichts was ich mehr verabscheue.
siriel
1
2
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen